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Stadtbezirksbeirat Altwest beantragt eine Stadtteilverbindung zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg, die auch die S-Bahn-Steige mit erschließt

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    Nein, Leipzigs Verwaltung muss sich nicht wirklich darüber wundern, dass Ratsfraktionen und Stadtbezirksbeiräte immer ungeduldiger werden und sich mit Prüfaufträgen nicht mehr abspeisen lassen. Die verschieben wichtige Entscheidungen in der Regel wieder nur um mehrere Jahre in die Zukunft, während Zustände, die alle Seiten längst als inakzeptabel empfinden, einfach erhalten bleiben. So wie bei der Verbindung von Leutzsch nach Böhlitz-Ehrenberg, wo der Stadtbezirksbeirat schon mehrmals fast verzweifelt ist.

    Denn dass die Georg-Schwarz-Brücken ab 2024 erneuert werden sollen, weiß Leipzigs Baudezernat auch nicht erst seit 2018. Zehn Jahre lang war Zeit, alle Belange zu diesem gigantischen Brückenbau zu prüfen, der von 2024 bis 2030 die wichtigste Verbindung zwischen den Ortsteilen kappen wird.

    Andererseits war es natürlich eine kleine Überraschung, als das Dezernat im Sommer dann sogar in Eigeninitiative Vorschläge für künftige Rad-/Fußwegbrücken vorgelegt hat, die Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg nördlich der Georg-Schwarz-Brücken dauerhaft verbinden könnten. Es waren auch ein paar Tunnelvarianten dabei. Aber schon aus Kostengründen plädierte das Baudezernat für eine Brückenvariante. Mögliche Kosten: zwischen 6,80 und 9,85 Millionen Euro.

    Es merkte aber auch an, dass das vor Beginn der Arbeiten an den Georg-Schwarz-Brücken nicht mehr umsetzbar wäre.

    Aber damit ist der Stadtbezirksbeirat Altwest nicht zufrieden.

    Er beantragte jetzt zwei Extra-Punkte, um die die Vorlage des Baudezernats ergänzt werden sollte:

    4. Am Bahnhof Leutzsch wird als westlicher Zugang zu den Bahnsteigen eine Brücke für Rad fahrende dauerhaft gebaut.

    5. Die Ausführung der Rampen zu der dauerhaften Fußgängerbrücke wird dabei so gestaltet, dass sowohl die Bahnsteige erreicht werden können als auch die städtebaulich sinnvolle Wegebeziehung zwischen Heimteichstraße <-> Lise-Meitner-Straße bzw. Robert-Koch-Straße hergestellt wird.

    Das plädiert also einerseits für die geprüfte Variante 4 (Heimteichstraße/Robert-Koch-Straße), sieht aber auch Sinn in einer fünften Brückenvariante (Heimteichstraße/Lise-Meitner-Straße), die nicht nur zwei Straßen miteinander verbinden, die in der Vorlage der Stadt in verschiedenen Varianten untersucht wurden – sondern auch eine Verbindung zu den Bahnsteigen vorsieht, die das Baudezernat in dieser Entfernung vom S-Bahnhof Leutzsch nicht vorgesehen hat.

    Aber selbst die Machbarkeitsstudie der Verwaltung plädiert eigentlich für so eine Verbindung, argumentiert der Stadtbezirksbeirat und führt dann alle Punkte auf, die genau für so eine Brückenvariante sprechen. Und es sind erstaunlich viele.

    Aus Sicht des SBB Altwest sprechen zudem die folgenden Punkte für eine dauerhafte Wegebeziehung für Rad fahrende und zu Fuß gehende:

    – Der westliche Zugang zum Bahnhof Leutzsch ist auch aus Sicht von ÖPNV Umsteigern wichtig. Die Linie 80 aus Wahren hat bereits an der Lise-Meitner-Straße eine Haltestelle, an die die Brücke angeschlossen werden sollte. Auch in der Philipp-Reis-Straße wird perspektivisch die Linie 67 fahren und damit den Bahnhof Leutzsch bereits an der Heimteichstraße erreichen können. Diese doppelte Sicherheit für den ÖPNV-Fahrgast, den Anschluss an den SPNV (S-Bahn, RB, RE) erreichen zu können, hebt die Attraktivität des ÖPNV weiter.

    – In einer wachsenden Stadt sind die vorhandenen Naherholungsgebiete (hier beispielsweise Auwald, Auensee, Villa Hasenholz) für die Bevölkerung wichtiger denn je. Diese sollten auf attraktiven Wegen erreichbar sein, die schon vor der Haustür autofrei gestaltet sind. Die Brücke hilft auch mit der Bahn anreisenden Naturliebhabern, die über die autofreie Brücke gefahrlos(er) ihre Ziele im Grünen erreichen können.

    – Am 09.07.2020 wurde die Aufstellung des Bebauungsplan Nr. 452 „Bahnbogen Leutzsch“ durch den Stadtrat beschlossen (VII-DS-00537). In dem Gebiet ist auch eine Kita bzw. ein Schulstandort vorgesehen. Sichere Wegebeziehungen zum ÖPNV sind auch für diese Bevölkerungsgruppe besonders wichtig.

    – Ein weiterer Aspekt ist die Sanierung des Alfred-Kunze-Sportparks und der damit vom Fördermittelgeber vorgegebenen Bedingungen (vgl. VI-A-08235-NF-02-ifo-01). Dies wird zu einem erhöhten Angebot seitens der BSG Chemie für Kinder und Jugendliche führen. Diese sollten einen sicheren Zugang zu den Sportanlagen rund um den Alfred-Kunze-Sportpark erhalten.

    – Die Gästefans bei Heimspielen der BSG Chemie brauchen einen Zugang zum Gästeblock, der weniger Verkehrssperren benötigt. Derzeit kommt es bis zu 2 h vor und nach dem Spiel zu kurzfristigen Verkehrssperrungen durch die Polizei, die die Gästefans am Bahnhof Leutzsch empfängt und über die Philipp-Reis-Straße bis zur Unterführung am ehemaligen Straßenbahnhof Leutzsch geleitet. Dieser Durchgang ist ungeeignet, um die bis zu 500 Gästefans sicher zu führen. Auch die Anwohner/-innen in Leutzsch können entlastet werden, wenn die Gästefans über den Steg direkt zum Stadion geleitet werden anstatt durch das Wohngebiet südlich der Eisenbahn. Dies birgt zudem ein finanzielles Einsparpotential für den Ordnungsdienst von Stadt und Polizei.

    – Die Brücke wird als Umleitungsstrecke bei einer etwaigen Sanierung der Unterführung am ehemaligen Straßenbahnhof Leutzsch zwischen Rathenaustraße und Gustav-Esche-Straße benötigt.

    ***

    Im Weiteren listet der Stadtbezirksbeirat eine ganze Liste von Mängeln in der Machbarkeitsstudie auf, die vor allem zu schlechteren Bewertungen der Radverbindungen im Gebiet geführt haben und Hemmnisse dort aufmalen, wo gar keine existieren.

    Entsprechend deutlich fällt das Fazit des Stadtbezirksbeirats aus: „Vor diesem Hintergrund sehen wir auf Grundlage der vorliegenden Machbarkeitsstudie keinen Hinderungsgrund für den städtebaulich notwendigen Lückenschluss im Fuß- und Radwegenetz in Leipzig-Altwest zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg.

    Bei der Ausführung der Rampen sehen wir zudem keine Notwendigkeit, diese mit 180-Grad-Wenden auszuführen. Dies verkleinert lediglich das Baufeld, verkürzt aber nicht die Wegelänge. Insofern sind auch Brückenstandorte möglich, die sowohl den Zugang zu den Bahnsteigen ermöglichen als auch die Anbindung an die städtebaulich sinnvolle Wegebeziehung (Heimteichstraße <-> Lise-Meitner-Straße bzw. Robert-Koch-Straße) herstellen.“

    Denn in der vom Stadtbezirksbeirat vorgeschlagenen Brückenvariante zwischen Heimteichstraße und Lise-Meitner-Straße bzw. Robert-Koch-Straße ist es sogar möglich, eine sehr lange Rampe zwischen den Gleisen direkt zu den Bahnsteigen der S-Bahn zu bauen – ohne Zickzack.

    Planungsdezernat legt noch zwei sinnvolle Ideen für die Georg-Schwarz-Brücken vor

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    5 KOMMENTARE

    1. Christof,
      Du hast Humor, Mitte der 90er Jahre lagen die Pläne zur Sanierung der Brücken im Rathaus der Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg (da war ich 25). Es hieß 2006 sollte alles fertig sein. Jetzt sind wir bei Fertigstellung 2030, es kommen noch die neuen Änderungen dazu, sehr gut in meinen Augen gerade die Radwege. Die Pläne mit dem Radweg auf der Trasse des Auenschreck existierten dazumal auch schon. Ich bin mittlerweile 50, bin Optimist aber bei diesen Bauwerk sehe ich schwarz. In Böhlitz laufen Wetten ob von unserer Generation jemand den Neubau erlebt. Sie müssen viel Geduld mitbringen, die Ideen sind gut aber unsere Bürokratie ist besser….

    2. Die vorzusehende Variante des Zuganges ist als Rampe, Zick-Zack oder Wendelschleife möglich, abhängig vom zur Verfügung stehenden Platz und von den Kosten. Wichtig ist, die Verbindung für Fußgänger und Radfahrende wird rechtzeitig gebaut.

    3. Ich könnte mir durchaus vorstellen, das die Zick-Zack-Variante für die Stabilität und Gründung besser geeignet / sinnvoller ist, als eine frei stehende 150m lange Rampe.

      Zweifelsohne ist die Verbindung wichtig und sollte so bald wie möglich realisiert werden.

    4. Es geht dem SBB Altwest um Variante 2 – aber mit anderen Zugängen. Um 6m Höhe (so hoch muss das Brückenbauwerk sein) barrierefrei zu erreichen, sind über 150m Rampenlänge nötig. Diese kann auch in einer Linie / Krümmung gebaut werden, statt die Rampen gewinkelt im Zickzack zu bauen, wie einzig und allein seitens der Machbrakeitsstudie der Stadtverwaltung untersucht wurde. Über die ästetische Ausgestaltung der Rampen kann das Gestaltungsforum der Stadt Leipzig befinden. Die Rampen könnten damit einerseits in der Heimteich, anderseits in der Robert-Koch- bzw. Lise-Meitner-Straße enden und damit sowohl die städtebaulich sinnvolle Querung ermöglichen als auch die Bahnsteige anbinden. Die WEgelänge bleibt nämlich gleich: 150m Ramoe hoch, Brückenlänge, 150m runter, ganz gleich wie die Rampe ausgeführt wird.

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