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NuKLA zeigt in einem Film, warum sich die Bewirtschaftung des Leipziger Auwaldes ändern muss

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    Corona hat auch dieses Thema überschattet: Im Juni sprach das Oberverwaltungsgericht in Bautzen ein Urteil, das die seit Jahren geübte Forstpraxis im Naturschutzgebiet Leipziger Auensystem praktisch untersagt. Erstritten hatten das Urteil die Grüne Liga Sachsen und der NuKLA e. V., der nun in einem zweistündigen Film noch einmal ausführlich erklärt, was im Auwald bislang alles falschgelaufen ist.

    Im Urteil machten die Richter noch einmal deutlich, dass Eingriffe in das streng geschützte FFH-Gebiet nicht ohne eine vorher erfolgte Verträglichkeitsprüfung vonstatten gehen dürfen. Und an dieser Prüfung sind zwingend die Naturschutzverbände zu beteiligen, um – wie die Richter betonen – von vornherein die naturschutzfachliche Kompetenz mit einzubinden.

    Und ganz explizit betrifft diese Mitwirkungspflicht eben auch die Kläger: die Grüne Liga und NuKLA.

    Was das Leipziger Umweltdezernat dann in einer sehr eigenwilligen Auslegung völlig verdrehte und entsprechend auch meldete. Aber trotzdem gab es im Herbst keinen neuen Forstwirtschaftsplan wie in den Vorjahren. Denn eigentlich ist die Sachlage klar: Genau diese Forstpläne darf es nicht geben, wenn es vorher keine Verträglichkeitsprüfung gab.

    Ganz abgesehen von den völlig unzureichenden Managementplänen für das FFH-Gebiet.

    Und warum solche Verträglichkeitsprüfungen sehr wahrscheinlich dazu führen, dass nichts aus den alten Bewirtschaftungsvorstellungen der Abteilung Stadtforsten der Stadt Leipzig umsetzbar sein dürfte, zeigt der Film – den der NuKla e. V. auf seiner Website eingebunden hat – recht detailliert – unter anderem, indem er genau die Folgen von Mittelwaldbewirtschaftung und Femelhieben (die in Leipzig in Wirklichkeit kleinflächige Kahlschläge sind) vor Augen führt und auch erklärt.

    Dazu hat NuKLA einige kompetente Biologen und Waldexperten im Sommer in den Auwald eingeladen – etwa Prof. Pierre Ibisch, der ziemlich konsterniert die Schäden begutachtet, die die massiven Forsteingriffe in die lebendige Waldstruktur angerichtet haben.

    Auch der deutschlandweit bekannte Förster Peter Wohlleben kommt zu Wort, der unter anderem den Präzedenzcharakter des OVG-Urteils würdigt, weil es so im Grunde für alle deutschen FFH-Gebiete gilt – immerhin 15 Prozent des Bundesgebietes. Nur arbeiten in den meisten Gebieten nach wie vor Förster, die gelernt haben, dass Wälder künstliche Gebilde (eben Forste) sind, die mit forstwirtschaftlichen Maßnahmen „in Ordnung gebracht“ werden müssen.

    Was in Leipzig auch in jenem Teil des Auwaldes zu besichtigen ist, der nicht von der städtischen Abteilung Stadtforsten bewirtschaftet wird, sondern vom Staatsbetrieb Sachsenforst, der im Waldgebiet Kahnitzsch noch rücksichtsloser Plantagenwirtschaft betreibt und Monokulturen anlegt, wo vorher großflächig gesunde Waldbestände abgeholzt wurden.

    Wobei dann jedes Mal auch die biologische Vielfalt auf dem „abgeernteten“ Gelände zerstört wurde und auch der so wichtige Waldboden mit seinen komplexen unterirdischen Vernetzungen umgegraben und damit ebenfalls zerstört wurde.

    Gegen Sachsenforst hat NuKLA deswegen schon 2019 eine Umweltschadensanzeige gestellt, die bis heute nicht beschieden wurde.

    Auch wenn sich zumindest andeutet, dass auch auf Landesebene so langsam ein Umdenken stattfindet. Im August besuchte Umweltminister Wolfram Günther den Leipziger Auwald und die Schadensbilanz, die der Umweltökologe Christian Wirth bei dieser Gelegenheit zog, war nicht mehr zu ignorieren.

    Der Auwald leidet gleich mehrfach – unter der Trockenheit der letzten drei Jahre, durch das Absterben wichtiger Baumbestände wie der Esche durch das Eschentriebsterben, aber auch durch die vor 90 Jahren erfolgte Trockenlegung. Um den Auwald zu retten, bleibt nicht mehr viel Zeit, betonte Wolfram Günther bei der Gelegenheit. Und deutete zumindest an, dass sich auch die Arbeit der Forstbetriebe ändern muss.

    Immerhin muss hier nicht nur eine seit Jahrzehnten geübte Praxis geändert werden, sondern das zugrunde liegende Denken in den Köpfen der Forstwirte, denen es sichtlich schwerfällt, den gewachsenen Wald als ein komplexes und artenreiches Biotop zu begreifen, das von forstlichen Eingriffen jedes Mal schwer gestört wird.

    Am Mittwoch, 13. Januar, hat NuKLA den mit zahlreichen Fotos und der Stimme von Schauspieler Axel Thielmann ausgestatteten Film auf seiner Website online gestellt. Hier findet man ihn.

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