Manchmal sind es die Bausünden der Vergangenheit, die sinnvolle Lösungen in der Gegenwart verhindern. Das wird inzwischen auch in der Diskussion um die Pflanzung von Straßenbäumen in Leipzig immer öfter zum Thema. Denn etliche hundert Baumscheiben in der Stadt können nicht wieder bepflanzt werden, weil alle möglichen Leitungen unter der Baumscheibe entlangführen. Das musste jetzt auch der Ortschaftsrat Lindenthal erfahren, der sich sehnlichst gewünscht hatte, dass die Baumscheiben an der Lindenthaler Hauptstraße wieder bepflanzt werden.
Und da Leipzig ja nun – mit Auftrag des Stadtrats – immer mehr Straßenbäume überall im Stadtgebiet pflanzt, fand es der Ortschaftsrat Lindenthal einfach naheliegend, die Stadt auch damit zu beauftragen, die leeren Baumscheiben in Lindenthal wieder mit Bäumen zu bepflanzen.
„Der Oberbürgermeister wird beauftragt sicherzustellen, dass alle fehlenden Bäume in den Baumscheiben des Straßenbegleitgrüns der Lindenthaler Hauptstraße unverzüglich, spätestens in der nächsten Pflanzperiode, mit für diese Straße geeigneten Bäumen, ersetzt und ergänzt werden“, formulierte der Ortschaftsrat sein Begehr und begründete es auch.
„Die Lindenthaler Hauptstraße ist eine beliebte Abkürzung von der Staatsstraße S1 zur Bundesstraße B6. Der Wirtschaftsverkehr und die Wege von und zur Arbeit nutzen diese Straße so stark, dass Ausfahren aus den Nebenstraßen zu bestimmten Zeiten kaum möglich ist. Um diese starke Nutzung etwas zu kompensieren und der Aufheizung der Straße entgegenzuwirken, fordert der Ortschaftsrat, dass alle beim Straßenbau angelegten und dafür gebauten Flächen mit Bäumen bepflanzt werden.“
Doch es lag nicht an einer Verweigerung der Stadt, dass die Baumscheiben leer blieben.
Zwischen Tannenwaldstraße und Gartenwinkel nicht möglich
„Der Antrag wurde ausgiebig geprüft. Im Ergebnis ist festzustellen, dass im Bereich der Lindenthaler Hauptstraße, zwischen Tannenwaldstraße im Süden und Gartenwinkel im Norden, aufgrund zu geringer Abstände zu unterschiedlichen Versorgungsleitungen keine Baumpflanzungen möglich sind. Zu den Versorgungsleitungen sind Schutzabstände einzuhalten, was ohne Leitungsumverlegungen nicht möglich wäre“, erklärte das Mobilitäts- und Tiefbauamt (MTA) in seiner Stellungnahme die Tatsache, dass es hier keine Bäume geben kann.
Es schlug aber auch als Alternative vor: „Eine alternative Gestaltungsmöglichkeit wären Strauch- bzw. Staudenpflanzungen und Frühjahrsblüher. Nach eigener Kostenschätzung müssten hierfür Mittel von mindestens ca. 30.000 Euro aufgewendet werden.
Innerhalb des MTA würde trotz angespannter Haushaltssituation diese Maßnahme aus dem Budget für die Unterhaltung von Straßengrün (1.100.54.1.0.01.04) realisiert. In der Folge müssten zudem die Bewirtschaftungsmittel für diesen Bereich angesichts eines erhöhten Pflegeaufwandes neu kalkuliert werden. Eine Kompensation zu Lasten anderer Maßnahmen findet intern statt.“
29 Bäume möglich und natürlich pflegeleichte Sträucher
Gleichzeitig meldete das MTA für einen Abschnitt der Lindenthaler Hauptstraße, dass man dort tatsächlich die Pflanzung von Bäumen plant: „Der nördliche Abschnitt der Lindenthaler Hauptstraße, stadtauswärts von Erich-Thiele-Straße bis Gartenwinkel, ist aktuell in der Entwurfsplanung und sieht 29 Baumpflanzungen sowie innovative Versickerungsanlagen vor.“
Folgerichtig freute sich Ortsvorsteher Thomas Hoffmann über den Verwaltungsstandpunkt, den er auch zur Abstimmung stellte, hatte aber noch drei Wünsche, die er Baubürgermeister Thomas Dienberg bat, bei der Pflanzung von Sträuchern in die leeren Baumscheiben mit zu berücksichtigen: eine pflegeleichte Bepflanzung, sodass nicht gleich wieder mit dem Verlust der Sträucher gerechnet werden muss, den Austausch des verbrauchten Bodens und einen Zufluss für das Regenwasser vom Bürgersteig, was ja den Regenwasserrückhalt genauso befördert wie die Versorgung der Wurzeln mit Wasser.
Das sagte Bürgermeister Thomas Dienberg auch zu, sodass es an der Lindenthaler Hauptstraße zeitnah wenigstens die Pflanzung von Sträuchern geben wird. Wann in einem Abschnitt die Baumpflanzung möglich ist, teilte das MTA noch nicht mit. Der Umsetzungsvorschlag des Baudezernats wurde dann trotzdem von der Ratsversammlung einstimmig angenommen.
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