Die VNG mit ihrem Sitz im Leipziger Nordosten ist nicht nur für die Wirtschaft der Stadt wichtig. Sie spielt auch eine ganz zentrale Rolle in der Energieversorgung und damit auch in der Energiewende. Auch wenn derzeit noch immer das Erdgas ihr Hauptgeschäft ist. Und da ist ja seit dem russischen Überfall auf die Ukraine seit 2022 die Frage, wie das Unternehmen die immer wieder ausscherenden Gaspreise verkraftet und welche Bilanz es da jeweils im Frühjahr vorlegt. Aber auch für 2025 meldet die VNG ein positives Konzernergebnis.

„VNG blickt erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück, welches wir in Summe mit einem sehr positiven Ergebnis abschließen. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds und großer geopolitischer Unsicherheiten hat VNG ihren wirtschaftlich stabilen Kurs fortgesetzt. Unser Fokus liegt weiterhin auf der gaswirtschaftlichen Wertschöpfungskette und dem Betrieb kritischer Infrastruktur. Über alle Geschäftsbereiche sichern wir Versorgungssicherheit mit Gas“, resümiert Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG, anlässlich der diesjährigen Bilanzpressekonferenz.

VNG hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem bereinigten EBITDA von 422 Millionen Euro abgeschlossen (2024: 430 Millionen Euro), teilt das Unternehmen mit. EBITDA ist der operative Cashflow, bevor das Unternehmen seine Steuern abführt.

Damit liegt das operative Ergebnis fast auf Vorjahresniveau, aber deutlich über den Erwartungen, staunt man im Unternehmen selbst. Man hat also erfolgreich gewirtschaftet. Das auf die Anteilseigner der VNG AG entfallende Konzernergebnis beläuft sich letztlich auf 200 Millionen Euro (2024: 232 Millionen Euro).

Zu den Anteilseignern gehören auch acht ostdeutsche Städte, die ihre Anteile in der VUB gebündelt haben. Darunter auch Leipzig. Sie halten zusammen 15,63 Prozent der Anteile an der VNG.

Die Eigenkapitalquote stieg von 33 % auf 41 % und festigt die sehr solide Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des VNG-Konzerns, teilt das Unternehmen mit.

Vorstandsmitglieder der VNG AG: Bodo Rodestock, Vorstand Finanzen/Personal; Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender; Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik. Foto: Torsten Pross
Vorstandsmitglieder der VNG AG: Bodo Rodestock, Vorstand Finanzen/Personal; Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender; Hans-Joachim Polk, Vorstand Infrastruktur/Technik. Foto: Torsten Pross

„Unsere finanzielle Stärke gibt uns die nötige Stabilität, um das Bestandsgeschäft gezielt weiterzuentwickeln, in die Infrastruktur erneuerbarer und dekarbonisierter Gase wie Biogas und Wasserstoff zu investieren und damit zugleich regionale Wertschöpfung zu schaffen. 2025 haben wir konzernweit Investitionen von 244 Mio. Euro getätigt – überwiegend in Ostdeutschland und weitgehend aus eigener Kraft“, betont Bodo Rodestock, VNG-Vorstandsmitglied für Finanzen und Personal.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte VNG einen abgerechneten Umsatz von rund 18 Milliarden Euro (2024: rund 16 Milliarden Euro). Der VNG-Konzern beschäftigte zum 31. Dezember 2025 insgesamt 2.049 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Sichere Gasversorgung bleibt zentrale Aufgabe

Die Versorgungssicherheit stand auch 2025 im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns von VNG. Ein breit diversifiziertes Beschaffungsportfolio aus verlässlichen pipelinegebundenen Liefermengen sowie LNG-Importen, leistungsfähige Speicher und ein belastbares Fernleitungsnetz bildeten das Fundament für eine sichere Gasversorgung. „Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Ergebnis vorausschauender Entscheidungen und zuverlässiger Infrastruktur. Unsere Netze und Speicher stellten auch in Phasen hoher Nachfrage ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis“, so Heitmüller.

Und da spielt die Unternehmertochter ONTRAS eine zentrale Rolle.

Im Geschäftsjahr 2025 profitierte die ONTRAS Gastransport GmbH (ONTRAS) – u. a. aus Mehrvermarktungen – von höheren Transporterlösen. Parallel dazu treibt ONTRAS den Umbau ihrer bestehenden Gasinfrastruktur voran. Mit dem ONTRAS H₂-Startnetz als Teil des deutschlandweiten Wasserstoff-Kernnetzes verantwortet ONTRAS künftig rund 600 Kilometer Wasserstoffleitungen. Bei rund 80 % der Leitungen werden bestehende Erdgasleitungen umgestellt und 20 % entstehen durch Neubau. Zum Gesamtergebnis leistete der Transportbereich einen Beitrag in unterer dreistelliger Millionenhöhe.

Im Geschäftsbereich Handel & Vertrieb versorgt über 400 Kunden, vor allem Stadtwerke, Weiterverteiler, Industriekunden und Kraftwerke. Neben dem Inland werden auch Erdgaslieferungen in Polen, Tschechien, Österreich sowie für eine Vielzahl europäischer Handelspunkte erbracht. Und hier schlägt sich auch nieder, dass sich die VNG in den vergangenen Jahren aus der Abhängigkeit von russischem Erdgas gelöst hat.

Das diversifizierte Beschaffungsportfolio – u. a. mit Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und Algerien sowie LNG-Bezug über FSRU-Terminals – erwies sich auch 2025 als stabil, so das Unternehmen. Der Gasabsatz lag im Geschäftsjahr 2025 bei rund 411 Mrd. kWh (2024: rund 352 Mrd. kWh).

Das Endkundengeschäft der goldgas GmbH leistete einen planmäßigen Ergebnisbeitrag. Das Biomethanhandelsgeschäft wurde mit der bmp greengas GmbH weiter gestärkt und in die Gesamtstrategie integriert. In Summe erwirtschaftete der Geschäftsbereich Handel & Vertrieb ein Ergebnis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Transformation mit Augenmaß: Biogas, Wasserstoff und Infrastruktur

Aber wie geht es nun weiter mit dem Umbau der Versorgungsinfrastruktur – also der Transformation hin zu erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen? Biogas bleibt vorerst ein zentraler Baustein in dieser Entwicklung, teilt die VNG mit. Man habe das Anlagenportfolio weiter vergrößert.

Viel wichtiger ist freilich der schrittweise Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Mit dem Energiepark Bad Lauchstädt entsteht in Kooperation mit sechs Konsortialpartnern erstmals die gesamte Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff im industriellen Maßstab. Im Jahr 2025 wurden hier weitere Meilensteine erreicht: ONTRAS nahm eine 25 Kilometer lange Transportleitung in Betrieb, die zugleich das erste Teilstück des Wasserstoff-Kernnetzes in Ostdeutschland ist. Ebenfalls begannen die Montage der Stacks des 30 MW-Elektrolyseurs und die stufenweise Inbetriebnahme der Gesamtanlage.

Noch 2026 soll der erste grüne Wasserstoff in Richtung Leuna fließen. Künftig sollen jährlich ca. 2.700 Tonnen des erneuerbaren Energieträgers auf Basis regionaler Windenergie ins Netz eingespeist, zum Ankerkunden TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland transportiert und industriell genutzt werden. „Wir sind Early Mover im Wasserstoffmarkt – mit allen Chancen und Risiken. Der Hochlauf verläuft derzeit allerdings deutlich langsamer als politisch geplant. Deshalb prüfen wir Investitionen zur Umsetzung unserer Strategie ‚VNG 2030+‘ stets sorgfältig auf regulatorische Verlässlichkeit und Wirtschaftlichkeit“, betont Heitmüller.

Perspektivisch wird Deutschland den hohen Wasserstoffbedarf jedoch nicht nur durch heimische Produktion aus Elektrolyse decken können. Daher entwickelt VNG mit internationalen Partnern Wasserstoffprojekte, die über das entstehende Leitungsnetz Kunden mit Wasserstoff versorgen können und bei der Reduktion von CO₂-Emissionen unterstützen.

So prüft VNG mit Partnern internationale Wertschöpfungsketten, u. a. die Möglichkeit, Ammoniak in Rostock anzulanden und dort anschließend in Wasserstoff umzuwandeln. Parallel wird in einem weiteren Projekt die Dekarbonisierung von norwegischem Erdgas bewertet.

„Die Hansestadt Rostock bietet optimale Bedingungen, einen wichtigen Beitrag für den Wasserstoffhochlauf zu leisten: mit dem Hafen, der vorhandenen Infrastruktur und nicht zuletzt dem geplanten Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz“, erläutert Polk.

Ergänzend dazu prüft VNG mögliche Optionen im Bereich Carbon Management.

„Gemeinsam mit Marktpartnern ermitteln wir derzeit die Umsetzbarkeit und Marktfähigkeit der technologischen Ansätze zur Reduktion von unvermeidbaren CO₂-Emissionen. Wir brauchen aber auch hier stabile, kapitalmarktfähige Rahmenbedingungen für CCS und CCU, um Investitionen anzuschieben und Risiken abzusichern. Dies umfasst die CO₂-Transportinfrastruktur, wettbewerbsfähige Transportentgelte, auch speziell für ostdeutsche energieintensive Emittenten, sowie CO₂-Speicherprojekte“, so Polk weiter.

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