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Website zu Kindereuthanasie-Verbrechen in Leipzig erzählt jetzt online von den Schicksalen der getöteten Kinder

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    Da und dort haben sich Engagierte in Leipzig schon seit Jahren mit dem Thema Kinder-Euthanasie-Verbrechen beschäftigt. Aber so richtig ins Bewusstsein der Stadt kam das Thema erst mit Tino Hemmanns Buch "Hugo. Der unwerte Schatz". Ein Buch mit Folgen. Eine der beeindruckensten ist die 2011 im Friedenspark eingerichtete Gedenkstätte für die ermordeten Kinder, die zum Teil auf dem ehemaligen Neuen Johannisfriedhof ihre letzte Ruhestätte fanden.

    „Nach der Einrichtung eines Gedenkortes im Leipziger Friedenspark und der Überarbeitung der Wanderausstellung gibt es nun auch eine Internetseite, welche zu diesem düsteren Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte informiert und die Erinnerung wach hält“, erklärt nun Bürgermeister Thomas Fabian.

    Anlass für die aktuelle Freischaltung der Website – die mit Unterstützung des Landesprogrammes „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ und der Leipzigstiftung entstand – ist der 75. Jahrestag der Eröffnung der Kinderfachabteilung in der Heilanstalt Leipzig-Dösen im Oktober 1940. Dort fielen die Entscheidungen über die Tötung der Kinder. Und das Beklemmende daran ist, dass es Ärzte waren, die hier entschieden, welches Kind lebenswert war und welches nicht. Die Homepage erinnert an die Hintergründe der nationalsozialistischen Verbrechen an behinderten Kindern oder – auch das muss erwähnt werden – an Kindern, die in diese Maschinerie gerieten, weil ihre Betreuer sie für unerziehbar oder sozial „verkommen“ hielten. Allein in Leipzig-Dösen waren in dieser speziellen Abteilung mehr als 500 als lebensunwert angesehene Kinder getötet worden.

    Die fortgesetzte Beschäftigung mit diesem Thema obliegt nun dem Sächsischen Psychiatriemuseum des Psychiatriebetroffenenvereins Durchblick e.V. in Leipzig, teilt das Gesundheitsamt mit. Das Museum betreut zukünftig die Internetseite und ist Ansprechpartner für Interessenten. Mit der Freischaltung der Website übergibt die Stadt Leipzig zugleich die Forschungsergebnisse – historische Dokumente und andere Materialien – sowie eine Wanderausstellung zum Thema an das Sächsische Psychiatriemuseum.

    Seit mehr als 15 Jahren bemüht sich die Stadt Leipzig um die Aufarbeitung der Kindereuthanasie-Verbrechen in Leipzig. Initiator dieses Vorhabens ist das Gesundheitsamt. Auf der neuen Internetseite sind die Forschungsergebnisse und vielfältigen Projekte zusammengefasst und so der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.

    Wie der Historiker Ulrich Rottleb berichtet, war Margot Martha W., geboren am 15.04.1938 in Hoyerswerda, eines der ersten Opfer. Marthas Vater, ein Fleischermeister, war zum Heeresdienst einberufen, als seine zweieinhalbjährige Tochter mit der Diagnose Idiotie am 19. Oktober 1940 der Anstalt Leipzig-Dösen „zugeführt“ wurde. In der Krankenakte befindet sich ein Brief, in dem sich die besorgte Mutter erkundigt, ob es ihrer „Margotel“ gut ginge und sie wieder gesund werden würde. Daraufhin erhielt sie die Nachricht, dass sich Margot besten körperlichen Wohlbefindens erfreue, jedoch keine Aussicht darauf bestehe, dass sie sich wie ein normales Kind entwickeln würde. Die Beobachtung sei aber noch nicht abgeschlossen. Doch bereits wenige Wochen später wurde den Angehörigen mitgeteilt, dass Margot am 23. November 1940 an einer Bronchopneumonie gestorben sei. Diese Todesursache, so Rottleb, findet sich verdächtig häufig in den Krankenakten der Abteilung und ist ein klares Indiz dafür, dass das Kind ermordet und zur Tarnung eine scheinbar natürliche Todesursache erfunden wurde.

    Es ist nicht das einzige Kinderschicksal, das auf der neu gestalteten Seite zu finden ist. Dort können zahlreiche weitere Schicksale in Leipzig getöteter Kinder nachgelesen werden. Außerdem werden Materialien und Dokumente zur Verfügung gestellt.

    Lesetipp: Tino Hemmann Hugo. Der unwerte Schatz, Engelsdorfer Verlag 2009, 8 Euro.

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