Eines steht bereits fest – es werden immer mehr. Immer mehr Städte weigern sich, kommunale Flächen an Zirkusbetriebe zu vermieten, wenn diese ihre Shows mit Wildtieren gestalten. Über 40 sollen es mittlerweile in Deutschland sein. Seit Mitte 2015 ist eine Initiative in Leipzig gestartet, dies auch in der (Klein)Messestadt zu erreichen. Eine Petition fand 3.381 Unterschriften, der Petitionsausschuss der Stadt stimmte ihr zu. Und dennoch kam es am gestrigen 16. Dezember zu keiner Beschlussfassung im Stadtrat.

Es mag auch am Jahresendstress gelegen haben, dass die Petition der „Initiative wildtierfreier Zirkus Leipzig“ nicht mehr unter die Augen der vollzählig versammelten Stadträte gelangen konnte. Die Verwaltung fand im letzten halben Jahr offenbar noch keine Zeit, ihren Standpunkt in der an Themen prall gefüllten Sitzung darzulegen, die Abstimmung wurde vertagt. Vielleicht lag es jedoch eher daran, dass es eben leichter ist, ein „geht nicht“ zu begründen, als eine juristisch funktionierende Lösung vorzulegen.

Die Tage der Zirkusse, die mit Tieren wie Elefanten, Löwen oder Robben in Leipzig gastieren wollen, scheint dennoch allmählich abzulaufen. Was trotz Votum des Bundesrates im Jahre 2003 und 2011 dann doch keinen nachhaltigen Eingang in das anschließend erneuerte Tierschutzgesetz des Bundes fand, kommt nun eben über die Ordnungsdezernate der Kommunen auf die Zirkusbetreiber zu. Diese haben die Möglichkeit, über Marktsatzungen und Vergaberichtlinien die Gesetzeslagen ihrer Flächen für Aussteller und Gastspielbetriebe auf stadteigenen Flächen direkt vor Ort zu verändern.

So haben laut der Initiative seit Mitte des Jahres Schwerin, Castrop-Rauxel, Osnabrück, Düsseldorf und Heilbronn entsprechende Regelungen verabschiedet. „In den Begründungen kommen die Städte immer zu ähnlichen Schlüssen, dass die Haltungsbedingungen von Wildtieren im Zirkus mit seinen häufigen Ortswechseln und dem Auftrittszwang in der Manege eine Überbelastung der Tiere darstellen“, so die Initiatoren um Judith Gromeyer.

Gegen Wildtiere: Die Initiative im Neuen Rathaus: (vlnr.) Philipp Lang, Anika Reinhardt, Linda Förster, Judith Gromeyer und Sergey Denisov. Foto: Anett Paul
Gegen Wildtiere: Die Initiative im Neuen Rathaus: (vlnr.) Philipp Lang, Anika Reinhardt, Linda Förster, Judith Gromeyer und Sergey Denisov. Foto: Anett Paul

Nächster Abstimmungsversuch am 20. Januar 2016

Trotz der gestrigen Aussetzung scheint die Initiative, welche mit einem Infostand vor dem Plenarsaal vertreten war, auf der Siegerstraße für die kommende Abstimmung am 20. Januar 2016 zu sein. „Die breite Unterstützung aus Bevölkerung, Tier- und Umweltschutzorganisationen mit über 3.000 Unterschriften und das Vorbild anderer Städte sollte die Stadt Leipzig zum Handeln motivieren, tierquälerischer Praxis ein Ende zu setzen“, so Franziska Berninger, Beisitzerin im Grünen Kreisvorstand und Mit-Initiatorin der Petition. Der Petitionsausschuss empfahl den Stadträten, der Petition könne “abgeholfen”, also zugestimmt werden.

Nun wartet also alles auf die Leipziger Verwaltung.

Info: Die Initiative Wildtierfreier Zirkus Leipzig hat sich Anfang 2015 gegründet. Die Gruppe ist ein Zusammenschluss von Leipziger Tierrechtler/innen und Tierschützer/innen, die sich Organisationsübergreifend für dieses Thema stark machen. Aus deren Mitte, namentlich durch Judith Gromeyer, stammt die im Sommer 2015 an den Leipziger Stadtrat gestellte Petition zur Abschaffung der Vergabe kommunaler Flächen an Zirkusse mit Wildtieren.

Ein Interview mit der Initiatorin Judith Gromeyer von Radio Blau

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