Leipzigs Oberbürgermeister sagt Ja zum Energiespar-Projekt Halbe-Halbe

Da sind die Grünen augenscheinlich offene Türen eingerannt, als sie im Juni das Energie- und Wassersparprojekt "Halbe-Halbe" beantragten. In der vergangenen Woche bekamen sie gleich doppelt Zustimmung: Das Dezernat Stadtentwicklung und Bau bekundete schriftlich seine Zustimmung und Oberbürgermeister Burkhard Jung tat es mündlich und öffentlich. Kornelius Unkell ist happy.
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Er hat das Projekt nach dem Vorbild anderer deutscher Kommunen, wo es oft schon (wie in Frankfurt am Main) seit Jahren läuft und die Energiekosten nachhaltig gesenkt hat, für die Grünen-Fraktion aufbereitet und auch die ersten Leipziger Schulen ins Boot geholt, die zugesagt haben, in das Projekt einzusteigen. Und so nebenbei hat er auch noch eine Projektbetreuung an Land gezogen, die die Stadt im ersten Jahr auch nichts kosten würde. Da kann man ja eigentlich loslegen.

Es ist ja auch gar nicht so neu, stellt das Planungsdezernat fest: „Die Verwaltung der Stadt Leipzig hat mit dem Verfahren von Energie- und Wassersparprojekten, wie im Projekt ‚Halbe-Halbe‘ vorgeschlagen, bereits Erfahrungen. In den Jahren 1997 – 2002 wurde nach dem gleichen Verfahren unter dem Begriff ‚Schulen sparen Energie‘ zunächst 14 Schulen und später 28 Schulen (Quelle: Bericht ‚Energie und Bewirtschaftung 2002‘) in einem Wettbewerb einbezogen. Dieser wurde im Jahr 2002 aus Gründen des sehr hohen Verwaltungsaufwandes und den mit der Zeit ausgeschöpften Einsparmöglichkeiten durch Schüler und Lehrer (hier der Einfluss auf die Stromeinsparung, da die Wärmeeinsparung zentral geregelt ist) einvernehmlich eingestellt.“

Aber irgendwie hat man damals wohl vor lauter Verwaltungsaufwand die eigentlichen Möglichkeiten nicht wirklich ausgeschöpft. Denn die werden erst gehoben, wenn sich Schüler und Lehrer gemeinsam in das Projekt knien und auch im Eigeninteresse (ein Teil des eingesparten Geldes steht ihnen zu) darum bemühen, alle Einsparmöglichkeiten im Haus zu erkunden – mit Hausmeister und dem hauptverantwortlichen Amt für Gebäudemanagement (AGM) zusammen. Denn bei manchen Energieverschwendungen hilft auch die Aufmerksamkeit der Schüler nicht weiter, da müssen Einstellungen in der Technik oder einige Baudetails geändert werden. Ganz ohne die für die Schulgebäude verantwortliche Stadt geht es nicht.

Aber Unkell sieht da – trotz des 2002 beendeten Projekts – noch erheblichen Spielraum: „Das Nutzerverhalten in Gebäuden birgt nach wie vor ein großes Einsparpotential bei Energie- und Wasserverbräuchen. Experten gehen von einem Einsparpotential von 10 bis 20 Prozent des Gesamtverbrauchs in öffentlichen Gebäuden aus. Das Projekt Halbe-Halbe will diese Einsparressourcen nach dem Vorbild ähnlicher, schon lange erfolgreich laufender Projekte in anderen deutschen Städten heben (Chemnitz, Frankfurt a.M., Hannover, Berlin, Landkreis Teltow-Fläming etc.). Als Anreiz zum Sparen erhalten die Schulen 50 Prozent der eingesparten Mittel für Anschaffungen. Und auch die HausmeisterInnen erhalten eine Prämie für erfolgreiches Sparen.“

Und er betont: „Das Potential ist groß: so weist zum Beispiel die Stadt Frankfurt im Jahr 2013 eine Einsparsumme vermiedener Energie- und Wasserverbräuche an 96 teilnehmenden Schulen von 1,1 Millionen Euro aus.“

Und so sieht es augenscheinlich auch OBM Burkhard Jung.

„Mit Freude haben wir in der letzten Kindersprechstunde von der Zustimmung des Oberbürgermeisters zur Initiative ‚Halbe-Halbe‘ für Leipzig erfahren“, freut sich Unkell.

Und auch wenn das Planungsdezernat die Lene-Voigt-Schule in Lößnig als erste Pilotschule vorschlägt, gibt es auch schon Freude über das „Ja“ des OBM aus einem Gymnasium in der Südvorstadt.

Heike Palluch, Schulleiterin Kant-Gymnasium Leipzig, betont gleich mal, dass die Schüler in diesem gerade frisch sanierten Gymnasium sofort bereit wären, sich in das Projekt zu stürzen: „Ich freue mich über die Unterstützung unseres Oberbürgermeisters für unsere Initiative. Jetzt hoffe ich, dass es auch bald losgeht. Ich denke, dass Schulen sehr gerne in das Projekt einsteigen werden. Mit diesem Vorhaben entsteht ein Bewusstsein zur Eigenverantwortung für den Verbrauch von Energie und Wasser. Über die Beschäftigung mit Handlungsoptionen und daraus möglichen Einsparungen können überall die Nebenkosten gesenkt werden. Daraus wiederum entsteht die Aussicht durch Halbe-Halbe die Hälfte der Einsparungen zur freien Verfügung für die Schule zurückzubekommen. Das sind zwei Effekte, auf die ich mich freue und die ich an meiner Schule erlebbar machen möchte. Von mir aus kann es losgehen.“

Der Antrag auf Einführung des Projektes und baldmöglichsten Beginn liegt dem Stadtrat sowie der Verwaltung seit Juni 2015 von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor.

„Halbe-Halbe“ in Leipzig verfolgt im Wesentlichen vier Ziele:

– Finanzielle Ressourcen erschließen – für den Stadthaushalt und die Schulen
– Einen Beitrag zur Umweltbildung in der konkreten Lebenswelt von Schülern und Lehrern leisten
– Einen Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz der Stadt Leipzig leisten
– Einen Beitrag zur Erreichung des angestrebten European-Energy-Awards in Gold für die Stadt Leipzig leisten.

Folgende Punkte sind beantragt:

1. Der Stadtrat beschließt die Durchführung des Energie- und Wassersparprojektes „Halbe-Halbe“ an Schulen in Leipzig. Projektstart zum Schuljahr 2016/2017.

2. Die Stadtverwaltung wird dazu beauftragt, die Voraussetzungen zur Durchführung des Projektes „Halbe-Halbe“ wie folgt zu schaffen:

– Einrichtung eines PSP-Elements „Energie- und Wassersparmaßnahmen Halbe-Halbe“ im städtischen Haushalt beim Amt für Gebäudemanagement zum 1.1.2016.
Die Erlöse der Kommune aus dem Projekt werden zur Verwendung für  Energiesparmaßnahmen im Amt für Gebäudemanagement gebunden.
– Schaffung von Verwaltungsvoraussetzungen zum 1.1.2016.
– Schaffung einer transparenten Datenbasis zum 1.1.2016.
– Beauftragung eines externen gemeinnützigen Trägers zum 1.11.2015.
– Beantragung von Fördermitteln zum 1.10.2015.

Die Stellungnahme der Verwaltung zum Projekt.

KlimaschutzEnergieeinsparungHalbe-Halbe
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