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Friedensgebet in der Nikolaikirche: Die christliche Motivation der Gewaltlosigkeit und der Zuwendung zum Du

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    Die Lichterkette startete 18 Uhr. Zuvor fand ab 17 Uhr in der Nikolaikirche das Friedensgebet statt. Pfarrer Bernhard Stief erinnerte an die Tradition der Gewaltlosigkeit. Pastor André Krause deutete die Geschichte vom verlorenen Sohn für die Gegenwart. Unter den Zuhörern war Oberbürgermeister Burkhard Jung, der katholische Propst Gregor Giele und Superintendent Martin Henker. Landesbischof Carsten Rentzing war leider erkrankt und konnte nicht teilnehmen.

    „Keine Gewalt!“ Dafür steht die jüngere Geschichte der Nikolaikirche und der Friedensgebete.  Pfarrer Stief erinnerte an den Ruf von 1989 und unterstrich, dass es nicht allein um körperliche Gewalt gehe: „Das schließt auch den Verzicht auf verbale Verletzungen ein!“. Aus christlicher Perspektive geht es bei diesem Aufruf um das zentrale Gebot der Feindesliebe: „Tut denen Gutes, die euch hassen, betet für die, die euch verfolgen.“ Ein Anspruch, den auch viele Christen nicht erfüllen. Auf Gewalterfahrung nicht mit Gewalt zu antworten durchbricht die Logik des gegenseitigen Verletztens und eröffnet einen Weg zum friedlichen Miteinander. „Friedfertigkeit hat aber nichts mit Tatenlosigkeit zu tun“, ergänzte er. Denn für ein friedliches Miteinander muss immer wieder gearbeitet werden. Diese Deutung war auch Superintendent Martin Henker wichtig. Es gehe nicht darum, gegen irgendjemanden zu sein, betonte er.

    „Wenn wir gleich die Kirche verlassen, dann suchen wir den Schulterschluss mit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Wir setzen damit ein Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit, für Demokratie und Chancengleichheit, für Offenheit und Zugewandtheit“, unterstrich daher Pastor André Krause in seiner Predigt. Es ist ein Zeichen. Unstrittig ist, dass ein Zeichen allein noch keinen Frieden bringt.

    Superintendent Martin Henker. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
    Superintendent Martin Henker. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

    Aufgabe einer Predigt ist, eine Brücke über 2000 Jahre zu schlagen. Von der biblischen Geschichte hin zur Gegenwart – also nach Leipzig. Hier ist an diesem Montag, 11. Januar, das erste Friedensgebet im neuen Jahr – Ausgangspunkt der Lichterkette, zu der Kirchen, Gewerkschaften, Politiker und Unternehmer aufgerufen haben. Um welchen biblischen Text es geht, darf die jeweilige Vorbereitungsgruppe entscheiden. Zuständig ist in dieser Woche die Evangelische Allianz, die mit diesem Gottesdienst beginnt, eine Woche lang für Leipzig zu beten. Biblischer Text ist die Geschichte vom verlorenen Sohn – manchem vielleicht auch als Geschichte vom barmherzigen Vater bekannt. Prediger ist der neue Pastor der Leipziger Baptisten, André Krause. Am 04.10.2015 wurde er in sein Amt eingeführt. In der biblischen Geschichte geht es um zwei Söhne: der eine zieht in die Welt, verprasst das Geld seines Vaters, lebt am Ende im Stall und kommt irgendwann auf den Gedanken, zurückzukommen. Als er das tut, hört er keine Vorwürfe vom Vater, sondern wird mit einem Willkommensfest begrüßt. Der ältere Sohn, der brav zu Hause geblieben und stets gesetzestreu geblieben war, ist sauer. „Er war immer pünktlich, gehorsam und fleißig – er könnte fast als Deutscher durchgehen“, charakterisiert ihn Pastor Krause.

    „Du vergeudest deine Zeit mit Leuten, die nicht umsonst am Rande der Gesellschaft stehen.“ Das war nach Pastor Krause bereits vor 2000 Jahren der Vorwurf an Jesus. Und es ist ein Vorwurf, der auch heute zu hören ist. Wichtiger Aspekt ist allerdings, dass sich der Vater beiden Söhnen zuwendet. So wird die Geschichte zur Aufforderung, über politische Grenzen hinweg gemeinsam einen friedlichen Weg für die Zukunft der Stadt zu finden. „Lasst uns mithelfen, dass Menschen in dieser Stadt Zukunft und Hoffnung finden“, unterstrich Pastor Krause und verdeutlichte: „Wir werden auch nicht müde, Kritiker und Bedenkenträger hereinzubitten und sie anzuhören.“ So wird mit diesem Auftakt verdeutlicht, dass die Motivation der Lichterkette nicht in der Politik zu suchen ist. Trotzdem geht es darum, wie politische Auseinandersetzung geführt werden sollte. Um es mit den Worten von Justizminister Sebastian Gemko (CDU) zu sagen, der an der Lichterkette teilnahm: „Die Gewalt in der Sprache und in der Tat muss endlich ein Ende haben.“

    Kerzen werden am Lichterbaum in der Nikolaikirche entzündet. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel
    Kerzen werden am Lichterbaum in der Nikolaikirche entzündet. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

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