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„Freikäufer“ – eine L-IZ.de für alle: Unsere Beweggründe im Detail

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    Wirklicher, einordnender und durchdachter Journalismus mit selbst vor Ort recherchierten Fakten funktioniert nach langjährigen Beobachtungen im Netz in den letzten Jahren weniger und weniger auf Basis von Werbekunden. In lokalen Märkten schon heute nicht mehr, weil hier die Jagd nach Millionenreichweiten der nationalen Zeitungen unsinnig und aufgrund der lokalen Art unserer Berichte bis auf wenige Ausnahmen nicht erreichbar ist. Sich mit diesen Zeitungen in einen Preiswettbewerb um Werbekunden zu begeben, ist also für uns mit bis zu 500.000 Besuchern und aktuell 180.000 verschiedenen Lesern im Monat nach den Anfangsjahren sinnlos geworden.

    Hinzu kommt der zunehmende Einsatz sogenannter Werbeblocker, in den jüngeren Lesergruppen, nach neuesten Erhebungen, bis zu 50 Prozent. Privat verstehbar, für eine Online-Zeitung auf reiner Werbefinanzierungsbasis heute und auch zukünftig verheerend. Einige Medienhäuser suchen längst ihr Heil in einer zunehmenden Flut an „Advertorials“ (bezahlte Artikel, oft nicht einmal als Anzeigen deklariert), welche von den Blockern nicht erfasst werden. Oder in sogenannten „Fachpublikationen“, welche kaum kritische Distanz kennen. Auch hier fällt oft genug auf, dass Artikel und gebuchte Werbeanzeigen „synchron“ scheinen.

    Parallel stiegen die Umgebungsaufgaben für Zeitungsmedien, die Journalismus ernst meinen, immer weiter an. Auch bei uns natürlich. So mancher, der mit uns bislang auf Facebook oder anderswo debattierte, wird wissen – auch da war ein Mensch unsererseits am Werk, der es mit Fakten und manchmal mit Humor auch in schwierigen Debatten versuchte. Diese Diskussionen könnten bei einer durchfinanzierten L-IZ.de mit offenem Archiv weiter befruchtet werden.

    Denn jeder könnte dann im Zweifel selbst nachlesen, wo die Geschichte begann.

    Zur Aktion „Freikäufer“ (Infos hier) haben wir uns darüber hinaus aus folgenden Gründen und Dilemmata im Netz entschieden.

    Dilemma 1: Reichweiten im Netz, Tempo & Datenhandel

    Das „Reichweiten-Problem“ für vernünftige Werbeeinnahmen früherer Zeiten haben längst auch die überregionalen, „großen“ Medien, welche wiederum von den sozialen Netzwerken bei Werbepreisen deutlich unterboten werden. Diese Finanzierungsform bricht also in zunehmendem Maße zusammen, weil werbefinanzierte Social-Media-Kanäle und Suchmaschinen diese Umsätze längst zu ihren Gunsten entschieden haben. Ein Preiskampf mit diesen ist für jeden Anbieter von Inhalten letztlich aussichtslos und wir werden ihn nicht führen (können).

    Auch die Kooperationen von Anbietern wie uns mit Social-Media-Anbietern lohnen sich nicht (Instant Articles usw.). Dies stellt sich aktuell auch für die Medienunternehmen heraus, welche sich auf die Idee von Facebook einließen, ganze Artikel zu veröffentlichen und somit dem Netzwerk komplett zur Verfügung zu stellen.

    Der Nutzen? Noch schweigen sich die Marktführer aus, doch die ersten Branchengerüchte klingen nach verheerend geringen Umsätzen. Weil Facebook nichts anderes ist, als vor das Internet einen Login zu setzen. Parallel sorgen diese Zeitungs-Medien gerade zunehmend selbst dafür, dass Werbekunden final zu Facebook abwandern, während die eingespielten Gelder für die Verlage weiter absinken werden. Derzeit werden nur ein paar Almosen verteilt, so wie auch bei Blendle und anderen Anbietern.

    Und auch zukünftig werden bei all diesen neuen Modellen wie gewohnt nur die reichweitenstärksten Medien überhaupt etwas an der Werbung und über Centverkäufe verdienen können. Alle Social-Media-Anbieter sind dabei nichts anderes als milliardenschwere Datenhändler – der User zahlt also, wenn auch mit einer anderen Währung. Mit seiner Verfügbarkeit für die Interessen anderer. Ausgang offen.

    Reichweite und Tempo

    Die „Lösung“, unsere journalistischen Inhalte auf der L-IZ.de selbst abzuflachen, um sie wieder, wie in den Anfangsjahren der L-IZ.de (damals unter anderen Werbemarkt-Voraussetzungen) in rascher Folge an die Leser verschenken zu können, ist für uns und letztlich alle ernsthaften Redaktionen mit wirklichen Journalisten auch keine. Dennoch gehen einige Medien auch diesen Weg, drücken aufs Tempo, um eine halbe Stunde vor anderen online zu sein – die Qualität verfällt, eine Eilmeldung nach der anderen soll Klicks verschaffen. Aber ehrlich? Wissen Sie noch wirklich, wer die letzte Terrormeldung als Erster online hatte? „Es ist“ ist ein Teil des Onlinejournalismus und wir beherrschen auch diesen. Aber es ist keiner, der Zusammenhänge schafft.

    Der Beleg, dass dieses Dilemma 1 alle ernstzunehmenden Zeitungen im Netz betrifft, ist einfach

    Nun verlangen nahezu alle renommierten Medien zunehmend Geld von den Lesern für ausgewählte journalistische Bereiche, da sie die Falle der allzugroßen Abhängigkeit von den Netzriesen, der Reichweite und dem Tempo mit all den dafür nötigen Mitarbeitern erkannt haben. Was jedoch eine andere, ebenfalls fatale Folge in der Zukunft hat.

    Dilemma 2: Entzug von Informationen & Fast Food

    So verbergen die seriösen Zeitungen zu diesem Zweck leider zunehmend die relevantesten und tiefer gehenden Artikel hinter Bezahlschranken. Nicht, weil sie das so wollen, sondern weil sie müssen, um die Bezahlung der Journalisten abzusichern. Ob es gelingt, steht in den Sternen – bei den jetzigen Modellen wird es eher scheitern. Doch zuerst und in jedem Fall schränken sie ihre mediale Rolle in der Gesellschaft damit weiter ein. Was das nächste ungeklärte Dilemma einer ganzen Branche auslöst.

    Damit wird Wissen, Erkenntnisse, ja tägliche Bildung und Teilhabe zu einer Geldfrage auch für die, welche ihre Einkünfte für grundhafte Lebensbereiche, wie Miete, einen gefüllten Kühlschrank, Straßenbahnfahrten und eine warme Wohnung brauchen. Sie werden vom qualitativ hochwertigeren Informationsfluss im Netz also tendenziell abgeschnitten und erhalten zunehmend Fast Food, schrille Falschmeldungen und „Polizeinachrichten“.

    Von Internetseiten, deren Namen man vor einigen Jahren noch nicht einmal kannte. Und die heute sichtbar wenig besser, aber vieles übler im Netz gemacht haben. Diese Angebote werden für diejenigen bleiben, welche sich die derzeitigen Abonnements von bis zu über 380 Euro im Jahr nicht leisten können (siehe Berechnungen am Schluss).

    Gleichzeitig haben die öffentlich-rechtlichen Sender aus unserer Sicht im Netz mindestens teilweise den Zeitungsmarkt betreten. Bis heute ist die eigentliche Frage ungeklärt, wieso beispielsweise der mit Rundfunkgebühren finanzierte MDR Artikel in Textform im Netz veröffentlichen darf und somit mindestens in die Nähe von Konkurrenz zu Zeitungen gerät.

    Ob dies gut oder schlecht ist, wollen wir dabei gar nicht bewerten, sondern den durch die Politik offengelassenen Fakt selbst hinterfragen. Da auch diese Entwicklung gerade mittelständischen Netzzeitungen den Nachrichten-Markt deutlich verengen kann. Denn Rundfunkgebühren oder „Umverteilsysteme“, wie etwa im lokalen TV-Markt existieren für diese nicht und Lösungen sind nicht in Sicht. Dennoch stehen aktuell zunehmend gebührenfinanzierte Medien im Netz in Konkurrenz mit freien Zeitungen.

    Dilemma 3: Nebengeschäfte & die möglichen Folgen

    Gerade die Lokal- und Regionalzeitungen, welche übrigens alle im gleichen Dilemma 1 wie wir gefangen sind, sind in den vergangenen Jahren zu Verkäufern geworden. Sie bieten längst selbst (natürlich in ganz unabhängigen Firmen) Waren, Konzertkarten usw. an, um an den Provisionen zu verdienen oder haben (ebenfalls vollkommen unabhängige) Postdienstleister unter gleichem Namen gegründet.

    Ob bei diesen unter gleichem Markennamen laufenden Nebengeschäften oder der Involvierung in die Geschäfte Dritter (auch durch sogenannte „Specials“) auf Dauer noch kritische Berichterstattung auf lokalen Zeitungsmärkten möglich ist, muss mindestens fraglich bleiben. Zumindest ist es schwer vorstellbar, dass eine Regionalzeitung Recherchen über einen namensgleichen Postdienst unternimmt und beispielsweise über Arbeitsbedingungen im Unternehmen berichtet. Oder sich mit Datenschutzbestimmungen bei einem gleichnamigen Tickethändler kritisch auseinandersetzt.

    Verstehbar, dass gerade die Regionalzeitungs-Verlage sich in den letzten Jahren neue Geschäftsfelder erschließen mussten und es weiterhin tun, um die Umsatzeinbrüche aus den früheren Verkaufszahlen ihrer Printzeitungen auszugleichen. Doch ist es auch für den unabhängigen Journalismus zukunftsfähig, was sie jetzt tun? Jeder, der solche Fragen stellt, wird auch attackiert oder verleugnet.

    Deshalb unser Vorschlag: Kaufen Sie diese Zeitung mit einem Abonnement frei (Infos zur Aktion)

    Es ist eine solidarische Finanzierung im Sinne aller Leser, denn die „Freikäufer“ ermöglichen so einen freien Zugang auch für die, welche das Geld nicht haben. Wir müssen uns auch weiterhin nicht korrumpieren oder kostenlos arbeiten, so wie es an vielen anderen Orten geschieht. Wir können weiterhin die Daten unserer Leser schützen, nutzen sie nicht für weitere Geschäfte und werden nicht von einer Zeitung zum provisionierten Verkäufer für Dritte.

    Gleichzeitig stärken damit also die „Freikäufer“ eine lebendige Diskussionskultur in unserer Stadt und ermöglichen eine starke Zeitung, welche den unzähligen Fragen des Lebens in Leipzig und Sachsen wirklich auf den Grund gehen kann. Dafür haben wir seit heute unseren aktuellen Grundbedarf an Geld pro Jahr ohne Werbeeinnahmen offengelegt: Wir brauchen 1500 „Freikäufer“ pro Jahr.

    Vorteile haben die „Freikäufer“ natürlich dabei auch

    Sie können selbst als normale Abonnenten die Vorteile des Leserclubs, wie Verlosungen und Kommentarfunktion und kommende Möglichkeiten für sich in Anspruch nehmen. Unser und vielleicht auch Ihr Ziel ist es, die Wieder-Öffnung der gesamten L-IZ.de noch 2016 zu erreichen. Und alle Abonnenten und „Freikäufer“, Kooperationspartner und Freunde der L-IZ.de anschließend zu einer „Re-Opening“-Party zum Treffen und manchen zum Kennenlernen einladen zu können. Es wird dann, ist das Ziel geschafft, nicht luxuriös (wie auch), aber herzlich. So wie wir eben seit Jahren an den Themen unserer Stadt Leipzig und Sachsens arbeiten.

    Einige Netzlinks am Schluss zu den verschiedenen Themen

    Das Thema „Instant Articles“ auf der Zeit Online www.zeit.de/kultur/2015-05/instant-articles-facebook-meinungsfreiheit

    Der Zeitungsverlag DuMont (Mitteldeutsche Zeitung) möchte nun auch zum Datenhändler werden www.turi2.de/aktuell/dumont-will-die-paywall-abschaffen

    Beispielhafte regionale Nebengeschäfte, welche mit Journalismus im eigentlichen Sinne nicht mehr viel zu tun haben.

    Der LVZ-Ticket-Markt

    Ein Postdienstleister

    Sogenannte „Specials“ haben Konjunktur. 

    Ein schwelender Streit der Großverlage mit der ARD zu „zeitungsähnlichen Angeboten im Netz“ www.abendblatt.de/kultur-live/tv-und-medien/article208006925/ARD-droht-Niederlage-im-Prozess-um-die-Tagesschau-App.html

    Einige derzeitige Bezahlmodelle im Netz

    Es handelt sich um eine Auswahl, ohne weitere Rabatte bei Jahreskosten von Wochen- oder Monatspreisen hochgerechnet. Bei allen Angeboten gilt der Solidaritätsgedanke des „Freikaufens“ für alle Leser wie bei unserem Vorschlag natürlich nicht. Auch sollen die Preise kein „Vergleich“ sein, sondern vor allem das in unserem Vorschlag aufgeworfene Dilemma 2 der zunehmenden Informationseinschränkung beschreiben.

    Spiegel versuchts mit „Laterpay“. Der Einzelartikelverkauf kostet 39 Cent, der „Zeitpass“ für eine Woche 3,90 Euro. Demnach 15,60 Euro im Monat oder 202,00 Euro im Jahr.

    Die digitalen Aboangebote der Zeit Online mit 4,40 Euro pro Ausgabe, also monatlich 17,60 Euro, im Jahr 228 Euro.

    Zum normalen Online-Abo der LVZ für 7,95 Euro im Monat, also 95,40 Euro im Jahr ohne Printausgabe. Das „Vollabo“, also inklusive Printausgabe, kostet 32,60 Euro monatlich, also rund 391 Euro im Jahr.

    Die Mitteldeutsche Zeitung möchte hingegen 16,99 pro Monat für ein Digitalabo, was immerhin stolze 203,88 Euro nur für den Onlinezugang im Jahr ergibt. Es darf also durchaus vermutet werden, dass die LVZ in Leipzig offensichtlich eine andere Marktsituation (durch die L-IZ.de?) beachten muss, als die MZ als Monopolist in Halle.

    Wie sich dies entwickelt, wenn die Konkurrenz wegfällt, ist unklar.

    Die „Bild“ versucht bei BildPlus auf 4,99 Euro im Monat, also rund 60 Euro jährlich, zu kommen.

    Die Sächsische Zeitung (Dresden) verlangt 7,50 Euro im Monat, demnach 90 Euro im Jahr, für sein „Exklusiv-Abo“ im Netz ohne Printausgabe.

    Die Süddeutsche Zeitung ist mit SZ Plus derzeit mit einem Monatspreis von 31,99 Euro Spitzenreiter. Jährlich zahlt man hier für den Onlinezugang 383,88 Euro.

    Fazit dazu: Eine vollständige Lokalzeitung plus eine überregionale Zeitung im Netz (lässt man die BILD mal weg) kosten somit jeden Leser in den verschiedenen Kombinationen zwischen mindestens 250 und weit über 400 Euro im Jahr, je nachdem, in welcher Kombination man abonniert. Ob dies eine wirkliche Lösung für Dilemma 2 ist, glauben wir nicht.

    Im „Vergleich“ dazu die L-IZ.de

    Unser Vorschlag des „Freikaufens“ der L-IZ.de beinhaltet eine Abo-Jahresgebühr in Höhe von 99,00 EUR, heruntergerechnet auf den Monat ergeben das 8,25 EUR.

    Kaufen Sie diese Zeitung mit einem Abonnement frei

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