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Politiker mit menschenfeindlichen Positionen haben in Kinderlesungen nichts zu suchen

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    Petitionen müssen sich nicht unbedingt nur an Parlamente und Regierungen wenden. Sie können sich auch an Initiativen wenden, die eigentlich einen guten Zweck haben – aber manchmal nicht wirklich bedenken, was sie tun. So wie die „Stiftung Lesen“, die ja Kinder dadurch fürs Lesen begeistern will, dass sie Prominente vorlesen lässt. Aber wenn AfD-Prominente eingeladen werden, wird es heikel, stellt Anna Kaleri fest.

    Die Leipziger Autorin, die sich in den vergangenen zwei Jahren mit der Aktion „Literatur statt Brandsätze“ immer wieder engagiert hat gegen den zunehmend aggressiver und boshafter auftretenden „Zeitgeist“ von rechts, kann es nicht wirklich fassen, dass ausgerechnet die „Stiftung Lesen“ so gedankenlos ausgerechnet Politiker der AfD zum Lesen vor Kindern eingeladen hat.

    Schon im September hat Anna Kaleri zusammen mit anderen Kunstschaffenden die Petition gestartet, die die „Stiftung Lesen“ zum Wachwerden aufrütteln soll: „Anfang August 2017 wurde bekannt, dass die Stiftung Lesen unter anderem Mandatsträger der AfD per Infopost zu einer Teilnahme am Bundesweiten Vorlesetag am 17. November ermutigt hatte. Der Vorlesetag wird von der Stiftung Lesen in Partnerschaft mit der ZEIT und der Deutschen Bahn Stiftung ausgerichtet. Ziel ist das Vorlesen und Lesen zu stärken.“

    Aber das macht wenig Sinn, wenn der Vorlesende in seinem politischen Leben gegen eine offene, gebildete und informierte Gesellschaft polemisiert. Denn genau das tut die AfD ja. Das ist das Gegenteil dessen, was Kinder eigentlich lesend erlernen sollen.

    Auch nach der Bundestagswahl, deren Ergebnis auch Anna Kaleri fassungslos machte, bleibt die Petition „Rassismus keinen Zugang zu Kitas und Schulen“ aktuell, vor allem auch, weil sie konkrete, konstruktive Vorschläge zur Eindämmung rechter Tendenzen enthält.

    „Mit einem Offenen Brief fordern wir die Stiftung Lesen auf, Kitas und Schulen als potentielle Ausrichter des Bundesweiten Vorlesetages über Möglichkeiten zu informieren, rassistischen Einstellungen aktiv entgegenzuwirken. Die Petition enthält drei Punkte. Im wichtigsten Punkt geht es darum, Kinder- und Jugendbücher bekannter zu machen, die auf spielerische Weise zur Stärkung von Demokratie und Toleranz beitragen. Ein weiterer Punkt besteht darin, Bildungseinrichtungen zu sensibilisieren, Einstellungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit keine Plattform zu bieten. Der dritte Punkt soll Möglichkeiten bekannter machen, rassistischen Einstellungen kommunikativ entgegenzuwirken“, erklärt Anna Kaleri.

    Erstzeichner sind unter anderem die Autoren Anna Kaleri und Michael Kraske, die Filmemacher Dirk Laabs und Peter Ohlendorf, die neue Präsidentin des Pen-Zentrum Deutschland Regula Venske sowie die Amadeu Antonio Stiftung.

    „Um unsere Gesellschaft vor einem weiterem Auseinanderdriften zu bewahren, sollten wir nicht bei der Analyse der Wahlergebnisse hängen bleiben, sondern demokratiestärkende Schritte unternehmen, gemeinsam und flächendeckend“, meint Anna Kaleri, Autorin und Initiatorin von Literatur statt Brandsätze. „Unsere Petition an die Stiftung Lesen trägt den Ansatz, zivilgesellschaftliche Institutionen und Unternehmen anzustoßen, ihre Verantwortung für gesamtgesellschaftliche Prozesse stärker wahrzunehmen.“

    Die Petition läuft noch 38 Tage.

    In der Petition heißt es dann konkreter:

    „Die Unterzeichnenden fordern die Stiftung Lesen und ihre Partner auf, in der Vorbereitung des Bundesweiten Vorlesetages 2017 potentielle Ausrichter dafür zu sensibilisieren:

    – bei der Wahl der Vorleser*innen rechtspopulistischen Positionen keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten, das heißt konkret, dass vor Kindern und Jugendlichen keine Personen lesen, die in der Vergangenheit zur Verbreitung von Positionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beigetragen haben

    – welche Möglichkeiten es gibt, um Rassismus an Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken und Demokratie zu stärken, wie z. B. Workshops über das Netzwerk für Demokratie und Courage www.netzwerk-courage.de/web/299.html oder Bewerbung um den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ www.schule-ohne-rassismus.org/wer-wir-sind/

    – dass es Empfehlungen für Kinder- und Jugendbücher gibt, die zur Wertestärkung einer pluralistischen Gesellschaft beitragen, wie z. B. Empfehlungen der Initiative „Bilder im Kopf“.

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