Wer die Auen bewahren will, macht die Flüsse wieder lebendig

Für alle LeserAm Freitag, 13. Oktober, wurde in Rastatt bei Karlsruhe der mit 20.000 Euro dotierte Wolfgang Staab-Naturschutzpreis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften verliehen. Preisträger sind in diesem Jahr die zwei Umweltaktivisten und Naturschützer Nikolaus Geiler und Wolfgang E. A. Stoiber. Wolfgang Stoiber kennen die Leipziger von seiner Arbeit im Nukla e.V.

Wobei wir jetzt den Mitausgezeichneten nicht einfach weglassen. Denn der macht deutlich, in welches Themenfeld Stoibers Engagement gehört. Nikolaus Geiler ist Gewässer-Biologe und Gründer der Aktion „Rettet den Rhein“ und ist damit maßgeblich daran beteiligt, dass heute wieder Lachse im Rhein schwimmen. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erstellte er zahlreiche Studien zum naturnahen Hochwasserrückhalt sowie zur Auenrevitalisierung.

Die Stichworte kann man in Leipzig durchaus registrieren, denn darum geht es auch dem NuKLA bei seiner Arbeit für den Auenwald und die Renaturierung der Elsteraue: Auenrevitalisierung, naturnaher Hochwasserrückhalt. Alles Themen, die auch für Leipzig gelten, aber in letzter Zeit wieder heftige Diskussionen aufflammen ließen.

Was dann so aussah, als stritten sich die Naturschutzverbände. Aber in Wirklichkeit geht es um ein Thema, das die verantwortliche Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Land Sachsen verweigert. Denn dort müssen die Revitalisierungen der Flüsse angegangen werden. Und werden sie nicht angegangen. Schweigen im Walde.

Geiler engagiert sich auch für die Pflanzen- und Tierwelt an der Dreisam in Freiburg. „Dabei ist es ihm ein Anliegen, die junge Generation im Rahmen von Projekten mit Schulklassen an den Gewässerschutz heranzuführen. Bei der regionalen Arbeit verliert Geiler jedoch die globale Dimension nicht aus dem Blick“, betont die Schweisfurth Stiftung, die den Preis für das Naturengagement verleiht.

Geiler: „Wir müssen uns auch in der Gewässerschutzpolitik viel mehr Gedanken darüber machen, welche Verantwortung wir gegenüber Entwicklungs- und Schwellenländern haben, wenn es um eine sozial und ökologisch akzeptable Produktion geht“.

Und Dr. Brigitte Dahlbender, Vorstandsvorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg des BUND: „Er legt den Finger in die Wunde, bringt die Gegenseite, aber auch seine Verbündeten zum Nachdenken und zeigt Wege auf, die richtige Lösung umzusetzen.“ Darum geht es. Auch in Leipzig. Das, was derzeit an Flusspolitik in Land und Stadt passiert, ist weder nachhaltig noch wirklich verantwortungsvoll.

Den zweiten Preisträger Wolfgang E. A. Stoiber beschrieb Dr. Nils Franke, Sprecher der Regionalgruppe Sachsen des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz e. V., in seiner Laudatio als „energiegeladen, ideenreich, teilweise völlig unorthodox, strategisch höchst geschickt und ehrenamtlich arbeitend bis zum Anschlag“.

Mit dem Unorthodoxen eckt er immer öfter an. Was eigentlich zu erwarten ist: Er will mehr, als derzeit in Leipzig opportun scheint.

Oder mit den Worten der Stiftung: „Das Hauptziel ist die Renaturierung der Weißen Elster zwischen Zeitz und Halle/Merseburg. Mit dem AULA-PROJEKT2030 soll eine beispielhafte Verbindung von integriertem Hochwasserschutz, Naturschutz und sanftem Tourismus geschaffen werden. Neben 37 Konzerten, die der Verein bereits organisiert hat, finden regelmäßig Aktivitäten im NuKLA Bildungswerk statt. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule werden Umweltbildungskurse und Auwald-Exkursionen angeboten. Um den fachlichen Austausch zu unterstützen, fanden im Frühjahr 2017 erstmals das Auenökologiesymposium sowie die AULA-Citytagung statt.“

„Privatpersonen, die Impulse geben, kritische Fragen stellen und die Rolle des Natur- und Umweltschutzes in der Konkurrenz um Ressourcen und Flächen immer wieder thematisieren, sind wesentlich für die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften“, ist Prof. Franz-Theo Gottwald überzeugt.

Der Wolfgang Staab-Naturschutzpreis würdigt Verdienste um Fluss- und Auenschutz: Seit 2015 vergibt die Schweisfurth Stiftung den mit 20.000 Euro dotierten Preis in Kooperation mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzfonds an Personen, die sich besonders für den Fluss- und Auenschutz engagieren. Wolfgang Staab (1938-2004) machte sich als leidenschaftlicher Umweltschützer in Rheinland-Pfalz einen Namen. Als Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz des BUND wirkte er viele Jahre sehr erfolgreich; später war er als Schatzmeister im BUND-Bundesverband tätig. Seine Witwe Dr. Dorette Staab richtete 2014 den Wolfgang Staab-Naturschutzfonds innerhalb der Schweisfurth Stiftung ein.

Mit der Verleihung des Wolfgang Staab-Preises 2017 beginnt zugleich die Bewerbungsfrist für die Preisvergabe 2018. Die Frist läuft bis zum 1. Dezember 2017. Weiterführende Informationen können Interessenten unter nklopp@schweisfurth-stiftung.de anfordern beziehungsweise Vorschläge einreichen.

Leipzigs kranke Flüsse und das Fehlen eines echten Revitalisierungsprogramms für die Weiße Elster

AuenwaldNuKLA
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