Kaffeebecher, die man nicht wegschmeißt

Leipziger Bäcker wollen mitmachen beim Recycling2go des BUND Leipzig

Für alle LeserAm Donnerstag, 31. Januar, lud der BUND Leipzig alle Leipziger Bäckereien im Rahmen von Recycling2go zum „Runden Backtisch“ im Haus der Demokratie ein. Recycling2go – das ist die Leipziger Initiative, die die bisher üblichen To-go-Kaffeebecher, die eine riesige Müllflut erzeugen, durch abwaschbare Kaffeebecher aus recyceltem Material ersetzen soll. Man bringt seinen leeren Kaffeebecher einfach wieder mit und der wandert in die Spüle.

Während der gut besuchten Veranstaltung informierten Sebastian Gerstenhöfer vom BUND Leipzig, Johann Singer vom Amt für Umweltschutz Leipzig und Tom Rau von Bagelbrothers Deutschland über das neue Pfandbechersystem in Leipzig. Für die Bäcker/-innen bot sich die Gelegenheit für Fragen und zum gegenseitigen Austausch.

Immerhin müssen sie ein System umstellen, das auch für die Anbieter von Coffee-to-go erst einmal bequem und eingespielt ist. Die gefüllten Becher gehen über den Tresen, landen im Abfall, neue werden angeliefert. Kaum ein Objekt zeigt deutlicher, wie unsere bequeme Wegwerfgesellschaft funktioniert, wie der To-go-Kaffeecher. Er appelliert geradezu an unsere Bequemlichkeit. Und dadurch gerät der enorme Materialverbrauch dafür aus dem Blick. Denn die Becher werden ja nicht nur aus Papier hergestellt – sie bekommen auch noch eine Schutzschicht, damit der heiße Kaffee drinbleibt.

Also können sie auch nicht mit dem normalen Papierabfall recycelt werden, landen also in der Verbrennung. Wie so viele unserer täglichen Wegwerfprodukte, die so langsam die Aufmerksamkeit der Politik gewinnen. Den Plastikstrohhalmen hat die EU ja schon den Garaus gemacht, Einweggeschirr und Einwegbesteck stehen ebenso auf der Abschaffliste. Und das absehbare Ende billigen Erdöls stellt auch die Verpackungsorgien in unseren Supermärkten infrage.

Unsere Konsumwelt muss sich ändern. Und automatisch kommen dabei (wieder) klug organisierte Kreislaufsysteme zum Tragen.

„Der runde Backtisch war ein voller Erfolg. Es konnten viele Fragen geklärt werden und ich bin mir sicher, dass wir zukünftig viele Bäckereien im Pfandsystem sehen werden. Mit den Bäcker/-innen steht und fällt so ein System. Umso mehr freuen wir uns darüber, dass nun ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem umweltfreundlicheren Leipzig getan ist“, schätzt Sebastian Gerstenhöfer, Projektleiter für Recycling2go, den Erfolg des Treffens ein.

An der Veranstaltung teilgenommen haben Lukas Grieser (Lukas Bäcker), Sirko Nuss (Seidels Klosterbäckerei), Susann und Marco Grunwald (Bäckerei & Konditorei Grunwald), Holger Martens (Naturbackstube Connewitz) und Ralf Hauenschild (Espresso Zack Zack).

Jetzt kann man gespannt sein, wann sie die ersten Recycling2go-Becher anbieten.

Das Foto selbst zeigt schon einen Erfolg der Kampagne: die Kooperation mit der Leipziger Messe-Tochter FairGourmet.

Die Kampagne Recycling2go des BUND Leipzig etabliert lokale Lösungen, um den hohen Ressourcenverbrauch im Außerhausverkauf einzudämmen. Bisher geht es dabei vor allem um die Einwegbecher, die bundesweit jährlich einen CO2-Ausstoß von 11.000 Tonnen verursachen. Deshalb will der BUND Leipzig das nachhaltige Pfandbechersystem von RECUP im gesamten Stadtgebiet einführen. Seit Oktober 2018 haben sich bereits 15 Betriebe für den Mehrweg entschieden. In diesem Jahr wird die Kampagne intensiviert: weitere runde Tische, Informationstouren und eine Crowdfundingkampagne sind geplant.

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 63: Protest, Vertrauen und eine gute Frage

BUND LeipzigRecycling2goPfandbechersystem
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