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Montag, 18. Januar 2021

Kommentar zu Fridays for Future: Da lugt ein Generationenkonflikt hervor

Von Jens-Uwe Jopp

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    „Kannst du mir vielleicht mal sagen, was das Klima mit dem Weltfrieden zu tun hat? Findste den Nobelpreis für die Thunberg nicht ein bisschen übertrieben? Die sollen in die Schule gehen!“ Das „findste“ klang wirklich finster. Leicht aggressiv der sächsische Tonfall. Wie erklärst du jetzt jemanden die Weltzusammenhänge, ohne dessen pädagogisches Selbstbewusstsein zu untergraben? Wo doch jeder seine Meinung haben kann? Wir sind doch alle gleichberechtigt. Wir haben doch alle das gleiche Recht auf unsere … Worauf? Auf Tatsachen, vielleicht auf Fakten?

    Ist es der Plastebecher auf dem Thunberg-Foto, das nicht korrekt entsorgte Demo-Plakat und vagabundierende Müll nach der „Streikaktion“ Pubertierender? Das nicht ernst genug Gucken beim „Schuleschwänzen“? Und überhaupt, der fehlende Respekt?

    Alles richtig. Und dennoch alles geprägt von Misstrauen und Angst. Von vornherein unterstellt man den eigenen Kindern unmündig zu sein. Traut ihnen nichts Eigenes zu. „Die können doch nichts!“ kommt ganz häufig, nicht gerade eine Motivationstablette, eher kommunikatives Ritalin – von „Erzieherseite“. Entwertet die Gegenseite, indem sie als gesellschaftlich nutzlos dasteht. Sollen sie doch lieber nach erwachsenen Vorbildern schauen.

    Aber nach welchen Vorbildern?

    Da sehen sie das eingerichtete Leben. Eingerichtet zwischen bürgerlichem Kleinod, Versicherungen und Sicherheit. Und dann schnarcht man selbstzufrieden vor sich hin und spricht von „harter Arbeit“, die notwendig sei, um sich alles leisten zu können, was man will. Dafür gibt’s ne Schulpflicht – wo kämen wir sonst hin – und keine Anarchie. Ordnung muss sein. Nur scheinbar versteht das „die Jugend“ nicht so ganz. Der geht´s „plötzlich ums Klima“. Ach was.

    Ein Generationen-Konflikt lugt hinter dem Demo-Schild „Another world is possible“ hervor. „Die Alten“ denunzieren die ersten praktischen Übungen der „Jungen“ in Zivilcourage als unreif, unprofessionell und bigott. „Protest in Plastebechern“ wäre ihnen ganz lieb zu sehen, das hilft beim Ignorieren der Notwendigkeiten globalen Klimaschutzes. Erleichtert das eigene Gewissen, beseitigt eigene Verantwortung an der bezweifelten Klimakrise.

    Historisch vielleicht mit der Situation vor `68 zu vergleichen, als die „Jungen“ die „Alten“ an ihre NS-Vergangenheit erinnerten und diese nichts davon wissen wollten. Die Folgen sind bis heute zu spüren. Reduziert wird diese „68er-Bewegung“ in den konservativen Medien auf antiautoritäre Kindergärten, „pädophile Grüne“ und die RAF. Nichts von den aufgeklärt-demokratischen Impulsen, die seitdem wie selbstverständlich waren. Aber wer braucht denn eigentlich eine Schülermitbestimmung, die zur Demo aufruft, wenn es eine Schulpflicht gibt?

    Die Jungen haben es in der Hand

    Sich bereit zu machen für grundsätzliche Veränderung unserer Lebensweise. Mit einem verinnerlichten Gerechtigkeitsbewusstsein, einem Weniger an Jeder-gegen-jeden – Logik, einem Mehr an Verantwortung für die Umwelt. Trauen wir ihr mehr zu. Lassen wir sie die Rolle des Lehrers gegenüber den „Alten“ durchaus spielen. Die „Parents for Future“ halten es auch schon aus und reihen sich ein in die Schülerproteste. Über 20.000 Wissenschaftler haben sich an ihre Seite gestellt.

    Dazu muss der weggeworfene Plastebecher dennoch in den Müll. Ordnungsgemäß.  Wenn man nicht schon längst (wieder) die Thermoskanne bei der Demo dabeihat.

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    2 KOMMENTARE

    1. Hmmm, die meisten fb und Co. Hetzer sind ja anonym.
      Ob das jetzt wirklich ein „Konflikt zwischen den Generationen“ ist?

      Naja, wenn man sich die ‚alten‘ vor allem Männer z.B. bei Pegida so anschaut:
      https://www.volksverpetzer.de/social-media/pegida-greta/

      Wie kann man sich so ohne jedes Schamgefühl selbst so darstellen?
      Vor jedem Respekt steht die Achtung.
      Und mir wäre es einfach peinlich, in diesen Videos einen Verwandten oder Bekannten von mir zu erkennen.
      (Vermutlich noch schlimmer, wenn mich jemand darauf ansprechen würde..)

      Eigentlich müsste die Aufforderung des Gegen-Protestes wohl lauten: Schämt euch.

      Aber wenn der, in seiner eigenen Jugend in autoritären Zwängen (und damit vermeintlichen Sicherheitsversprechen) stehen gebliebene, alternde Mensch sich selbst nicht achtet, wo soll da der Respekt vor anderen herkommen.

      Wobei man auch nicht vergessen darf, dass das, auch mit, wieder so ein fremdgesteuertes Eskalationsding ist.

      Auch wenn ich persönlich nicht verstehen kann,
      wieso man sich selbst wichtiger (besser offensichtlich nicht) fühlt, wenn man andere abwertet.

      Und es geht ja bei FFF nicht wie ’68 in der BRD um Rechenschaft für vergangenes Verhalten,
      sondern um den Erkenntnisgewinn jetzt sofort etwas ändern zu müssen
      und das egal welchen Alters.

      Und wer das nicht begreifen will, „klaut“ halt allen die Zukunft,
      auch sich selbst.

      Generation hin oder her.
      ____________________________________________________________________
      Und das mit dem ’schlechten Beispiel zur Abschreckung‘,
      erscheint mir persönlich sehr anstrengend ^^
      https://www.youtube.com/watch?v=vpp1Lb_k6Io
      Marvins Eltern in der Pubertät
      Schwarze Gruetze
      Am 10.02.2010 veröffentlicht

      ____________________________________________________________________
      Und nicht zuletzt ein großes Dankeschön an Jens-Uwe Jopp für seine klugen Gedankenanregungen.
      <3 imj 😉

    2. Wer sagt: Die können doch nix!, der gesteht seine eigene Unfähigkeit oder Faulheit, den Kindern etwas beizubringen.
      An alle, die die Kids kleinmachen: Ihr wart es doch, selber in der Kindheit noch vor dem TV geparkt, die euren Kids dann Gameboy und Konsolen, Handys und Tablets gekauft haben? Ihr wart es doch, die sich damit ein paar ruhige Stunden nach Feierabend erkauft habt, um nur ja nicht kommunizieren zu müssen, die nie enden wollenden Fragen der Kinder zu beantworten! Denkt mal zurück! So lang ist es doch noch nicht her, als ihr aufgestanden seid und um den Ring marschiert seid. Ob nun wirklich für Freiheit und Demokratie oder nur für DM, Mallorca und Bananen ist ja erstmal egal. Ihr schwelgt doch heut noch teils in den Erinnerungen und berauscht euch an der Erinnerung dieses großartigen Gefühls am 9.November.
      Und heute? Eingelullt durch 150 TV-Programme, tausende Filme bei Netflix und Co, abgekämpft von den Mühen der Ebene, die da Arbeit, Existenzkampf, Erhaltung des sozialen Status heißen, zwischen Gute-Laune-Erhalten des Partners und des Vorgesetzten, kaum zu Atem kommend, reicht das letzte bisschen Kraft grad noch für hirnloses Nachbrabbeln irgendwelcher uralter Phrasen noch aus Kaisers Zeiten: die Jugend muss sich erstmal die Hörner abstoßen, die sollen erstmal was lernen, was leisten blabla. Und warum schicken wir sie denn in die Schule? Damit sie was lernen. Und sie haben gelernt. Jedenfalls einige, die nicht vom Opium fürs Volk verblödet sind, die noch was erreichen wollen, leben wollen. Nicht nur noch 10 Jahre, sondern 80 und die ihre Enkel noch kennenlernen wollen. Schüler, die den sinnigen Satz „Nicht für die Schule, fürs Leben sollt ihr lernen!“ für sich umsetzen und es nicht bei der Theorie belassen, sondern sich die vom Grundgesetz garantierte Freiheit herausnehmen, ihre Meinung zu sagen. Laut, deutlich sicht- und hörbar. Die ihre Forderungen übrigens nicht nur für sich selbst stellen, sondern auch für euch alte Säcke, die ihr mal im Pflegeheim industriell abgefertigt und nach Plan von Robotern im Bett gewendet werden sollt. Oder halt humanistisch gepflegt einen wirklich ruhigen Lebensabend genießen wollt und noch bissel Grünes live in Natura sehen wollt. Also, Hintern hoch und mitgelaufen. Auch wenns für euch bissel beschämend ist zuzugeben, dass das Ei klüger ist als die Henne

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