Kommentar zu Fridays for Future: Da lugt ein Generationenkonflikt hervor

Für alle Leser„Kannst du mir vielleicht mal sagen, was das Klima mit dem Weltfrieden zu tun hat? Findste den Nobelpreis für die Thunberg nicht ein bisschen übertrieben? Die sollen in die Schule gehen!“ Das „findste“ klang wirklich finster. Leicht aggressiv der sächsische Tonfall. Wie erklärst du jetzt jemanden die Weltzusammenhänge, ohne dessen pädagogisches Selbstbewusstsein zu untergraben? Wo doch jeder seine Meinung haben kann? Wir sind doch alle gleichberechtigt. Wir haben doch alle das gleiche Recht auf unsere … Worauf? Auf Tatsachen, vielleicht auf Fakten?

Ist es der Plastebecher auf dem Thunberg-Foto, das nicht korrekt entsorgte Demo-Plakat und vagabundierende Müll nach der „Streikaktion“ Pubertierender? Das nicht ernst genug Gucken beim „Schuleschwänzen“? Und überhaupt, der fehlende Respekt?

Alles richtig. Und dennoch alles geprägt von Misstrauen und Angst. Von vornherein unterstellt man den eigenen Kindern unmündig zu sein. Traut ihnen nichts Eigenes zu. „Die können doch nichts!“ kommt ganz häufig, nicht gerade eine Motivationstablette, eher kommunikatives Ritalin – von „Erzieherseite“. Entwertet die Gegenseite, indem sie als gesellschaftlich nutzlos dasteht. Sollen sie doch lieber nach erwachsenen Vorbildern schauen.

Aber nach welchen Vorbildern?

Da sehen sie das eingerichtete Leben. Eingerichtet zwischen bürgerlichem Kleinod, Versicherungen und Sicherheit. Und dann schnarcht man selbstzufrieden vor sich hin und spricht von „harter Arbeit“, die notwendig sei, um sich alles leisten zu können, was man will. Dafür gibt’s ne Schulpflicht – wo kämen wir sonst hin – und keine Anarchie. Ordnung muss sein. Nur scheinbar versteht das „die Jugend“ nicht so ganz. Der geht´s „plötzlich ums Klima“. Ach was.

Ein Generationen-Konflikt lugt hinter dem Demo-Schild „Another world is possible“ hervor. „Die Alten“ denunzieren die ersten praktischen Übungen der „Jungen“ in Zivilcourage als unreif, unprofessionell und bigott. „Protest in Plastebechern“ wäre ihnen ganz lieb zu sehen, das hilft beim Ignorieren der Notwendigkeiten globalen Klimaschutzes. Erleichtert das eigene Gewissen, beseitigt eigene Verantwortung an der bezweifelten Klimakrise.

Historisch vielleicht mit der Situation vor `68 zu vergleichen, als die „Jungen“ die „Alten“ an ihre NS-Vergangenheit erinnerten und diese nichts davon wissen wollten. Die Folgen sind bis heute zu spüren. Reduziert wird diese „68er-Bewegung“ in den konservativen Medien auf antiautoritäre Kindergärten, „pädophile Grüne“ und die RAF. Nichts von den aufgeklärt-demokratischen Impulsen, die seitdem wie selbstverständlich waren. Aber wer braucht denn eigentlich eine Schülermitbestimmung, die zur Demo aufruft, wenn es eine Schulpflicht gibt?

Die Jungen haben es in der Hand

Sich bereit zu machen für grundsätzliche Veränderung unserer Lebensweise. Mit einem verinnerlichten Gerechtigkeitsbewusstsein, einem Weniger an Jeder-gegen-jeden – Logik, einem Mehr an Verantwortung für die Umwelt. Trauen wir ihr mehr zu. Lassen wir sie die Rolle des Lehrers gegenüber den „Alten“ durchaus spielen. Die „Parents for Future“ halten es auch schon aus und reihen sich ein in die Schülerproteste. Über 20.000 Wissenschaftler haben sich an ihre Seite gestellt.

Dazu muss der weggeworfene Plastebecher dennoch in den Müll. Ordnungsgemäß.  Wenn man nicht schon längst (wieder) die Thermoskanne bei der Demo dabeihat.

AfD gegen Fridays for Future: Ein Klima-Quiz geht nach hinten los

Klimawandel* Kommentar *Fridays for futurefridaysforfuture
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Foto: L-IZ.de

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