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Wie ein paar malende Nachtarbeiter sich an einem völlig falschen Ziel austobten

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    Wenn nächtliche Schriftenmaler durch die Stadt ziehen, sind sie nicht immer gut informiert. Das musste am Buchmesse-Wochenende auch der Pro Leipzig e.V. mit seinem Büro im Waldstraßenviertel erleben. Denn da tauchten Schmierereien auf dem Eingangsschild zum Büro des Vereins in der Waldstraße auf. Neben obszönen Beleidigungen wird der Verein als „Nazi e. V.“ diffamiert. Der das da hinschrieb, war wohl völlig desinformiert. Die Leipziger Geschichte bürgerschaftlichen Engagements kennt er jedenfalls nicht.

    Und wenn der Starke-Sprüche-Maler aus Leipzig stammt, dann hat er mit den Malereien gezeigt, wie wenig er überhaupt von Stadtpolitik weiß. Was natürlich auch passieren kann, wenn jemand in seiner Peergroup feststeckt und nicht mehr mitbekommt, was die anderen 590.000 Menschen in der Stadt an Engagement auf die Beine stellen.

    Seit 1990 trägt die im Waldstraßenviertel heimische Initiative (seit 1993 Verein) den Namen Pro Leipzig.

    „Wer die Arbeit des Vereins der letzten 29 Jahre kennt, weiß, dass Pro Leipzig keinerlei Schnittmengen mit den Inhalten politischer Vereinigungen, schon gar nicht an den politischen Rändern hat“, erklärt Dr. Thomas Nabert, Geschäftsführer von Pro Leipzig.

    „Über 380 im Laufe der Jahre erschienene Publikationen mit einer Gesamtauflage von fast einer Million verbreiteter Bücher und Broschüren vor allem in und um Leipzig sind ebenso Beleg dafür wie das jahrzehntelange Streben nach behutsamer Stadt- und Regionalentwicklung, nach dem Erhalt von Baudenkmalen, nach größtmöglicher und echter Bürgerbeteiligung oder die umfassenden Arbeiten zur Stadt- und Regionalforschung. Wie passt die besagte Diffamierung etwa zu der Tatsache, dass Pro Leipzig auch etliche Publikationen zur jüdischen Geschichte in Leipzig veröffentlicht hat, dass in unseren Lexika und anderen Werken zur Stadtgeschichte viele echte Antifaschisten gewürdigt werden, oder etwa dass etliche Publikationen von Pro Leipzig hohe Auszeichnungen bekommen haben – eine darunter sogar in Israel?“

    Eine berechtigte Frage. Die natürlich auch die Frage nach sich zieht: Was wissen eigentlich die nächtlichen Parolenmaler über das Engagement anderer Menschen in Leipzig?

    Augenscheinlich sind sie so sehr auf ihr Feindbild fixiert, dass sie abseits davon gar nichts mehr mitbekommen, auch nicht, dass hinter Pro auch einfach ein 29-jähriges Arbeiten für eine bessere Stadtgesellschaft stecken kann.

    So gesehen sind die Schmierereien doch wieder ein Triumph – nur halt leider für die modernen Neonazis, die ihre lokalen Aktionen, um darin Bürgernähe vorzutäuschen, gern mit einem Pro versehen. So wie Pro Chemnitz, das ja im letzten Sommer so unangenehm auffiel.

    „Pro Leipzig kann nichts dafür, dass sich in anderen Städten oder Bundesländern Gruppierungen mit politischen Zielen das lateinische ‚pro‘ (für) voranstellen. Pro Leipzig hat sich 29 Jahre ausschließlich ‚für‘ eine lebenswerte und weltoffene Stadt und Region eingesetzt“, betont Nabert. „Wenn wir dafür als ‚Nazis‘ bezeichnet werden, dann müsste wohl die übergroße Mehrheit der Leipziger mittlerweile ebenso bezeichnet werden. Wir hoffen, dass die politischen Kräfte in dieser Stadt, vor allem die Stadtratsfraktionen, die unsere Arbeit kennen, sich zu dieser Diffamierung positionieren. Wir hoffen, dass insbesondere Politiker und Politikerinnen, die der linken Szene nahestehen, Aufklärungsarbeit leisten.“

    Er hat aber so ein dummes Gefühl, dass das nicht viel helfen wird. „Betroffene, die ähnliche Erfahrungen machen mussten, meinen, dass selbst nach den haltlosesten Anschuldigungen ‚immer etwas hängenbleibt‘. Wir stehen dennoch zu unserem Namen, wie auch weiterhin zu unseren gemeinnützigen Zielen und Anliegen und bitten dabei um Unterstützung.“

    Wer aufmerksam ist, weiß, dass Pro Leipzig tatsächlich so präsent ist, dass von einer solchen Rufverschlechterung eigentlich keine Rede sein kann. Eher ist es so, dass die Schmierereien davon erzählen, wie sehr auch einige linke Streiter in ihrer Blase leben und nicht wahrnehmen, wie zäh selbst der scheinbar so einfache Kampf um eine bessere Stadtpolitik ist.

    Das Fazit? – Eigentlich müssten jetzt ein paar Leute, die nachts so gern unterwegs sind, zusammenlegen und dem Pro Leipzig e. V. eine Geldspende zukommen lassen, damit die Schmierereien ordentlich entfernt werden können. Eine Entschuldigung wäre auch nicht schlecht, könnte man meinen.

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