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Extinction Rebellion: Kritik muss sichtbar sein und stören, nicht zerstören

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    Am Dienstag, 23. Juli, verstörten ein paar Leipziger Denkmäler mit grünem Mundschutz das Leipziger Kulturamt, das gleich mal mit dem Schlagwort „Vandalismus“ reagierte. Hinter der Aktion steht die Leipziger Gruppe von Extinction Rebellion, der wir am Mittwoch ein paar Fragen zusandten. Für die Gruppe hat uns Fritzi geantwortet.

    Könnt ihr uns ein paar Informationen zur Denkmalaktion am Dienstag geben? Die grünen Mundschützer an den Denkmalen sind ja schon entfernt. Woraus bestanden sie eigentlich?

    Die Aktion hat in der Nacht von Sonntag auf Montag stattgefunden und zielte darauf ab, öffentlichkeitswirksam auf die aktuelle Klima- und Umweltkatastrophe hinzuweisen. Der Mundschutz steht symbolisch für die real drohende Zukunft, die Bilder aus den Innenstädten von China sind bekannt. Die Message solcher Kunstaktionen kann natürlich auch kreativ anders interpretiert werden, schließlich wollen wir die Menschen zum Nachdenken anregen und zum Handeln auffordern.

    Als Denkanstoß hier der Hinweis auf die Größten je auf der Erde beobachteten Brände, die derzeit in der Arktis wüten, ausgelöst durch eine enorme Dürre, eine Folge der Klimakrise. Bei den Mundschützern handelt es sich um handelsüblichen Atemschutz, wie er in jeder Apotheke zu kaufen ist.

    Ist die Wortwahl der Stadt vom Vandalismus gerechtfertigt?

    Nein, beim besten Willen nicht. Die Kreide lässt sich leicht wegwaschen. Ein kleiner Regenschauer und unsere Kunst löst sich von selbst auf. In einem Video auf unserer Facebook- und Instagramseite lässt sich das auch leicht nachschauen. Wir finden es tatsächlich etwas lächerlich, dass wir des Vandalismus bezichtigt werden, während einige Kilometer südlich von Leipzig ein riesiger Monsterbagger die Natur verwüstet, das Grundwasser verseucht und die Heimat von mehreren Menschen zerstört.

    Es werden ganze Dörfer weggebaggert, Kirchen abgerissen, es wird sogar die Totenruhe gestört und ganze Gräber von Menschen werden ausgegraben und umgesiedelt. DAS ist der Wahnsinn über welchen es sich lohnt zu berichten. Nicht ein bisschen Kreide an ein paar Statuen!

    Stimmt der von der Stadt gegebene Hinweis, dass das eine Aktion von euch war?

    Ja.

    Wenn ja: Was wollt ihr damit erreichen? Welche Art Aufmerksamkeit soll das geben? Gibt es noch eine Art Statement zur Aktion?

    Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass selbst all das, woran diese Statuen erinnern sollen und wofür die Personen gearbeitet haben, mit der Klimakatastrophe auf dem Spiel steht. Sie ist eine reale Bedrohung für alle und ALLES in unserer Gesellschaft. Wir erneuern unsere Forderung, dass ein sofortiges Umdenken und Handeln der Stadtverwaltung Leipzig notwendig ist. Das Ausrufen des Klimanotstandes kann nicht länger warten.

    Die Zeit ist abgelaufen, wir müssen handeln! Ein Statement zur Aktion ist per Email an die Pressestellen gegangen, die bis heute über die Aktion berichtet haben, der Text findet sich ebenfalls auf unserer Facebook-Seite.

    Ist die Stadt schon mit Schadensersatzforderungen an euch herangetreten?

    Nein. Da durch die Aktion kein Schaden entstanden ist, erwarten wir keine Schadensersatzforderungen. Die Anwaltskanzlei Kasek bestätigte uns das (auch auf ihrer Facebookseite einsehbar). Die Kreide wird beim nächsten Regen sowieso weggewaschen. Fertig. Vielleicht sollten wir jedoch mal anfangen, über Schadensersatzforderung der Menschen in den Braunkohleregionen zu reden. Viele Menschen wurden enteignet, verloren ihre Häuser, ihre Heimat. Der Schaden dieser Menschen lässt sich nicht einfach durch Regen wegwaschen.

    Oder die Schäden der Menschen im globalen Süden, welche unter der Hitze der Klimakatastrophe leiden, der zuspitzenden Wasserknappheit, stärker werdenden Stürmen und dem Anstieg des Meeresspiegels. Viele verlieren ihre Heimat. Noch viele mehr verlieren ihr Leben! Darüber sollten wir sprechen. Wir sind schuld an dieser Zerstörung und müssen darüber nachdenken, ob wir Schadenersatz an den globalen Süden zahlen müssen. Dies wäre unsere Verantwortung!

    Und was plant ihr weiter? Zum Beispiel, um auch jene Menschen zu erreichen, die die Warnungen zum Klimawandel noch nicht ernst nehmen?

    Um es mit den Worten eines Kommentars auf Facebook zu sagen: „Kritik muss sichtbar sein und stören, nicht zerstören.“ Genau das treibt uns an. Da Politik und Medien scheinbar immer noch nicht aufwachen, müssen wir weiter stören. 100 % friedlich, ohne etwas zu zerstören – eines unser zentralsten Prinzipien. Die Art der Berichterstattung und die Reaktion des Kulturamts Leipzig auf unsere Kunstaktion angesichts der wissenschaftlich anerkannten Klimakrise zeugen offensichtlich von Notwendigkeit und Zweck von Aktionen dieser Art.

    Wir machen weiter! Wir sehen es weiterhin als notwendig an, in Zukunft ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, um auf die Dringlichkeit und den Handlungsbedarf im Angesicht der Klimakatastrophe hinzuweisen. Vor allem am 7. Oktober im Berlin zur internationalen Aktionswoche „Rebellion without Borders!“. Wir werden dort gemeinsam mit Aktivist/-innen aus ganz Europa Brücken und Kreuzungen blockieren, um ein sofortiges Handeln der Politik einzufordern.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

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    Über Nacht war die Sprühkreide mit ein bisschen Wasser von allen Denkmalen entfernt + Video

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    1 KOMMENTAR

    1. In diesem Sinne hätte das Klimacamp nicht in Pödelwitz sondern auf dem Augustusplatz stattfinden müssen.
      Samt errichteter Wiese und Apfelplantage.

      Daß die Verwaltung so reagiert, paßt ins Bild – siehe Jung (SPD) mit seiner Rumeierei zum Ausstieg aus Lippendorf, dem Kiesabbau oder auch dem 24/7 Flughafenbetrieb und dessen weiterem Ausbau oder auch Rosenthal (Linke) mit dem WTNK und dem Forstwirtschaftsplan.
      Wenn es ernst wird, zählen Worte nichts mehr. Da war Adenauer noch ein Waisenknabe.

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