Solange Finanzkonzerne weltweit Milliarden in fossile Energieprojekte investieren, wird sich am wilden Rennen in die Heißzeit nichts ändern. Und deutsche Finanzkonzerne wie die Deutsche Bank und die Allianz waschen sich zwar in ihren Geschäftsberichten gern grün, fördern aber mit ihrer Geschäftspolitik weiterhin die Fossilunternehmen. Das bekam am Freitag, 25. März, auch die Deutsche Bank in Leipzig zu riechen.

„Die 30 größten börsennotierten Finanzkonzerne der Welt investieren nach Analyse der britischen Initiative Influencemap nach wie vor immense Summen in Öl, Gas und Kohle. In den Jahren 2020 und 2021 beliefen sich die Gesamtinvestitionen dieser 30 Unternehmen in fossile Energieprojekte und Dienstleistungen für die Energiebranche auf 740 Milliarden Dollar, wie die Initiative mitteilte“, schrieb der „Spiegel“ am 25. März in einem entsprechenden Artikel zu Thema.

Erhoben hat die Daten die in London ansässige Initiative InfluenceMap.

Schmutzige Profite und die Rolle der Politik

Solange Investitionen in fossile Energie noch satte Gewinne abwerfen, wird sich an der Art unseres heutigen Wirtschaftens nicht viel ändern. Der unselige alte Kreislauf bleibt in Gang, der den Öl-, Gas- und Kohlekonzernen weiterhin hohe Profite verschafft und über diese riesigen Gewinne auch einen massiven Einfluss auf die Politik der Länder, die eigentlich alle das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet haben.

Wie über diese schmutzigen Gewinne Politik gemacht wird, das hat sich Rezo in dieser Woche mal als Thema vorgenommen. Denn das Geschrei um die scheinbar viel zu hohen Spritpreise hat ihn doch stutzig gemacht. (REZO über SPRITPREISE und die BUNDESWEHR)

Und während in Leipzig 3.000 Menschen beim Globalen Klimastreik um den Ring zogen, nutzte Extinction Rebellion die Gelegenheit für eine besondere Aktion direkt vor dem Gebäude der Deutschen Bank am Martin-Luther-Ring.

Klimakrise, Kapitalismus, Ungerechtigkeit

Eine Aktion, die sich thematisch in den Klimastreik einordnete, denn auch der nahm die völlig fehlgeleiteten Profitinteressen der Wirtschaft aufs Korn.

„Wir haben uns dieses Mal, mit dem übergreifenden Motto #PeopleNotProfit, die Aufgabe gestellt, den inhärenten Zusammenhang zwischen Profitgier in der Wirtschaft und Leid und Vernichtung unserer existenziellen Lebensgrundlagen in den Vordergrund zu rücken“, erklärte dazu Tom Stopford von Fridays For Future.

„Dabei leiden vor allem bereits heute Menschen in ärmeren Regionen der Welt, noch begünstigt durch neokoloniale Abhängigkeitsverhältnisse. Die Klimakrise ist hierbei keine Ausnahme, sondern womöglich das dramatischste Beispiel dieser Ungerechtigkeit.“

Die Aktion vor der Deutschen Bank

Unter dem Motto „Keine Kohle, für die Kohle“ verbrannten die Aktivist/-innen von Extinction Rebellion Leipzig verkleidet als Bankangestellte auf dem kleinen Wilhelm-Leuschner-Platz vor den Türen der Deutschen Bank eine große, etwa 15 kg schwere Erdkugel aus recycelter Pappe und anderen weggeworfenen Materialien. Die Gruppe klagt damit die Finanzierung fossiler Unternehmen, unter denen auch russische Firmen sind, durch die Deutsche Bank an und fordert einen Stopp aller Investitionen in Fossil- sowie Rüstungsunternehmen, damit Menschenleben über die Profite von Unternehmen und Banken gestellt werden.

„Durch ihre Investitionen befeuert die Deutsche Bank die Klimakrise, Kriege und Menschenrechtsverletzungen. Fossile Konzerne wären ohne die Unterstützung von Banken nicht einmal mehr rentabel und werden es in naher Zukunft auch nicht mehr sein. Anstatt so fossile Infrastruktur am Leben zu halten, sollten Banken hier ihre Gelder abziehen und mit tatsächlich nachhaltigen Investitionsplänen die Eindämmung der Klimakrise unterstützen. Als jahrzehntelange Finanzierer stehen sie besonders in der Verantwortung!“, betont Maximilian von XR-Leipzig.

Die Rolle der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank ist der fünftgrößte Finanzierer von fossilen Brennstoffen in Europa. Sie ist der größte Finanzierer von RWE in Deutschland und finanziert außerdem Projekte in anderen Teilen der Welt mit verheerenden Folgen für das Klima und vor allem die lokale Bevölkerung, listet Extinction Rebellion auf.

Ein besonders eindrückliches Beispiel sei das Gebiet Vaca Muerta in Argentinien. Dort werde im großen Stil Fracking betrieben – finanziert unter anderem von der Deutschen Bank. In Deutschland selbst ist Fracking wegen der Zerstörung der Umwelt und der unmittelbaren Belastung der Bevölkerung verboten. Ob es angebracht ist, andernorts dennoch von diesem Verfahren zu profitieren, ist eine Kritik, der sich die Bank stellen muss, finden die Leipziger Aktivisten von Extinction Rebellion.

„Wir können uns weitere Investitionen in fossile Energie nicht mehr leisten! Laut dem Weltklimarat heißt es bereits seit letztem Jahr, dass wir mit den aktuellen Schritten der Politik sehr wahrscheinlich auf eine Erderhitzung von mindestens 2 Grad bis 2050 zusteuern. Die 1,5 Grad-Grenze und damit das Pariser Abkommen – unterzeichnet auch von Deutschland – ist damit durch. In keinem Szenario bleibt die Erderhitzung unter dieser Grenze“, sagt Luise von XR.

„Wir sehen das Leid, was die aktuelle 1,2 Grad-Erhitzung im Globalen Süden verursacht. Wir sahen jüngst im Ahrtal das Leid, was zunehmend stärkere Naturkatastrophen verursachen. Und wir sehen, was fossile Abhängigkeiten bedeuten können. Deswegen braucht es jetzt ein Ende dieses fossilen Wahnsinns!“

Nach der Aktion wurde das Feuer von den Aktivist/-innen gelöscht und der Platz wieder aufgeräumt. Die Feuerwehr musste also nicht eingreifen.

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