Wald wächst wieder, wo der Mensch aufhört zu wirtschaften

Für alle LeserSeit Beginn der „ordnungsgemäß“ genannten Ausbeutung der Holzbodenfläche wird mit verengtem Blick mit stark reduzierter Artenvielfalt der Baumschichten gearbeitet. Dass die Forstwirtschaft heute unter einem beachtlichen Erwartungsdruck steht, große Mengen Wertholz zu liefern, macht die Sache nicht einfacher.

Die gesamte „Holzbodenfläche“ Deutschlands mit 11,4 Millionen Hektar hat in den vergangenen rund 300 Jahren ordnungsgemäßer Forstwirtschaft nahezu vollständig natürliche Waldbestände verloren und es wurde dort verhindert, dass sich natürliche Bestände entwickeln konnten.

Wald als Lebensgemeinschaft erneuert sich ganz ohne Zutun der Menschen, und ebenso erweitert sich Wald auch, ohne dass ein Mensch Bäume züchten und pflanzen müsste.

Der geneigte Leser kann dies gern, sofern er ein Stück Wiese oder Garten besitzt, ausprobieren, in dem er ab jetzt sofort aufhört, den Rasen zu mähen oder Unkraut zu zupfen. Wenn die Umweltbedingungen stimmen, wird sich mit der Zeit eine neue Waldlebensgemeinschaft einstellen. Selbst auf Brachflächen in Städten kann man dies hin und wieder gut beobachten. In Leipzig bietet dazu der Wilhelm-Leuschner-Platz ein treffliches Beispiel. Dort, inmitten der großen Stadt bietet sich ein Fleckchen Landes, das zum Nutzen der Bevölkerung eine grüne Oase werden könnte.

Zurzeit wird viel über den Klimawandel geredet, über kranke Bäume und die vielen Schädlinge, die eine geschundene Natur beeinträchtigen. Man möchte oft meinen, das Ende der Welt stände bevor. Die Autoren dieses Textes sind hingegen optimistisch. Wir sind sicher, dass die Welt wie auch die Menschheit noch ein paar Jahre, Jahrzehnte und sicher auch noch mehr existieren werden, auch wenn nicht zu sagen ist, wie die Welt dann aussehen wird.

Aber jeder von uns, und allen voran jene Gruppen und Verwaltungen, in deren Händen die Verfügungsberechtigung über die Holzböden und die übrigen potenziell der Natur verbliebenen Flächen (z. B. Weg- und Straßenränder, Gärten, Parks, Weiden und Äcker) liegen, können sofort damit beginnen, der Natur mehr Raum zu gewähren. Zurzeit haben wir hierbei mehrere Themenfelder, welche in den Medien für Aufregung sorgen.

Baumstumpf im Auenwald. Foto: NuKLA e.V.

Baumstumpf im Auenwald. Foto: NuKLA e. V.

Meldungen über Schadfälle sollte die Presse den Lesenden nicht platt als Katastrophe servieren! Die Katastrophe des Borkenkäferbefalls besteht nicht darin, dass dieser massen- und quadratkilometerweise Fichten- und Kiefernbestände tötet, sondern darin, dass standortfremde Bestände von Menschen wider besseres Wissen gepflanzt wurden! Man hat bewusst artenarme Monokulturen unter dem vertrauenerweckenden Siegel „ordnungsgemäße Forstwirtschaft“ gepflanzt, weil man ein reines Sortiment der Brotbäume Fichte und Waldkiefer anbieten wollte.

Das Absterben dieser standortökologisch falschen „Brotbäume“ lange vor sinnvoller Endnutzung wird uns jetzt als Kalamität serviert. Und das soll nun auf Staats-, resp. Bürgerkosten entschädigt werden? Damals stammten die Investitionen aus privaten und Steuergeldern, der fachliche Fehler in der Baumartenwahl und dem Strukturtyp monotoner Altersklassenwald war zu gleicher Zeit bekannt.

„Die Trockenheit führt zum Absterben von Bäumen“. Also haben wir einen Schuldigen! Nun will Frau Klöckner dem Wald mehr Fläche geben – vom Prinzip her dennoch eine gute Idee.

Wenn unsere Gesellschaft nun jedoch Geld aufwendet, um Millionen von Bäumen neu anzupflanzen, werden die Fehler der Vergangenheit nur wiederholt, indem Monokulturen oder sehr artenarme Forsten neu begründet werden. Was dort entsteht, ist wieder kein naturnaher Wald. Es werden als Umweltmaßnahme kaschierte Holzproduktionsflächen entstehen. Artenvielfalt wird dort auf Jahrzehnte voraus bestenfalls eine nachrangige Rolle spielen. Artenvielfalt entsteht nur im Schirm vielfältiger Baumartenmischung. Diese Mischung kann sehr kostengünstig erreicht werden – geben wir der Natur ein paar Jahre!

Es ist den Autoren klar, dass eine gewisse Agrarministerin, wenn sie etwas für den Umweltschutz fordert, ihre Agrarförderungsmaßnahme geschickt verkaufen will. Sie sollte aber wirklich auch ans Klima denken. Agrarkulturen fördern Wüstenklima, künstliche Holzäcker werden ebenso nicht klimastabil sein. Da ist kein Platz für Naturschutz, was die vergleichbar hergerichteten Forstplantagen im Lande beweisen.

Es ist klüger, regional zu schauen, welche Naturverjüngung sich einstellt. Dass diese Naturverjüngung vorhanden ist, beobachten wir, seitdem wir danach in allen Teilen der Leipziger Auen danach suchen. Wir wurden darauf durch Meldungen zum Auwald aufmerksam, denen zufolge es in diesem Auensystem „seit 100 Jahren keinen natürliche Eichenverjüngung“ geben soll.

Aber sie ist vorhanden, sie kann von jedermann gefunden werden! Das ist einfach eine Ente, die vermutlich aus Unkenntnis geschah. Die Autoren finden seit Jahren, und seien diese noch so warm und trocken gewesen, in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands, ja, Europas, überall die kräftigste Naturverjüngung in all ihren Facetten, so auch im Auwald Leipzig seit 2014 resp. 2017 bis 2019. Welche Baumart sich wo verjüngt, ist regional unterschiedlich, da die erfolgreiche Keimung der verschiedenen Baumarten standortabhängig und jahrweise sehr verschieden geschieht.

Dass sie manchmal über viele Jahre ausbleibt, irritiert den kundigen Förster nicht, denn seine Klientel ist langlebig. Stieleiche erreicht ein Alter von 300 bis 500 Jahren – was bedeutet es da, wenn 10 bis 50 Jahre keine Verjüngung kommt? Nichts! Sie kommt mit natürlicher Gewissheit!

Teil 3 – Eichen wachsen genau da, wo sie der Förster nicht sehen will

Teil 2 – Ein Plädoyer für die Eigendynamik des Leipziger Auenwaldes

Teil 1 – Wälder sind viel anpassungsfähiger, als Förster glauben

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