Ein Plädoyer für die Eigendynamik des Leipziger Auenwaldes

Für alle LeserWaldlebensgemeinschaften sind von den Böden, von den Witterungsbedingungen und weiteren Einflüssen abhängig, von denen wir manche erst in diesen Jahren zu erkennen beginnen. So haben Wissenschaftler vermeintlich tote Baumstümpfe entdeckt, welche noch leben, da sie von den umliegenden Bäumen mit Nahrung über die Wurzeln versorgt werden.
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In zunehmendem Maße sehen wir im Auwald Leipzig statt ansprechender Waldbilder mit erkennbarer Naturschutzfunktion reine Holzäcker. Sie werden mit geschädigten Jungpflanzen auf zu großen Femellöcher von den Stadt- und Landesforsten geschaffen, während die Schätze der Wald-Zukunft, die am Rand der Schläge sich einstellende Naturverjüngung, unbeachtet bleibt.

Die Zahl des Eichenanteils wird durch solche Pflanzungen mit tausenden von Bäumchen geschönt, und nebenan werden ältere Eichen „entnommen“ – darunter einige, die als Habitatbäume auffallen und im NSG- oder FFH-Gebiet laut nationalem resp. EU-Recht zu erhalten sind. Gesetzlich geschützte Tiere kommen regelmäßig dabei ums Leben.

Das naturschutzbezogene Monitoring ist unzureichend. Eklatant zeigte sich die Unkenntnis der Waldlebensgemeinschaft daran, dass wir im Juni 2019 den Eremiten, einen Urwald-Käfer, in der „Nonne“ wiederentdeckt haben, wo er angeblich seit ca. 100 Jahren verschollen sei. Dieser Fund müsste zur Folge haben, dass die Nonne nun gezielt systematisch untersucht wird, und sichergestellt wird, dass künftig kein Habitatbaum des Eremiten gefällt wird.

Dabei es geht keineswegs nur um diese eine Art. Die FFH-Kommission der EU hat für die Listen der zu schützenden Arten Leitorganismen ausgesucht. In unserem Fall bedeutet es, dass der Fund von Eremiten ein Indiz dafür ist, dass eine Kette von 50 bis über 200 weiteren Insektenarten mit Bindung an Eiche resp. urwaldähnlichen Situationen ebenfalls in der Nonne auftritt.

Wälder bilden weltweit die Orte der Entstehung und des Erhalts der globalen Biodiversität. Menschen wirken seit ca. 300 Jahren unter der Bezeichnung „nachhaltiger Forstwirtschaft“ auf diese Ökosysteme ein. Aber die natürliche Artenvielfalt leidet darunter, denn der Begriff „nachhaltig“ bezieht sich nur darauf, dass genug nachwachsendes Holz vorhanden ist, und hat mit dem Ökosystem an sich nichts zu tun.

Man müsste zugeben, dass Artenvielfalt und Strukturfülle der Wälder diese Art von Forstnutzung überhaupt nicht braucht. Wenn Nachhaltigkeit in herkömmlich forstlichem Sinn angestrebt wird, genügt vollkommen der Holzacker. Und exakt diese sehen wir, wo immer die Forstwirtschaft Vorrang in der Naturnutzung genießt.

Nächste Beispiele sind die allseits bekannten Nadelmonokulturen in Deutschland. Im Berchtesgadener Wald und im Harz kommt man gerade von diesen veralteten Konzepten los – allerdings in dem Freiraum, den das Siegel „Nationalpark“ schafft. Leipzig hat mit dem Siegel des großen Naturschutz- und FFH-Gebiets vergleichbare Voraussetzungen.

Die von den sogenannten nachhaltigen Wirtschaftswäldern belegte Fläche wurde zur „Holzbodenfläche“ degradiert. In diesem herzlosen Begriff verschwand sang- und klanglos die Arten- und Strukturfülle der natürlichen Wälder ebenso, wie im Begriff des Vorfluters die Vielfalt der Auenlandschaft und der Fließgewässer ertränkt wurde.

Beispiel Femelloch im Waldgebiet „Nonne“ in Leipzig 2019. Laut einem Artikel vom 23.07.19 in der LVZ räumt die Stadt flächige Ausfälle bei den Neuaufforstungen ein. Momentan wird das Areal von standortuntypischen Robinien überwuchert.

Teil 3 – Wald wächst wieder, wo der Mensch aufhört zu wirtschaften

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