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Am 23. Juni gibt es vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Demonstration zur Rettung des Dannenröder Waldes

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    Es ist nicht nur in Leipzig so, dass mit einem geschützten FFH-Gebiet wie dem Leipziger Auenwald umgegangen wird, als wäre es nur ein ganz normaler Forst. Auch in Hessen nehmen Behörden wenig Rücksicht auf wertvolle FFH-Gebiete, planen sogar, eine neue Straße mitten hindurch zu bauen – die A49 von Kassel südwärts zur A 5, mitten durch den Dannenröder Forst. Gegen diese Zerschneidung eines wertvollen FFH-Gebietes hat der BUND geklagt. Am 23. Juni verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Klage.

    Flora-Fauna-Habitate (FFH) sind nach europäischem Recht streng geschützt, weil hier bedrohte Tierarten und Biotope zu finden sind. In sie darf nicht baulich eingegriffen werden, schon gar nicht, wenn eine Verschlechterung des Zustands auch noch absehbar ist.

    Ein Bündnis aus Leipziger und überregionalen Umweltgruppen lädt zur Demonstration am Dienstag, 23. Juni, ab 8 Uhr vor dem Bundesverwaltungsgericht ein. Unter dem Motto „Wald statt Asphalt“ ruft es zum Erhalt des mittelhessischen Dannenröder Walds und zu einer umfassenden Verkehrswende auf.

    Am 23. Juni ab 8 Uhr gibt es vor dem Bundesverwaltungsgericht künstlerische Performances, Redebeiträge von lokalen und überregionalen Akteur/-innen und Workshops von Aktivist/-innen aus dem Dannenröder Wald, die auf die drohende Rodung des Waldes aufmerksam machen und Solidarität mit den Aktivist/-innen und Bürger/-innen vor Ort zeigen.

    Anlass für die Demonstration ist die geplante Rodung einer etwa 100 Hektar großen Fläche im Dannenröder Wald, eines wichtigen Natur- und Wasserschutzgebietes. Dieser Wald soll für den Ausbau der Autobahn A49, die von Kassel nach Süden mit Anschluss an die A5 geplant ist, weichen.

    „Um eine echte Verkehrswende einzuleiten, ist es widersinnig, an veralteten Planungsdinosauriern wie der A49 festzuhalten, anstatt an natur- und sozialgerechten Alternativen zu arbeiten. Zukünftige Verkehrskonzepte dürfen nicht länger mit Umweltzerstörung einhergehen“, sagt Barbara Schlemmer, Sprecherin des Aktionsbündnisses „Keine A49!“.

    Wie stur Bundes- und Landesbehörden agieren, um die alten Verkehrsprojekte aus den 1980er Jahren durchzuziehen, ist im entsprechenden Wikipedia-Abschnitt zu diesem Abschnitt der A49 zu lesen: „Das Planfeststellungsverfahren für den letzten Abschnitt zwischen Stadtallendorf Nord und der Bundesautobahn 5 sollte ursprünglich bereits im Jahre 2004 abgeschlossen sein; zunächst sollte die A 49 mitten durch den östlich von Stadtallendorf gelegenen Herrenwald geführt werden. Im Jahr 2003 schlug das Regierungspräsidium Gießen den Herrenwald wegen seiner vielen seltenen Lebensräume und Tierarten – unter anderem existiert dort eine Population von Kammmolchen – als europäisches Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet (FFH-Gebiet) vor. 2004 erfolgte die Anerkennung.

    Der damalige hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) stellte daher im Herbst 2005 eine Alternativtrasse vor, die näher an Stadtallendorf liegt, den Herrenwald aber nur am Rande anschneidet. Diese soll nun verwirklicht werden. Der Planfeststellungsbeschluss für den letzten Abschnitt wurde am 30. Mai 2012 erteilt. Eine Klage zweier Naturschutzvereine gegen den Planfeststellungsbeschluss wurde vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 23. April 2014 abgewiesen.

    Der letzte Abschnitt soll ebenfalls in einem öffentlich-privaten Projekt (ÖPP) finanziert werden. Aufgrund der Finanzierungszusage wurde Mitte 2015 mit einer Fertigstellung der A 49 im Jahr 2021 gerechnet. Mit Beginn der Rodungssaison am 1. Oktober 2019 wurden auf der Trasse im Bereich des Dannenröder Forstes Baumhäuser errichtet, um den Weiterbau zu verhindern.“

    Die Mitglieder des Bündnisses weisen mit der Demonstration auf die Gefahren hin, die mit dem Bau von Autobahnen einhergehen.

    „Inmitten einer Zeit, in der die Auswirkungen des Klimawandels in Form von Dürrejahren und Hitzesommern bereits spürbar werden, ist die Abholzung eines völlig gesunden Mischwaldes bizarr. Es ist unverantwortlich, mit diesem Projekt massiv in ein Wasserschutzgebiet eingreifen zu wollen, das etwa 500.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt. Wir fordern den Stopp des Ausbaus der A49 und den Erhalt des Dannenröder Waldes“, sagt Clara Thompson, Organisatorin der Demonstration in Leipzig.

    Die Aktivist/innen fordern neben dem Ende der Zerstörung von bereits stark belasteten Naturräumen den Ausbau des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs sowie der Infrastruktur für Fahrradfahrer/-innen und Fußgänger/-innen. Außerdem setzen sie sich für den Stopp des Neubaus von Straßen für den Autoverkehr und für das Ende von umweltschädlichen Subventionen ein. Dafür fordern sie die Durchsetzung einer echten und gerechten Verkehrswende ein.

    Die Demonstration wird von folgenden Gruppen organisiert und unterstützt: Aktionsbündnis „Keine A49!“, Aktivist/-innen aus dem Dannenröder Wald, BI-Saaletal, BUND Leipzig, BUND Hessen, Ende Gelände Leipzig, Extinction Rebellion Deutschland, Extinction Rebellion Leipzig, Extinction Rebellion Rhein-Main-Neckar, Fridays for Future Wiesbaden, Fridays for Future Leipzig, Fridays for Future Jena, Greenpeace Leipzig, Greenpeace Marburg, Sand im Getriebe.

    Leipzigs Amt für Stadtgrün und Gewässer will keinen Grund sehen, an der Forstbewirtschaftung des Auwalds irgendetwas zu ändern

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