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Mahnender Countdown für die Innenstadt: Bündnis „Leipzig fürs Klima“ sammelt Spenden für eine CO2-Uhr

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    Die Zeit läuft ab. Eigentlich erzählen davon all die Wetterextreme, die uns in immer kürzeren Abständen heimsuchen. Sie erzählen von nichts anderem als von einer sich immer mehr aufheizenden Atmosphäre, die die Lebensbedingungen weltweit unter Druck bringt. Sechs Jahre geben Wissenschaftler der Menschheit noch, die Kurve zu kriegen, um wenigstens das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen. Höchste Zeit für eine CO2-Uhr für Leipzig.

    Denn anders geht es nicht. Noch immer tun viel zu viele Menschen so, als hätten wir noch unendlich viel Zeit, die Erderwärmung zu bremsen. Aber die haben wir nicht mehr. Dafür ist seit Beginn der Industrialisierung zu viel CO2 in die Luft gepustet worden. Und die wichtigsten Jahre seit 1992, seit der Konferenz von Rio, wurden verplempert und vertan, ausgebremst zumeist von konservativen Regierungen, die ihren Bürgern einredeten, es ginge immer so weiter und niemand müsste sein klimaschädliches Verhalten ändern.Am 10. Juli um 12:30 Uhr startete deshalb eine besondere Crowdfunding-Kampagne des
    Bündnisses „Leipzig fürs Klima“ auf der ersten Leipziger Klimamesse. Mithilfe einer großen, von weitem gut sichtbaren CO2-Uhr in der Innenstadt Leipzigs sollen Passant/-innen auf das rasant wachsende Problem der Klimakrise aufmerksam gemacht werden.

    Die Crowdfunding-Kampagne läuft vom 10. Juli bis zum 13. August 2021 und hat das Spendenziel von 9.999 Euro. Bis Dienstag, 13. Juli, gerade einmal drei Tage nach offiziellem Start, sind bereits Spenden von knapp 2.000 Euro eingegangen, meldet der BUND Leipzig.

    Hierbei steht jeder gespendete Euro für den Willen der Bevölkerung, dass seitens der Stadtverwaltung Leipzig mehr für den Klimaschutz unternommen werden soll.

    Denn auch Leipzig hat im Jahr 2026 sein (fiktives) CO2-Budget aufgebraucht. Ihre eigenen, 2014 beschlossenen Klimaziele, hat die Stadt jetzt schon verfehlt. Und auch das Sofortmaßnahmenprogramm des OBM zum 2019 ausgerufenen Klimanotstand wird daran nichts ändern. Dazu sind die Maßnahmen viel zu zaghaft, nicht umfassend und auch nicht mutig genug.

    Die final gespendete Summe will das Bündnis „Leipzig fürs Klima“ beim großen
    Klimaschutzevent, dem ersten deutschlandweiten Eiffelturmtag am 22. September 2021, der Stadtverwaltung übergeben, um die CO2-Uhr gemeinsam zu realisieren.

    Diese Uhr soll die Zeit anzeigen, die uns – nach den Berechnungen des MCC Berlin – noch bleibt, bis unser CO2-Budget bei aktuellem CO2-Ausstoß aufgebraucht ist. Das verbleibende CO2-Budget gibt, grob geschätzt, die Menge an CO2 an, welche wir global noch ausstoßen dürfen.

    „Eine Erhitzung über 1,5 Grad würde katastrophale Folgen für uns Menschen bedeuten. Schon heute schmelzen gigantische Eisflächen, brennen riesige Waldgebiete und es sterben die schönsten Korallenriffe unserer Erde. Doch auch direkt vor unserer Haustür sieht man die katastrophalen Folgen, z. B. im Leipziger Auwald, dessen Bäume aufgrund der anhaltenden Trockenheit sterben. Das ist heute schon für alle sichtbar“, erklärt dazu Paul Melzer, Initiator der Crowdfunding-Kampagne.

    „Ein CO2-Budget ist abstrakt. Unter einer ablaufenden Uhr mit Restzeit hingegen können sich alle etwas vorstellen und die stille Präsenz der Uhr erinnert jeden und jede an das Näherrücken der Null. Je informierter die Menschen über die Dringlichkeit des Problems sind, desto mehr entsteht Handlungsdruck auf die Politik“, sagt Martin Rebmann, stellvertretender Vorsitzender des BUND Leipzig und einer der Organisatoren der Crowdfunding-Kampagne.

    „Die vom MCC Berlin veröffentlichten Zahlen, nach welchen unser CO2-Budget zur
    Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels bei aktuellem Verbrauch bereits Ende 2027 aufgebraucht sein wird, sind als grober Richtwert zu verstehen, und dienen der Veranschaulichung der Dringlichkeit des Handelns. Die Klimakrise schreitet schon jetzt voran, und die Einsparung von Treibhausgasen muss in allen Bereichen vorangetrieben werden. Die Folgen werden mit jeder Tonne CO2, die in die Atmosphäre gelangt, dramatischer. Aber noch ist es für uns alle auch finanziell günstiger, die nötigen Veränderungen anzugehen, als die Katastrophen auf uns zukommen zu lassen. Wir haben es noch in der Hand, ob wir die Zukunft gestalten oder ob die Klimakrise unsere Zukunft gestaltet“, erläutert Dr. Heike Wex von den Scientists For Future.

    Ziel des Bündnisses „Leipzig fürs Klima“ ist es, nicht nur die Bürger/-innen Leipzigs zu erreichen. Auch im täglichen politischen Geschehen sollen die Debatten über die Klimakrise verstärkt werden, gerade jetzt in dieser richtungsweisenden Zeit mit der nahenden Bundestagswahl.

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      7 KOMMENTARE

      1. Es gab in unseren Betrieb mal die Initiative, dass man die per Rad gefahrenen Kilometer irgendwo bei einer Plattform melden soll, um „Leipzig als Radfahrstadt voran zu bringen“. Die Strecken wurden nicht gemessen oder überprüft, man sollte schätzen und gern aufrunden. Ganz wunderbar, dass man was für die Umwelt tat und viele Kilometer „gesammelt“ hat.

        Ungefähr das stelle ich mir mit der Uhr vor. Erinnert sich noch jemand an die Schuldenuhr des Bundes? Man sieht sie und geht bestenfalls mit einem „Aha“ weiter. Im ungünstigen Fall geht man mit „schön, dafür haben die Grünen also Geld!“ weiter.

        Hört doch auf mit solchem Symbolismus. Stellt breitflächig die Warmwassererzeugung (Heizung, Wasser*hahn) auf solare oder Windenergie um, stellt den Speichern (thermisch und elektrisch, möglichst nicht Wasserstoff) wesentlich höhere Priorität bei als heute, und ihr habt einen riesigen Hebel. Dann können diese fahrraderotischen Ideen mit Tempo 30, Verboten und Schonacafés dann auch langsam mal in die Ecke zurück gestellt werden, wo sie mangels Hebel auf CO2 usw. auch hingehören.

      2. als kleiner Nachtrag noch, was ein vorübergehender Passant an der CO2-Uhr so „mitnehmen“, denken könnte: „Interessant, eine tolle Kooperation zwischen der Stadt und der ganzen Umweltszene hier. Wow, sogar die Fridays und diese radikalen Extinction Rebellions sind dabei. Ich hatte irgendwie gedacht, dass sich die Stadt einen Dreck schert um Umwelt und Klima. Überall wird alles zugebaut und überall die Bäume abgehackt. Aber so kann man sich täuschen, die Stadt ist ja doch total engagiert und will was ändern. Dann sind diese ganzen Baumaßnahmen ja vermutlich doch ganz nachhaltig und in Ordnung. Stimmt, hab ja auch gelesen, dass dies Bebauung des Leuschnerplatzes ein ökologisches Leuchtturmprojekt ist.“
        Beruhigt geht der Passant weiter…

      3. @ Marin: Du kannst versichert sein, dass ich nicht „nur meckern“ kann, sondern dass ich mich auch tatsächlich aktiv engagiere, da habe ich auch bereits meine Strukturen. Kommentieren tue ich hier nur sporadisch.
        Ich verstehe ja durchaus Deine Argumente – grade hinsichtlich der „Klimablase“; aber gerade bei öffentlichkeitswirksamen Aktionen sollte man m.E. wirklich verdammt gut gucken, wem man eine Bühne bietet, ob man nicht Greenwashing fördert oder sogar Pforten weit öffnet für eine Unterwanderung und Ausnutzung durch solche Kräfte, die man eigentlich als Klimaschädiger bekämpfen will…
        Ich denke sogar, das wird zu einer Überlebensfrage der FF-Bewegungen werden. Und ich sehe viele dieser Bewegungen leider auf keinem guten Weg…
        Nur am Rande: CO2 ist nur ein Aspekt der Ausplünderung unseres Planeten, ich halte die Biodiversitätskrise für noch schlimmer (beides hängt natürlich auch zusammen). Mit der CO2-Zentrierung lässt sich allerdings mehr Geld verdienen und weiteres Wirtschaftswachstum rechtfertigen. Daher dort eine geradezu exponentielles Wachstum des Greenwashings.

        @ 4Future: schönes Beispiel mit dem Stadtradeln. Ich radele sehr gerne und viel, aber tatsächlich nicht zusammen mit dem WTNK-Bürgermeister, der dann schöne Reden schwingt…

        @ Michael Freitag: Eigentlich ist sich gerade eine interessante Diskussion am entwickeln zu einem Thema (Greenwashing, Unterwanderung der FF-Bewegungen usw.), welches m.E. extrem wichtig und zukunftsweisend ist. Dies mit einem „Kurz gesagt, gemeckert ist genug“ versuchen abzubügeln oder als überflüssig zu deklarieren, finde ich ehrlich gesagt recht seltsam. Die Nachricht, die eine solche CO2-Uhr zu bieten hat, kann sehr unterschiedlich sein und fordert eine spannende Diskussion darüber geradezu heraus. Aber klar, Sie können das für sich natürlich mit einem einfachen und kurzen „Passt so für mich“ einsortieren.

      4. Kurz gesagt: gemeckert ist genug. Wer mitmacht, macht mit. Und andere eben nicht. Deshalb das Anliegen noch einmal kurz: Eine Klimauhr, die jedem/r Vorübergehenden eine Nachricht zu bieten hat. Passt so für mich.

      5. Ich stimme Robin zu, auch wenn ich die Arbeit der Unweltverbände unterstütze und sehr schätze. Aber wir lassen uns zu sehr für Greenwashing missbrauchen. Da fällt mir gleich noch das Stadtradeln ein, wo ein verantwortlicher Bürgermeister Reden schwingt, so tut als wolle er voran gehen, aber dann doch alles nur verzögert und blockiert. Zugeparkte Fuß- und Radwege und Grünanlagen sind es nicht wert, das Lust- und Launeamt endlich zum Schutz der Radfahrenden und zu Fußgehenden einzusetzen…usw.

      6. Hallo Robin,
        es freut uns sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen.
        Denn das ist das Kernanliegen unserer Crowdfunding-Kampagne.
        Wir wollen all jene erreichen und zum Nachdenken bewegen, die nicht innerhalb der „Klimablase“ sind. Menschen, denen nicht bewusst ist, dass die Zeit so wahnsinnig drängt und die glauben, dass wir das auch noch in 20 Jahren erst angehen können oder gar nicht.
        Das ist unsere Zielgruppe mit der Uhr. Natürlich sollen auch die Debatten in der Stadtverwaltung und im Stadtrat damit befeuert werden, um noch drängender auf mehr Klimaschutz zu pochen.
        Und hier haben wir ein paar Möglichkeiten, um diese Leute zu erreichen: Entweder wir Klimabewegte sprechen mit den Leuten (was wir auch bestmöglich versuchen, aber es ist nicht einfach), wir üben Druck von der Straße aus (was wir auch immer wieder tun), wir reden mit den Vertreter*innen unserer Stadt (auch das machen wir ständig), wir starten Initiativen (wie die CO2-Uhr oder Anderes) ODER wir tun nichts und warten, bis die Stadt selbst was unternimmt.
        Letzteres ist sicherlich die ungünstigste Variante, daher haben wir uns dazu entschlossen selbst aktiv zu werden und diese Kampagne zu starten!
        Und wenn dir so viel an unserer Stadt gelegen ist – und du sicherlich nicht nur zu denen gehörst, die nur meckern können und sonst nichts leisten, um was zu verändern – dann komm doch zu einer Klimagruppe deiner Wahl, bring dich ein und mach was draus.
        Denn was noch schlimmer ist, als nächtelang ehrenamtlich zu versuchen was zum besseren zu ändern ist nichts zu tun und zu verlangen, dass andere das leisten.
        Du bist somit herzlich eingeladen 🙂

        LG Marin, der die CO2-Uhr mit auf den Weg bringen will, aus dem Wunsch heraus, damit auch die Leute zu erreichen, die immer noch glauben, dass wir viel Zeit haben.

      7. Das Klimabündnis möchte also mit Spendengeldern gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine CO2-Uhr realisieren.
        Mit einer Stadtverwaltung, der es an Klimaschutz nicht wirklich gelegen ist, sondern in besonderem Maße bemüht ist, alles zuzubauen, was man ja auch irgendwie erkannt hat anscheinend…
        Die Stadt mit dem neu eigerichteten Klimareferat – ich würde es eher Greenwashingreferat nennen – kann sich dann gut hinstellen und das Klimabündnis dazu benutzen um eine wunderbare show abzuziehen unter dem Motto „Wir ziehen mit dem Klimabündnis an einem Strang, wir sind Klimaschützer!“. Den Pressetermin sehe ich schon vor meinem geistigen Auge…ein wunderbares Plakat: Die Spitzen von Ökolöwe, NaBu, BUND, die sog. Scientists FF, andere XFFs, gemeinsam auf einem Foto mit dem WTNK-Bürgermeister und dem Grünzerstörungs-(Bau)Bürgermeister, und der OBM wird sich die show sicherlich auch nicht entgehen lassen…
        Also wirklich, gehts noch??? Nicht mal das leiseste Gespür für geeignete Kooperationen??? Vielleicht mal lieber Geld sammeln um Grünzerstörung zu verhindern anstatt mit einer Uhr zu begleiten…, z.B. für Klagen??? Unfassbar.

        Falls tatsächlich genug Geld für einen solchen Unsinn zusammengesammelt wird, habe ich auch noch eine prima Idee für den Aufhängeort: Die Fassade eines der vielen neu geplanten Bauten auf dem Leuschnerplatz, für die alle alten Bäume dort gerodet werden. Immerhin wird dieses Projekt von bestimmten Stadträt*innen ja als ökologisches Leuchtturmprojekt gepriesen.

        PS: Dass das in diesem Artikel nicht kritisch gesehen wird, wundert mich auch ein wenig.

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