Am Montag, 29. November, wurden die Preisträger beim eku-Zukunftspreis des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) vorgestellt. Richtig viele Projekte und Initiativen, die mit Preisgeldern unterstützt werden, ihre Projekte auch umzusetzen. Aber auch Kommunen wie Taucha, die sichtbare Umweltschutzprojekte auf die Beine stellen.

256 Bewerbungen waren bis zum Juli zum eku Zukunftspreis eingegangen, aus denen jene ausgewählt wurden, die insbesondere unter den Aspekten Umwelt- und Klimaschutzwirkungen, Innovationscharakter, Modellcharakter und Vorbildwirkung, Regionalität und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten, soziale und ökonomische Wirkungen, Kooperation und Projektplanung belastbar waren.Die Stadt Taucha im Leipziger Nordosten fällt dabei gleich mit drei Projekten auf, die schon auf den ersten Blick zeigen, dass auch Kommunen etwas tun können, um die Umweltbelastung zu verringern.

So bekommt Taucha jetzt 2.500 Euro für die Projekt-Idee „Vogelschutzhecken und Entsiegelung im Landschaftsschutzgebiet“ und 15.000 Euro für das Projekt „Verringerung der Lichtverschmutzung im Landschaftsschutzgebiet Parthenaue Machern“. Schon umgesetzt hat Taucha das Projekt „Regenwasserrückhalte- und Versickerungsanlage Regenbogengrundschule Taucha“. Dafür gab es 20.000 Euro Preisgeld.

Und auch Leipzig freut sich über ein Preisgeld für ein Projekt, das eigentlich selbstverständlich sein sollte in einem geschützten Auwald: 20.000 Euro gibt es für das Projekt „Biotopbaum- und Totholzkonzept – Gestaltung des Leipziger Auwaldes in der Zukunft“.

Das Leipziger Totholzkonzept

Das Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig hat heute für sein Biotopbaum- und Totholzkonzept vom Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) den „eku Zukunftspreis für Energie, Klima, Umwelt“ 2021 mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro erhalten.

Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal freut sich über die Würdigung und erklärt: „Indem wir Biotopbäume erhalten und den Anteil an Totholz im Wald erhöhen, schaffen wir vielfältige Strukturen, die wiederum den Artenreichtum fördern. Abgestorbenes Holz, das im Wald verbleibt, ist wertvoller Lebensraum und zugleich wichtiger Kohlenstoffspeicher. Mit unseren Bewirtschaftungsgrundsätzen unterstützen wir das Ökosystem, sich an veränderte Klimabedingungen anzupassen und erhöhen auch den Erholungs- und Erlebniswert.“

Totholz im Auwald. Foto: LZ
Totholz im Auwald. Foto: LZ

Auf den städtischen Waldflächen im Leipziger Auwald wird langfristig ein ständiger Totholzvorrat von 50 Kubikmeter pro Hektar angestrebt. Außerdem ist flächendeckend ein sehr hoher Bestand an Biotopbäumen (mehr als 10 Stück pro Hektar) und eine große Zahl an potenziellen Biotopbäumen zu erhalten, zu schaffen und nachhaltig zu sichern.

Das in Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern erarbeitete Konzept wurde im März dieses Jahres als Bestandteil des jährlichen Forstwirtschaftsplans vom Leipziger Stadtrat beschlossen. Hinsichtlich seiner Ziele konnte es das Fachgremium in der Kategorie „eku erfolg Kommunen“ überzeugen.

Aus insgesamt 256 Bewerbungen wurden in einem mehrstufigen Verfahren über 180 Projektideen und realisierte Vorhaben in Sachsen gewürdigt. Kriterien für die Preisvergabe waren unter anderem Umwelt- und Klimaschutzwirkungen, Innovationscharakter, Vorbildwirkung, Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten, soziale und ökonomische Wirkungen und Kooperation.

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Eine weitere Kommune aus dem Raum Leipzig, die mit einem Preisgeld von 5.000 Euro bedacht wurde, ist Großpösna für das Vorhaben „Pestizidfreie Kommune – Erwerb eines Unkrautvernichters auf Basis von Heißwasser“.

NABU Leipzig wird für zwei Projekte ausgezeichnet

Der Naturschutzbund NABU Leipzig hat sich 2021 mit dem Projekt „mein Biotop“ sowie mit der Projektidee „Wildbienen Leipzig“ für den eku-Zukunftspreis des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft beworben. Beide Projekte wurden in der Kategorie „Zivilgesellschaft“ ausgezeichnet und mit einem Preisgeld gewürdigt.

Bei der Projektidee „Wildbienen Leipzig“ (die mit 500 Euro bedacht wurde) geht es um den Aufbau einer Internetseite, die über die in Leipzig nachgewiesenen Wildbienenarten informiert. Mit dem auf der neuen Internetseite vermittelten Wissen können zugleich auch andere Insektenarten gefördert werden.

Es geht darum, ökologische Zusammenhänge in der Natur darzustellen, nämlich die Verknüpfung zwischen heimischen Pflanzen und den einzelnen Wildbienenarten. Die Projektidee wird voraussichtlich im März 2022 fertig umgesetzt sein und die Webseite kann dann freigeschaltet werden.

Mein Biotop: Blumenwiese. Foto: BUND, Beatrice Jeschke
Mein Biotop: Blumenwiese. Foto: BUND, Beatrice Jeschke

Das Projekt „mein Biotop“ läuft bereits seit Juli 2021, steht deshalb auch in der Sparte eku-Erfolg und wurde mit 20.000 Euro honoriert. Es hat zum Ziel, Lebensräume durch Aufklärung zu schützen und mit einfachen Mitteln neue Biotope zu schaffen. Dafür eignen sich große, aber auch kleine Flächen, sodass sich nahezu jeder an diesem Mitmachprojekt beteiligen kann.

Auf der zugehörigen Website www.mein-Biotop.de werden verständlich die engen Beziehungen einzelner Arten im Ökosystem aufgezeigt, und der NABU gibt Tipps, wie man funktionale Lebensräume schaffen kann.

Zielgruppe des Projektes sind alle, die etwas gegen das Artensterben unternehmen möchten – beispielsweise Balkon- und Gartenbesitzer, Schulen und Kitas, Sportvereine oder Firmen. Wer die Biotop-Elemente erfolgreich anlegt, kann vom NABU mit dem unverkennbaren Schild „mein Biotop“ ausgezeichnet werden.

Bei Konzeption, Design und Entwicklung beider Internetseiten wird der NABU Leipzig von der Markenagentur Rhowerk unterstützt und weiterhin begleitet. Ein erster Kooperationspartner ist zudem die Sächsische Lotto GmbH. Zur Fortentwicklung der beiden Projekte sind weitere Partner herzlich willkommen.

Die eingereichte Projektidee zur Webseite „Wildbienen Leipzig“

Mit der Internetseite Wildbienen-Leipzig.de bietet der NABU Leipzig ab 2022 ein einfach verständliches Werkzeug, das Zugang zu den in Leipzig nachgewiesenen Wildbienenarten bieten soll. Umweltbildung und Aufklärung sind ein Beitrag zum Artenschutz. Auf der Internetseite können zahlreiche Filterfunktionen genutzt werden, um spielerisch einen Zugang zum Thema zu ermöglichen. Wildbienen dienen dabei als Schirmart – denn mit dem auf der neuen Internetseite vermittelten Wissen können auch andere Insektenarten gefördert werden.

Das Internetangebot ist in leicht verständlicher Sprache gehalten, um möglichst viele Interessierte für die faszinierende Welt der bedrohten Bestäuber zu begeistern. Durch die Filterfunktionen können Flugzeiten, Nistweise und Spezialisierungen auf bestimmte Pflanzenarten oder -familien ausgewählt und erkundet werden. Damit kann man beispielsweise herausfinden, welche Wildbienen aktuell beobachtet werden können. (Informationen zu Wildbienen findet man auch jetzt schon auf der NABU-Website.)

Die Internetseite ist keine Bestimmungsapp. Es geht darum, ökologische Zusammenhänge in der Natur darzustellen, nämlich die Verknüpfung zwischen heimischen Pflanzen und den einzelnen Wildbienenarten. Kommunalverwaltungen, Kleingärtner, Hausmeister oder Grünpflegefirmen können für den Wert von Wildkräutern sensibilisiert werden.
Die Projektidee wird voraussichtlich im März 2022 fertig umgesetzt sein und die Webseite kann für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden.

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Viele weitere Projekte aus dem Raum Leipzig wurden ebenfalls ausgezeichnet, so der Ernährungsrat Leipzig e.V. mit der Projektidee „Akademie des guten Essens – Wertschöpfungsketten erleben, grüne Berufe entdecken“, die Stiftung Ecken wecken für das Projekt „Historische Handschwengelpumpen wiederbeleben“ oder die Leipziger Club- und Kulturstiftung für die Projektidee „Vom Kohlekraftwerk zum grünen Kreativkraftwerk“ – in dem es um das heiß diskutierte Projekt „Gleisdreieck“ und eine „Kompetenzstelle für umweltfreundliche und klimaneutrale (Kultur-)Veranstaltungsorte“ geht.

Das SNÄGG-Gründerteam um Jenny Schrepffer und Huong Do Thi (v.l.n.r.). Foto: Eric Kemnitz.
Das SNÄGG-Gründerteam um Jenny Schrepffer und Huong Do Thi (v.l.n.r.). Foto: Eric Kemnitz.

Aber auch der Verschenkekiste e. V. mit seiner Idee „Verschenkekiste – Umsonst- und Leihladen Leipziger Osten“ wurde bedacht. Man merkt schon, wie vielfältig die Ansätze sind, um in Sachsen hin zu einem umweltverträglichen Leben und Wirtschaften zu kommen.

Der Wasserstadt Leipzig e. V. wird für die Idee Umweltpädagogisches Konzept für die „Leipziger Wasserkiste“ gewürdigt und der KIB e. V. für seinen Ansatz „Pödelwitz lebt! – Leuchtturmprojekt für einen ökologischen nachhaltigen Strukturwandel“. Und die sächsischen Projekte solidarischer Landwirtschaft soll das vom Allmende Taucha e. V. initiierte Vorhaben „NeSoLaSa – (Re-)Vitalisierung Landesvernetzung SoLawi in Sachsen“ auf den Weg bringen.

Aber auch einige wissenschaftliche Projekte wurden gewürdigt – und auch etliche Unternehmen, die selbst schon nachhaltig unterwegs sind oder mit Einzelprojekten im eigenen Haus Veränderungen anstoßen – wie die BALANCE Erneuerbare Energien GmbH aus Leipzig, die mit ihrem Projektansatz „Upcycling von Gärprodukten als Faserersatz“ sowie mit dem nachhaltigen organischen Biodünger SNÄGG den eku – ZUKUNFTSPREIS des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft gewinnen konnte.

Das Fachgremium zeichnete die Projekte jeweils in den Kategorien „eku Idee“ und „eku Erfolg“ aus. Und auch die DPFA, Leipziger Fachschule für Sozialwesen, bekam zwei Preise zuerkannt.

Ein Fahrradprojekt und ein Naturschutzvorhaben im Auwald

Die Fachschule für Sozialwesen des freien Bildungsträgers DPFA erhält insgesamt 7.500 Euro Preisgeld für zwei Projekte. „Urban Cycling. Mobil werden in Leipzig“ und „Wir Hüter des Eisvogels. Ein Naturschutzprojekt im Leipziger Auwald“ heißen die beiden ökologischen Vorhaben der Erzieherschule.

Im Projekt „Urban Cycling. Mobil werden in Leipzig“ bringen DPFA-Schüler/-innen Kindergarten- und Grundschulkindern sowie Erwachsenen – vornehmlich Frauen aus anderen Kulturkreisen – das sichere Fahrradfahren bei.

„Unsere angehenden Erzieherinnen und Erzieher erhalten hier die Gelegenheit, sich in der praktischen Vermittlung von Kompetenzen auszuprobieren und leisten dabei gleichzeitig einen aktiven Beitrag, Leipzig mobiler und ökologischer zu machen“, erklärt DPFA-Lehrerin und Initiatorin Evelyn Arnrich. Das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro investiert der Bildungsträger vor allem, um Fahrräder zu mieten. Zu den Leipziger Projektpartnern zählt die Kita „Am kleinen Kuchengarten“, die DPFA-Regenbogen-Grundschule sowie das Soziokulturelle Zentrum „die VILLA“.

Für das Projekt „Wir Hüter des Eisvogels. Ein Naturschutzprojekt im Leipziger Auwald“ kooperiert die DPFA mit der Montessori Kita „Villa Kunterbunt“. Geplant sind unter anderem gemeinsame Exkursionen zur Entdeckung der schillerndsten einheimischen Vogelart. Von dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro möchte die Fachschule u. a. Schlauchboote anschaffen, mit denen das Landschaftsschutz- und europäische Vogelschutzgebiet Auwald aus einem anderen Blickwickel entdeckt werden kann.

Die DPFA Leipzig verfügt seit 2019 über das Profil „Waldpädagogik und Umweltschutz“ in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erzieher. „Nachhaltigkeit ist für uns eine Haltung, die wir unserer Schülerschaft in praxisnahen Projekten vermitteln“, betont Lehrkraft Evelyn Arnrich.

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Alle ausgezeichneten Projektideen (eku Idee) und schon verwirklichten Projekte (eku Erfolg) findet man hier.

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