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In Parks und Grünanlagen werden die Leipziger zum Faust und schlendern und verweilen mit und ohne Pudel

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    Die meisten Leipziger sind durchaus bereit, mehr zum Klimaschutz beizutragen: 53 Prozent sagten in der "Bürgerumfrage 2014", dass sie das tun würden, 36 Prozent wiegten den Kopf und sagten "teils/teils". Und die Umfrage zeigte auch, warum so viele "teils/teils" ankreuzten: Die Angst ist groß, dabei wieder einmal kräftig draufzuzahlen. Denn es ist ja nicht so, dass sie die aktuelle Stadtpflege nicht bezahlen.

    Sie wissen auch, wie wichtig die in ihrer Pflege nicht ganz billigen Grünanlagen und Parks sind. Denn wenn das Thermometer Richtung 30 Grad klettert, dann flüchten sie sich dort hin, um wenigstens ein bisschen durchzuatmen und abzukühlen.

    65 Prozent der in der Klimaumfrage Befragten nutzen im Sommer die Möglichkeit, mindestens einmal wöchentlich in eine Grün- oder Blauanlage zu gehen. Womit wir wieder ganz fix in der überheizten Innenstadt sind: Dort haben sogar 78 Prozent der Befragten angegeben, dass sie es tun. Und nicht nur schattiges Grün suchen sie dort, sondern möglichst auch Wasser: 78 Prozent der Leipziger bevorzugen einen Ausflug in die Nähe der Fließgewässer.

    Selbst Leipzigs Statistiker stellen hier ein klares Stadt-Umland-Gefälle fest: Je weiter man in die Innenstadtnähe kommt, umso höher ist das Bedürfnis, sich im Sommer ins Grüne zu flüchten. Je näher am Stadtrand die Leipziger wohnen, um so geringer ausgeprägt ist das Bedürfnis. Das kann natürlich am Vorhandensein von deutlich mehr Gärten hinterm eigenen Haus liegen. Das kann aber auch mit der größeren Hitzekonzentration im Inneren der Stadt zu tun haben.

    Schlimmes stellen die Leipziger übrigens in den Parks und Grünanlagen in der Regel nicht an. 66 Prozent gehen spazieren, 45 fahren oder schlendern einfach durch (wahrscheinlich, um schnellstmöglich zum nächsten Fließgewässer zu kommen), 40 fahren dort mit dem Rad und 31 Prozent gehen tatsächlich ins Grüne, um Natur zu erleben. Der Leipziger ist ein sensibles und romantische Wesen, wie es scheint.

    Was mit der nächsten Aussage noch schöner wird: 31 Prozent haben ihren Faust verinnerlicht und gehen ins Grüne, um zu verweilen.

    Na gut, das war jetzt frech, denn das Feld mit „Verweilen“ haben Leipzigs Statistiker so beschriftet. Vielleicht waren es auch die Mitarbeiter des Amtes für Grünflächen und Gewässer, nachdem sie wieder ein paar von nächtlichen Vandalen abgeholzte Bäume gefunden haben – oder den nackten Stumpf. Denn während die meisten Leipziger sich mehr Bäume wünschen, gehen andere nachts mit der Säge los, um Futter für ihren heimischen Kamin zu besorgen. Der Weg zum Förster ist ihnen augenscheinlich zu weit.

    Was natürlich den anderen Aspekt der von den Leipzigern empfundenen Überlastung benennt: Es ist eine Minderheit, die auf die Empfindungen der anderen und das überhitzte Klima keine Rücksicht nimmt und sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert. Auch an Brennmaterial für Öfen, die im Winter die Feinstaubbelastung in die Höhe treiben.

    Dass dabei der Zustand des öffentlichen Grüns leidet, ist ihnen augenscheinlich Wurst.

    Die meisten Leipziger wollen ja im Grün nicht nur verweilen. 24 Prozent finden es auch schön, dass es dort Spielplätze für Kinder gibt, 21 Prozent gehen zum Sporttreiben hin, 17 Prozent treffen sich mit Freunden und Bekannten und erstaunlicherweise gehen nur 9 Prozent mit ihrem Hund dorthin. Obwohl das meistens ganz anders aussieht. Man staunt. Natürlich kann man das alles auch kombinieren. Parks sind Vielzweckanlagen. Und einige sind – so stellt es auch Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal fest – kräftig übernutzt. Siehe oben: Gerade auf innerstädtische Grünanlagen wie den Clara- und den Johanna-Park hat der Nutzungsdruck in den vergangenen fünf Jahren kräftig zugenommen.

    Was kann man da tun, ist die Frage. „Ein Ansatz wäre“, sagt Rosenthal, „die Nutzer auf andere attraktive Parkanlagen in anderen Bereichen der Stadt umzuleiten.“

    Da kann man gespannt sein, wie das funktionieren soll. Ein möglicher Ansatz wären die kleinen Parkführer, die der Grüne Ring herausgibt. Ein weiterer: Die anderen großen Parks müssen aufgewertet werden. Zum Beispiel mit Teichen, wie das gerade im Agra-Park passiert. Dritte Möglichkeit: Das Radwege- und ÖPNV-Netz zu verbessern, damit man auch mit Kind und Kegel problemlos hinkommt. Aber auch da pfuscht ja gerade jemand dem Umweltdezernat ins Geschäft: Jemand will die Straßenbahn Linie 9 zum Wildpark durch einen Bus ersetzen. Für gewöhnlich nennt man so etwas: kontraproduktiv. Jemand arbeitet gegen die Interessen der Stadt und ihrer Bürger.

    Aber vielleicht ist die Hitze von 2014 dran schuld, dass da Jemandem nichts Besseres einfiel.

    Aber zum Stichwort „Attraktivität von Grünflächen“: Die meisten Leipziger – 86 Prozent – sind größtenteils zufrieden mit dem Angebot an Grünanlagen und Parks. Auch die Senioren übrigens, die wir hier kürzlich so gescholten haben für ihre Unzufriedenheit (in Sachen saubere Straßen). Aber am zufriedensten mit den Grünanlagen sind die jüngsten Leipziger: 94 Prozent. Sie haben das Grün quasi erobert wie die Indianer.

    Und es überrascht nicht, wenn die meisten Leipziger gerade die Grünanlagen in Leipzig-Mitte besonders toll finden: 84 Prozent. Hier ist immer wieder vor allem Leipzigs Central-Park gemeint: die große Grün-Oase Clara-Zetkin- und Johanna-Park. Und gerade weil ihn so Viele toll finden, sehen auch Viele kritisch auf seinen Zustand.

    Aber nicht so viele, dass er – wie vor ein, zwei Jahren – auf einmal als Problemzone dasteht. 72 Prozent der Leipziger sind mit dem Zustand der Grünanlagen in Leipzig-Mitte zufrieden, nur 9 Prozent äußern Unzufriedenheit. In Lindenau und Leutzsch ist die Unzufriedenheit mit dem Grün viel größer: 22 Prozent sind hier unglücklich mit dem Zustand des Grüns.

    Die Frage ist: Gilt das dann auch bei brütender Hitze? Was machen die Leipziger da?

    Das erzählen wir in Kürze an dieser Stelle.

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