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88 Prozent der Leipziger wünschen sich mehr Bäume in den Straßen

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    Auch wenn es ein paar Seiten und Fragen zu Extremereignissen und Katastrophen gab in der Leipziger Befragung zum Klimawandel 2014, drehen sich die meisten Kapitel im Bericht natürlich um die Frage der Hitzebelastung. Das ist das Thema, bei dem Bürger und Verwaltung tatsächlich die größten Anpassungsleistungen schaffen können. Wenn sie wollen. Wenn sie es nicht vertrödeln und auf die lange Bank schieben.

    Denn Manches kann zwar schnell getan werden. Aber selbst das steckt in Leipzig oft genug in der Schleife und wird eben doch nicht getan, selbst wenn es der Stadtrat beschlossen hat. Zum Beispiel das Pflanzen von Straßenbäumen. Das kostet Geld – und Jahr für Jahr wird das eigentlich notwendige Budget von einer halben Million Euro nicht ausgeschöpft, gab es Wichtigeres, Drängenderes. Und – na ja, oft genug erzählt: Eine echte Unterstützung durch den Freistaat gab’s auch nicht.

    Wenn es um die Anpassung von Kommunen und Landwirtschaft an den Klimawandel geht, reden die sächsischen Umweltminister immer nur, aber sie erlassen nicht die notwendigen Gesetze, zögern, zaudern, wollen den mächtigen Großbauern im Land nicht zu nahe treten.

    Aber es ist wie beim CO2-Ausstoß: Eine Stadt wie Leipzig kann für sich versuchen, den Ausstoß zu senken – wenn ringsum trotzdem so weiter gemacht wird wie bisher, nutzt das gar nichts.

    Dass Leipzig grüner und luftiger werden muss, wenn es in der  kommenden Hitze des Jahrhunderts nicht ächzen und in die Knie gehen will, die Leipziger wissen das. Das sehen auch die in der Umfrage 2014 befragten Bürger so. 88 Prozent haben angekreuzt: Begrünung von Straßen und öffentlichen Plätzen ist eine gute Möglichkeit zur Hitzeregulierung.

    Ein Thema, bei dem auch Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und Angelika Freifrau von Fritsch nur mit den Achseln zucken, denn die Hoheit über Leipzigs Verkehrsflächen hat das Verkehrs- und Tiefbauamt. „Es ist ein ganz zähes Ringen“, sagt Rosenthal.

    „Wir sind ja schon glücklich, dass wir wenigstens drei Bäume hinstellen konnten“, sagt von Fritsch, direkt auf den üppig gepflasterten Vorplatz der S-Bahn-Station Wilhelm-Leuschner-Platz angesprochen. Eine Orgie in Pflastersteinen. Die drei Bäume wurden 2013 von drei Amtsleiterinnen spendiert.

    „Wenn eine Fläche erst einmal als Verkehrsfläche definiert ist, haben wir kaum noch Möglichkeiten zur Einflussnahme“, sagt Rosenthal. Und würde gern – auch in der Innenstadt – mehr Grün pflanzen. 50 Prozent der Befragten empfinden die Hitzebelastung gerade in der Innenstadt als belastend. „Aber im Grunde ist die Grünfläche an der Thomaskirche die einzige grüne Insel, die wir da haben“, sagt Rosenthal. „Und sie ist sichtlich stark übernutzt.“ Er betont aber auf Nachfrage, sein Dezernat werde prüfen, ob man nicht doch mehr Flächen in der Innenstadt bepflanzen könne. „Wenigstens Büsche in Pflanzkübeln hinstellen.“

    Ein echtes Zukunftsthema. Denn wenn die Innenstadt die Hitze nicht in den Griff bekommt, hat Leipzig ein Problem. Es ist sein Vorzeigeplätzchen.

    Und wenn die Stadt nicht auch all die Straßen, die heute noch ohne Bäume da stehen – darunter auch viele in den alten Arbeitervierteln im Leipziger Westen und Osten – mit Baumreihen bepflanzt, wird das Leben in manchen Quartieren richtig sauer.

    Und dass gerade in den 1990er Jahren viele Hausbesitzer Unfug angestellt haben, als sie die Innenhöfe in gepflasterte Parkplätze verwandelt haben, bekommen sie jetzt auch von den Bürgern gesagt: 81 Prozent wünschen sich deutlich mehr Baumpflanzungen in den Innenhöfen.

    71 Prozent wünschen sich von der Stadt mehr Wasserflächen und Brunnenanlagen. In dieses Themenfeld passt natürlich der Plan, endlich alle innerstädtischen Mühlgräben zu öffnen.

    68 Prozent der Befragten werden noch deutlicher: Sie wünschen sich mehr Entsiegelung – also das Gegenteil dessen, was das Verkehrs- und Tiefbauamt derzeit an vielen Stellen im Stadtgebiet macht, nicht nur an der Petersstraße. Der Vorplatz des Bayerischen Bahnhofs steht für die Leipziger Versiegelungsorgie genauso wie der Huygensplatz, der nördliche Thomaskirchhof oder der Münzplatz. Chancen, wenigstens kleine zusätzliche Grüninseln zu schaffen, werden mit der faulen Ausrede „Verkehrsfläche“ vergeigt.

    „Deswegen kämpfen wir auch um jeden Meter im grünen Promenadenring“, sagt Rosenthal. „Und das ist kein einfacher Kampf. Das kann ich Ihnen sagen.“

    Nach der direkten Rolle der Leipziger Parks und Grünanlagen zur Hitzeentlastung wurde an dieser Stelle nicht direkt gefragt. Aber den Leipzigern ist sehr wohl bewusst, dass die Parks und Kaltluftschneisen geradezu überlebenswichtig sind, wenn es richtig heiß wird.

    Dazu kommen wir gleich noch im nächsten Teil.

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