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Sockel der Hartz-IV-Empfänger schmilzt mangels Nachschub ab

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    Der Leipziger Arbeitsmarkt funktioniert. Noch, muss man sagen, wenn man den diversen Wahrsagern zuhört, die nun die für 2016 vorhergesagte Flaute für 2017 prophezeien. Irgendwie ergeben das alle ihre in BWL erlernten Formeln. Die trügerischen. Aber irgendwie darf die Leipziger Arbeitsagentur für den September tatsächlich so etwas wie einen 25-Jahres-Rekord vermelden.

    „Mit 8,2 Prozent wurde im September die niedrigste Arbeitslosenquote in einem Monat überhaupt seit Anfang der 1990er Jahre gemessen. Der Trend des Rückgangs der Arbeitslosigkeit und des Wachstums bei der Zahl der Beschäftigten hat sich ungebrochen fortgesetzt. Das ist sehr schön für diese Stadt und macht mich zuversichtlich – wir haben einen kontinuierlich positiven Trend“, freut sich Reinhilde Willems, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, bei der Vorstellung der Arbeits- und Ausbildungsmarktzahlen des Monats September.

    Wenn sie noch sagen könnte, woran es liegt, könnte man ja was draus lernen.

    1.934 Arbeitslose weniger seit September 2015

    Die Arbeitslosigkeit in Leipzig sank in den letzten vier Wochen und auch im Jahresvergleich deutlich. 1.199 Menschen weniger waren bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Leipzig im Vergleich zum August arbeitslos gemeldet. Noch erheblicher fällt der Vergleich zum Vorjahr aus. Seit September 2015 ging die Zahl der Arbeitslosen um 1.934 zurück.

    Das ist eine Menge Holz, nachdem sich die diversen Umfrageinstitute befleißigten, die Konjunktur im Osten irgendwie zu erfragen und teils auf maue Ergebnisse kamen. Insbesondere die exportorientierte Wirtschaft hat ein Problem, seit es in China, Russland und Großbritannien kriselt. Gerade Autos verkaufen sich in Krisenzeiten schlecht.

    Aber es ist, wie gehabt: Leipzig ist eine Dienstleistungsstadt geworden. Vielleicht sogar das Zukunftsmodell für moderne Städte. Man liefert zu, putzt, entwirft, verlädt und transportiert, pflegt, berät und verkauft. Und gerade die Dienstleister suchen immer emsiger nach Personal, das sich reinkniet, verpackt, hebt, versendet, anruft oder losflitzt.

    Die meisten Stellen werden über Zeitarbeitsfirmen vermittelt

    Zwar dominieren bei den über 6.000 gemeldeten freien Stellen die Unternehmen aus Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung. Das sieht so aus, als wären die Industriebetriebe emsig auf Personalsuche und bieten 1.599 freie Stellen.

    Wenn man dann aber schaut, wer die Stellen vermittelt, sieht man, dass 60 Prozent aller Stellen über Zeitarbeitsfirmen angeboten werden. Ein direktes Ergebnis der Schröderschen Arbeitsmarktreformen, die die einst eher hilfreichen Leiharbeitsfirmen zu zwischengeschalteten Arbeitsvermittlern gemacht haben.

    Zeitarbeitsfirmen als eigentliche Arbeitsvermittler. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Zeitarbeitsfirmen als eigentliche Arbeitsvermittler. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    Was aber am Grundeffekt nichts ändert, warum die Arbeitslosenzahlen in Leipzig sinken. Die Arbeitsagentur feiert sich vor allem für ihre Qualifizierungsmaßnahmen.

    Aber das ist nicht der Hauptgrund. Auch die Vermittlung der Arbeitslosen in Arbeit ist nicht deutlich angestiegen.

    Und trotzdem gab es im Rechtskreis SGB III im zurückliegenden Monat einen Rückgang um 202 und im Rechtskreis SGB II einen Rückgang um 997 Arbeitslose im Vergleich zum Vormonat.

    „Mit einer Arbeitslosenquote von 1,9 Prozent im SGB III, der Arbeitslosenversicherung, liegen wir gleich auf mit den wirtschaftsstarken Großstädten in Deutschland“, meint Willems. „Besonders freut mich, dass auch die Arbeitslosen, die im Jobcenter betreut werden, von dieser sehr positiven Entwicklung profitieren. Es stimmt also nicht, wenn es heißt, die Langzeitarbeitslosen würden von solchen guten Entwicklungen nichts haben. Dort ist der Rückgang sogar erheblich größer als bei der Arbeitsagentur. Es spricht auch für die Offenheit Leipziger Unternehmen bei der Arbeitskräftesuche.“

    Schöner Vergleich.

    Aber er vermeidet die Benennung eines Problems, das immer greifbarer wird: Die Arbeitslosenzahlen sinken so deutlich, weil ältere Arbeitslose immer seltener „freigesetzt“ werden. Wer Fachkräfte hat, versucht sie zu halten.

    Erstmals weniger als 40.000 Bedarfsgemeinschaften

    Im Bereich von SGB II wird es ganz deutlich: Seit Monaten liegt die Zahl der Zugänge in Arbeitslosigkeit um 300 bis 400 niedriger als die der Abgänge in Erwerbstätigkeit. Im September lag die Differenz schon bei 524. Was im Ergebnis ja heißt: Der Zufluss an neuen Erwerbslosen in Bedarfsgemeinschaften lässt immer mehr nach. Die Arbeitslosenzahl sinkt mangels „Nachschub“.

    Im September waren 5.481 Menschen im Rechtskreis SGB III in der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet. Das waren 202 weniger als im Vormonat und 205 weniger als im September 2015.

    Im Rechtskreis SGB II waren 18.739 Menschen im Jobcenter Leipzig arbeitslos registriert. Das waren 997 weniger als im August 2016 und 1.729 weniger als vor einem Jahr. Was dann auch bedeutet, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften erstmals unter die 40.000er-Marke rutscht: In Leipzig gab es im September 39.797 Bedarfsgemeinschaften. Das sind 226 weniger als im Vormonat und 1.710 weniger als im September des Vorjahres.

    Das Jobcenter Leipzig betreut aktuell 49.039 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Rückgang 446. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl um 1.911 Personen.

    Integration von Flüchtlingen hat begonnen

    Und bei diesen Zahlen ist ebenfalls noch zu berücksichtigen, dass die Arbeitsagentur seit dem Frühjahr auch die ersten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren muss.

    „Die Zuwanderungseffekte drücken sich deutlich in der gestiegenen Anzahl ausländischer Arbeitsloser aus. Gleichzeitig zeigt der Vormonatsvergleich, dass auch hier Qualifizierung und Vermittlungsarbeit greifen. Wir machen die Menschen fit für den Arbeitsmarkt und die Integration in Arbeit und Gesellschaft“, sagt Willems.

    Im September waren bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Leipzig insgesamt 4.400 Ausländer, das waren 18,2 Prozent aller arbeitslosen Menschen in Leipzig, gemeldet. Im Vergleich zum September 2015 stieg diese Zahl um + 983, was natürlich auf die neu zu integrierenden Asylsuchenden zurückgeht. Und trotzdem lässt es die Leipziger Arbeitslosenzahlen nicht steigen. Im Vergleich zum Vormonat sank auch bei den Ausländern die Zahl der Arbeitslosen um 192.

    Innerhalb von 12 Monaten sank die Leipziger Arbeitslosigkeit deutlich um 1.934.

    Die Erwerbstätigkeit aber steigt weiter: Im März 2016, dem letzten Quartalsstichtag mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Leipzig auf 253.154. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 6.566 oder 2,7 Prozent.

    Und die Arbeitslosenrate sinkt: Zum statistischen Zähltag im September betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 8,2 Prozent (Vormonat: 8,6 Prozent). Im September 2015 lag diese noch bei 9,1 Prozent. Damit erreichte die Arbeitslosenquote in Leipzig den tiefsten Stand seit 1991.

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      1 KOMMENTAR

      1. soviele schöne Zahlen! Da singt in meinem Kopf doch gleich Wenzel: „Sancta Statistica, glühende Sonne der Soziologie, nur was sich zählen lässt ist wirklich war – Sancta Statistica!, habe seit 15 Jahren einen arbeitenden (Ehrenamt), nicht bezahlten Mann an meiner Seite, der in keiner Statistik auftaucht.

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