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Einkommensstagnation bei jungen Familiengründern und saftiger Ärger bei Schulen, Kitas und Wohnungen

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    Kriminalität und Sicherheit sind aus der Sicht fast aller Altersjahrgänge in Leipzig die größten Probleme, wenn auch die Unterschiede auffällig sind. Nennen es die Älteren mit 69 Prozent am häufigsten, sind es bei den jungen Leipzigern nur 33 Prozent. Und eine Bevölkerungsgruppe sieht überhaupt nicht ein, ausgerechnet dieses Thema als Nr.1-Thema zu betrachten: die (jungen) Leipziger Eltern.

    Bei denen wird dieses Alarm-Thema von zwei ganz anderen Themen deutlich übertroffen.

    Und da sind wir im richtigen Leben, dem Punkt, an dem unsere Gesellschaft immer wieder versagt, weil sie ihre Ressourcen falsch einsetzt und die Belange der alles entscheidenden Bevölkerungsgruppe noch immer nicht ernst nimmt.

    Das Thema Sicherheit nehmen die Eltern mit 39 Prozent zwar auch wahr. Aber es wird deutlich überboten mit dem seit über zehn Jahren unbewältigten Thema „Kindertagesstätten“ (46 Prozent der Nennungen) und Wohnkosten (39 Prozent).

    Denn noch immer ist für viele Eltern die Suche nach einem Kita-Platz für die Kleinen ein Drama. Und genauso ein Drama ist die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung für eine wachsende Familie. Denn gerade solche Wohnungen baut „der Markt“ nicht. Und die letzten Bundesregierungen haben allesamt wie närrisch auf die Wohltaten „des Marktes“ gesetzt. Von der Senioren-Politik in Sachsen ganz zu schweigen.

    Dumm nur, dass gerade junge Leute in der Zeit des Berufseinstiegs, die nun einmal auch die Zeit der Familiengründung ist, gerade in Leipzig oft mit miserablen, schlecht bezahlten und befristeten Jobs abgespeist werden. Da ist kein großes Geld da, um die marktfähigen großen Wohnungen zu mieten. Und schon stecken sie drin in der Mühle des Suchens nach der letzten Nadel im Heuhaufen. Und weil sie die immer seltener finden, wachsen sich die Wohnkosten für die kleine Familie schnell zum Dauerproblem aus.

    Und da in Sachsen ja vorausschauende Politik gemacht wird, werden die jungen Eltern beim nächsten Schritt gleich wieder veralbert, denn jetzt kommen die Kinder in die Schule – und die Schulen platzen aus allen Nähten. Logisch, dass die Eltern Schulen als „größtes Problem“ fast drei Mal häufiger nannten als der Stadtdurchschnitt: 34 Prozent gegenüber 12 Prozent. Ein Thema, das ersichtlich junge Erwachsene (4 Prozent) oder Senioren (8 Prozent) überhaupt nicht interessiert.

    Entsprechend schwer ist es für die Hauptleidtragenden durchzudringen. Vielleicht weniger in Leipzig, wo OBM Burkhard Jung und Finanzbürgermeister Torsten Bonew jetzt ein 150-Millionen-Notpaket für den Schulbau geschnürt haben. Aber das hilft nur, die nötigsten Platzreserven zu schaffen. Tatsächlich müsste Leipzig jedes Jahr ein 150-Millionen-Schulbaupaket aufstellen, um überhaupt dem Bedarf nachzukommen. Aber dafür gibt es nicht das nötige Fördergeld aus Dresden.

    Das Land spart sich seine Altersvorsorge auf Kosten der Kinder zusammen. Anders kann man das nicht mehr formulieren. Greise, ängstliche Leute bestimmen die Sparpolitik – während den jungen Eltern ein Stein um den anderen in den Weg gelegt wird.

    Und man darf nicht vergessen: Das sind keine arbeitslosen Eltern. Das sind Eltern, die beide arbeiten gehen. Die also eigentlich gar keine Zeit haben, sich mit dem ganzen Anmeldeärger herumzuschlagen. Denn beide Jobs reichen in der Regel geradeso, den gemeinsamen Haushalt zu finanzieren.

    Und wer es nicht glaubt, schaut in die Einkommenstabelle. Da freut sich zwar der Verwaltungsbürgermeister, dass der Einkommensmedian 2017 wieder von 1.280 auf 1.328 Euro angestiegen ist (+ 3,75 Prozent), aber die jungen Leute zwischen 18 und 34 Jahren gehören in Leipzig in der Menge zu den Geringverdienern. Da sind zwar auch Studenten und Azubis dabei. Aber selbst wenn sie ins Berufsleben eintreten, bekommen sie oft nur Zeitverträge, diverse Praktika oder Einstiegsgehälter, für die man sich keine Familie leisten kann. Vom uralten Bild des Alleinverdieners träumt in Leipzig kaum noch wer.

    Ergebnis: Der Median der Einkommen der jungen Leute stieg nur von 1.156 auf 1.158 Euro. Das kann man auch Stagnation nennen, obwohl es eigentlich mit Blick auf die Inflation ein Einkommensverlust ist.

    Die wirklichen Zuwächse haben die Erwerbstätigen bekommen, die dann auch von den Streikerfolgen der Gewerkschaften profitierten – allen voran leitende Angestellte und Beamte. Denn wie das so ist mit den erstreikten Prozenten: Die packen dort das meiste drauf, wo sowieso schon viel ist.

    Da muss man sich nicht wundern, wenn die jungen Leute in Sachsen rebellischer werden und mit dem Seniorenkurs der etablierten Volksparteien nichts mehr anfangen können. Denn sie arbeiten ja alle. Keine Bevölkerungsgruppe ist so darauf bedacht in Lohn und Brot zu bleiben wie die (jungen) Eltern. Aber sie werden dafür nicht belohnt. Stattdessen erleben sie, wie ihnen nicht mal die Infrastrukturen zur Verfügung stehen, die sie zum reibungslosen Verwalten einer kleinen Familie brauchen.

    Erstaunlich, was in so einer Bürgerumfrage zum Vorschein kommt.

    Da machen wir morgen gleich weiter.

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      1 KOMMENTAR

      1. Das ist nicht nur die Politik, auch in unseren „Qualidädsmädchen“ werden die Familien mit geringem Einkommen trotz Doppelarbeit schlicht nicht wahrgenommen. Da orientiert man sich immer am Wunschbild der oberen Mittelschicht, zu der ja auch alle am liebsten gehören wollen.
        Was es für die Politik wieder leichter macht, die Bedürfnisse zu ignorieren.

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