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Die Zahlen zur Unterhaltsbeihilfe der Älteren sind auch in Leipzig seit 2015 zurückgegangen

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    Im Zusammenhang mit den jüngsten Arbeitsmarktzahlen stellte „Kathrin“ die nicht ganz unwichtige Frage: Wie sieht es eigentlich mit Bedarfsgemeinschaften im SGB XII in Leipzig aus? Denn wenn die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im SGB II („Hartz IV“) sinkt, muss das ja nicht bedeuten, dass auch die Bedarfe in der Sozialhilfe zurückgehen. Über diese Zahlen berichtet natürlich nicht die Arbeitagentur.

    Ab und zu gibt das sächsische Landesamt für Statistik Zahlen heraus, nicht sehr detailliert. Zumindest bis 2015 traf hier tatsächlich zu: Die Zahlen sind Jahr um Jahr gestiegen.

    2015 bekamen in Sachsen 37.700 Menschen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes im Rahmen der Sozialhilfe (SGB XII). Seitdem ist zumindest ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 2017 waren es noch 35.809 Menschen. Es sieht also ganz so aus, dass das jahrelange Wachstum gestoppt ist.

    Der Hauptteil dieser Menschen sind natürlich die sächsischen Armutsrentner. 2015 waren es 31.238 Menschen, bis 2017 sank die Zahl der Bezieher von „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ auf 30.002. Noch also wirkt sich das Thema Altersarmut nicht so stark auf die Zahlen der Hilfsbedürftigen im Alter aus.

    Was natürlich direkt mit den Anfragen der Landtagsabgeordneten der Linken Susanne Schaper zu den über 65-Jährigen zu tun hat, die noch arbeiten. Denn zumindest liegt die Vermutung nahe, dass die Zahl der noch immer erwerbstätigen Senioren genau damit zu tun hat: Sie wollen nicht zum Bittsteller im Sozialamt werden, da arbeiten sie lieber auch übers 65. Lebensjahr hinaus.

    Was dann besonders bei den geringfügig entlohnten Jobs sichtbar wird. Die Zahl der Senioren in solchen Jobs stieg von 2015 bis 2017 von 39.953 auf 48.749.

    Leipzig selbst hat dazu noch keine neueren Zahlen vorgelegt. Die letzten stammen aus dem Jahr 2016. Danach erhielten 6.108 Leipzigerinnen und Leipziger Mindestsicherungsleistungen im Rahmen der Sozialhilfe nach SGB XII. Auch hier war der Anstieg bis 2015 zu verzeichnen, als der Höchststand von 6.210 erreicht wurde. Und das scheint auch in Leipzig direkt mit der Kategorie „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ zusammenzuhängen.

    Denn wenn ein Arbeitsmarkt wie der Leipziger immer stärker unter Fachkräftemangel leidet, entstehen logischerweise auch mehr Arbeitsangebote für ältere Menschen, die sich noch dazu in der Lage fühlen, die fehlende Lücke beim gesetzlichen Rentenanspruch durch Mini-Jobs aufzufüllen. 2015 bekamen 5.126 Leipzigerinnen und Leipziger diese Art Sozialhilfe, 2016 waren es dann 4.943.

    Empfänger/-innen von Leistungen der sozialen Mindestsicherung in Leipzig 2006 bis 2016. Grafik: Stadt Leipzig, Sozialreport 2017
    Empfänger/-innen von Leistungen der sozialen Mindestsicherung in Leipzig 2006 bis 2016. Grafik: Stadt Leipzig, Sozialreport 2017

    Und wahrscheinlich gehen wir zu Recht von der Annahme aus, dass die meisten Menschen – auch und gerade im Osten – viel zu stolz sind, um ein Leben lang als Bittsteller bei den diversen Ämtern Schlange zu stehen. Und dass gerade diese eigentlich gewollte Bittstellerei den Stolz vieler Betroffener zutiefst verletzt. Da sammeln sie lieber Flaschen, sammeln Altpapier oder suchen sich ein zusätzliches Einkommen, das ihnen hilft, den Bittgang zum Amt möglichst weit hinauszuzögern.

    Was dann wieder die vormundschaftlichen Politiker freut, weil das dann die Statistik wieder entlastet und scheinbar gar kein Bedarf ist, die Renten der jetzt in den Ruhestand gehenden Altersjahrgänge auf ein menschenwürdiges Niveau anzuheben. Eigentlich bin ich sogar geneigt, dahinter eine Absicht zu sehen, denn so mobilisiert man auch noch ältere Arbeitskräfte für einen ausgehungerten Arbeitsmarkt. Was man (in der Statistik) nicht sieht, muss man ja auch nicht ändern.

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      1 KOMMENTAR

      1. Das ging ja echt flott mit der Beantwortung meiner Frage. Danke dafür.
        Es wird nicht jeder in der Lage sein, als Rentner noch dazuzuverdienen, die Jobs sind auch nicht unendlich verfügbar. Und die geburtenstarken Jahrgänge kommen ja erst noch. Ich sehe da schon reichlich politischen Zündstoff auf uns zu kommen. Auch für den Wohnungsmarkt. Denn wer aufstocken muss, für den wird die Wohnung ganz schnell zu teuer. Das Problem weitet sich also aus vom Jobcenter zum Sozialamt

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