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Wanderungsgewinne bügeln die niedrigen Geburtenzahlen in Sachsen ein bisschen aus

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    Eigentlich wären Bevölkerungszahlen gar nicht so aufregend. Mal gehen sie ein bisschen rauf, mal ein bisschen runter. In einer Gesellschaft, in der Kinder und Familie wirklich im Mittelpunkt stünden, würde sich das ganz von allein ausgleichen. Aber in so einer Gesellschaft leben wir nicht. Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Kinderwunsch vom Preis der Ware Arbeitskraft abhängt. Deshalb hat Sachsen ein massives Geburtendefizit. Das nur ein bisschen kaschiert ist.

    Am 18. Februar veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die jüngsten Bevölkerungszahlen zum September. Die noch ganz ordentlich aussehen, wenn man bedenkt, dass Sachsen 2014 schon dabei war, unter die 4-Millionen-Grenze zu stürzen.

    Und während die Milbradt-Regierung noch versuchte, Rezepte gegen diesen demografischen Schwund zu finden, fiel das unter seinen Nachfolgern völlig aus. Man verwaltet nur noch. Ideen, wie man ein Land und eine Gesellschaft stabilisieren kann, hat man keine. Denn da müsste man anders beginnen über Infrastrukturen, Einkommen und Sicherheit nachzudenken. Lebenssicherheit, nicht das, was die üblichen Ordnungspolitiker unter „Sicherheit“ verstehen.

    Denn zum Gründen einer Familie braucht man Sicherheit.

    Die jungen Sächsinnen und Sachsen wissen es – und ziehen auch deshalb weg aus Görlitz, Zwickau, Bautzen. Sie ziehen in die großen Städte, dorthin, wo es wenigstens einen Teil all der Infrastrukturen gibt, die man braucht, um an Familiengründung überhaupt denken zu können.

    Wohlgemerkt: einen Teil. Denn die Großstädte profitieren zwar von dieser Zuwanderung junger Leute. Aber sie können nicht alle fehlenden Sicherheiten kompensieren. Die großen Löcher bei den Geburtenzahlen reißen dafür anderswo auf – in den Landkreisen.

    Und so meldete das Statistische Landesamt: „Am 30. September 2018 lebten im Freistaat Sachsen 4.076.957 Einwohner, 4.351 Personen bzw. 0,1 Prozent weniger als zum 31. Dezember 2017. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2017 war die sächsische Bevölkerung nur um 2.083 Personen zurückgegangen. Ursache des Bevölkerungsrückgangs seit Jahresbeginn bis 30. September 2018 ist ein Geburtendefizit von 15.639 Personen. Dies fiel um 2.560 Personen höher aus als im Vergleichszeitraum 2017. Zwischen Jahresende 2017 und 30.September 2018 wurden 27.323 Kinder geboren. Gleichzeitig starben aber 42.962 Personen.“

    Bis 2016 waren die Geburtenzahlen in Sachsen seit dem absoluten Tiefpunkt im Jahr 1994 (22.734) sachte und in kleinen Raten immerfort angestiegen. Schon die Zahl von 22.994 erzählt eigentlich davon, wie groß der Nach„wende“-Schock in Sachsen war. Noch 1990 hatte die Geburtenzahl bei 49.774 gelegen.

    Und 36.834 Geburten im Jahr 2017 (1.107 weniger als 2016) erzählen nicht wirklich von gewonnener Sicherheit. Noch immer ist es so, dass sich Kinder einordnen müssen in zum Teil prekäre Berufsstarts, schwierige Karrieren und eine Arbeitswelt, die eigentlich nur mobile und flexible Arbeitskräfte möchte, aber keine, die auf Kinder Rücksicht nehmen müssen. Es gibt noch immer viele Unternehmen, die genau so ticken. Von Familienfreundlichkeit ist Sachsen weit entfernt.

    Zum Glück gibt es ja Zuwanderung, stellt das Landesamt fest: „Der Bevölkerungsrückgang in Sachsen wurde durch den Wanderungsgewinn von 12.081 Personen abgeschwächt. Im Vergleich zu 2017 war dieser im Jahr 2018 sogar um 649 Personen höher. Die Bevölkerungsentwicklung verlief regional bis 30. September 2018 unterschiedlich. Im Vergleich der Kreisfreien Städte und Landkreise wiesen lediglich die Städte Dresden und Leipzig einen Überschuss an Lebendgeborenen auf. Dagegen konnten alle Landkreise sowie die Kreisfreien Städte zwischen Dezember 2017 und September 2018 Wanderungsgewinne verzeichnen.“

    Im Ergebnis stieg nur in den „drei Kreisfreien Städten sowie in den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Nordsachsen die Bevölkerung zwischen Jahresende 2017 und 30. September 2018 an, während in den übrigen Landkreisen die Bevölkerung rückläufig war. Die höchsten Verluste mit 0,6 Prozent gab es im Erzgebirgskreis und in den Landkreisen Zwickau und Görlitz. Mit 0,5 Prozent Anstieg gegenüber Dezember 2017 wuchs die Kreisfreie Stadt Leipzig am stärksten.“

    Nämlich um 3.122. Aber das Landesamt gesteht Leipzig dann doch nur 2.795 Einwohner als Zuwachs zu. Denn parallel werden auch immer wieder die Melderegister bereinigt. Manche Menschen melden sich einfach nicht ab, stehen noch in der Statistik, obwohl sie längst weggezogen sind.

    Auch in Sachsen wird die Kluft zwischen vielen Armen und wenigen Reichen immer größer

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