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Hartz-IV-Empfänger verschwinden in Rente, aber die Zahl der betroffenen Kinder schmilzt nicht

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    Es wäre so schön, wenn es eine richtige Arbeitsmarktstatistik gäbe. Eine, die wirklich erzählt, was auf unserem Arbeitsmarkt vor sich geht, warum welche Jobs liegenbleiben wie vertrocknete Semmeln, welche Branchen wirklich qualifiziertes Personal suchen und welche weiterhin nur billige Jobware offerieren. Die haben wir leider nicht. Deswegen sind auch die monatlichen Zahlen der Arbeitsagentur eher nur ein vages Vermuten, auch wenn sie gern für knallharte Statistik gehalten werden.

    Das sind sie aber nicht. Dazu wurde schon viel zu oft an ihren Definitionen herumgeschraubt und ist das Graufeld, in dem eigentlich lauter miese Jobs stecken, die zu einem würdevollen Leben nicht reichen, nach wie vor riesig. Auch in Leipzig. Eigentlich müsste so eine Arbeitsagentur über vollwertige Jobs genauso genau Statistik führen wie über solche, die eigentlich nur deshalb existieren, weil die Menschen keine anderen Angebote finden und auch lieber auf den quälenden Gang zum Jobcenter verzichten.

    Deswegen klingen dann auch die vielen Jubelmeldungen so schräg. Als wenn eine gezählte Arbeitslosenquote irgendetwas darüber aussagt, wie die Menschen eigentlich mit ihrer Gehaltstüte und den Arbeitsbedingungen klarkommen. Und bei vielen von ihnen kommt der monatliche Jubel ganz schlecht an.

    Aber wir sind ja nicht Chef der Arbeitsagentur. Wir müssen solche Sätze nicht sagen wie der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, Steffen Leonhardi, am Freitag wieder bei der Vorstellung der neuen Zahlen zur Arbeitslosenzählung: „Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit war im Februar positiv. Die Arbeitslosigkeit sank gegenüber dem Januar stärker als in den letzten Jahren und besonders der Rückgang gegenüber dem Februar 2018 ist sehr deutlich. Auch die Arbeitskräftenachfrage im Vorfeld der Frühjahrsbelebung setzte früher und in deutlich größerem Umfang ein. Das sind sehr erfreuliche Entwicklungen. Damit setzt sich der positive Trend weiter fort.“

    Wirklich gefallen ist nur die Zahl derer, die offiziell als arbeitslos gezählt werden: „Insgesamt waren 20.109 (Vormonat 20.507) Männer und Frauen in der Stadt Leipzig arbeitslos. Der Rückgang im Vergleich zum Januar betrug 398 Personen. Im Vergleich zum Februar des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen um 2.292 gefallen.“

    Dahinter aber stieg tatsächlich die Zahl der Arbeitsuchenden an – von 43.090 auf 43.361. Und der Anstieg geht vor allem auf die „Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit)“ zurück, da ging es nämlich von 30.868 auf 31.073 rauf. Viele der Betroffenen stecken jetzt in Umschulungen und werden erst einmal nicht als Arbeitslose gezählt.

    Ein paar Zahlen im Detail:

    Bei den jungen Menschen bis 25 Jahren stieg die Zahl der Arbeitslosen um 75 auf 1.884 (Vorjahr: 1.996). Bei den Lebensälteren in der Altersgruppe ab 50 Jahren sank die Arbeitslosigkeit um 229 auf 5.700 Personen an (Vorjahr: 6.243).

    Stellenangebote nach Wirtschaftszweigen. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Stellenangebote nach Wirtschaftszweigen. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen ist im zurückliegenden Monat in Leipzig gesunken. Gegenüber dem Vormonat fiel sie um 199 auf 4.702. Im Vergleich zum Februar 2018 gab es 1.496 Langzeitarbeitslose weniger.

    Beim Zugang an offenen Arbeitsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur Leipzig im Februar einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vormonat. Die Wirtschaft und die Verwaltung haben in den letzten vier Wochen 2.496 freie Stellen, das waren 1.799 mehr als im davorliegenden Monat und 36 mehr als vor einem Jahr, zur Besetzung gemeldet.

    Zum statistischen Zähltag im Februar betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 6,5 Prozent (Januar: 6,7 Prozent). Im Februar 2018 lag sie noch bei 7,5, im Februar 2017 bei 8,5 und im Februar 2016 bei 9,7 Prozent.

    Im Februar waren 6.776 Menschen in der Arbeitsagentur, im Rechtskreis SGB III, arbeitslos gemeldet. Das waren 110 weniger als im Vormonat und 26 weniger als im Februar 2018.

    ***

    Ein verblüffender Blick ins Jobcenter:

    Im Jobcenter Leipzig, im Rechtskreis SGB II, waren 13.333 Menschen arbeitslos registriert. Das waren 288 weniger als im Januar und 2.266 weniger als vor einem Jahr. Und erstmals wurden hier tatsächlich nur noch 66,3 Prozent aller arbeitslosen Leipziger betreut – die restlichen 33,7 Prozent wurden von der Arbeitsagentur Leipzig betreut. Noch vor wenigen Jahren betrug das Verhältnis noch 77 : 23 (2013 bis 2017), dann begann die Quote rapide zu fallen, weil immer mehr Betroffene aus der Jobcenter-Betreuung in den Ruhestand gingen. Die Arbeitsagentur meint zwar, man habe sie verstärkt in Arbeit gebracht. Aber das stimmt so nicht. Die Jobcenter-Zahlen sinken vor allem, weil viele der Betreuten immer älter wurden und mittlerweile ganz „natürlich“ aus dem Verwaltetwerden ausscheiden.

    Die Zahl der SGB-II-Arbeitslosen sinkt seit Jahren, die der SGB-III-Bezieher bleibt stabil. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Die Zahl der SGB-II-Arbeitslosen sinkt seit Jahren, die der SGB-III-Bezieher bleibt stabil. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    Was dann auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften seit Jahren systematisch sinken lässt: In Leipzig gab es im Februar 34.785 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 198 mehr als im Vormonat und 2.311 weniger als im Februar des Vorjahres.

    Das Jobcenter Leipzig betreute aktuell 43.990 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat gab es einen Anstieg um 247. Im Vergleich zum Februar des Vorjahres sank die Zahl aber um 2.901 Personen. Aber während die Zahl der Arbeitslosen über 50 Jahre auch im Februar weiter sank (von 5.929 auf 5.700), bleibt eine Zahl auch weiter auf hohem Niveau: die der nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten, zu denen vor allem die Kinder in den Bedarfsgemeinschaften zählen. Und die Zahl stieg im Februar von 16.569 auf 16.655, klares Zeichen dafür, dass der Leipziger Arbeitsmarkt immer noch familien- und kinderunfreundlich ist.

    In einem menschlichen Normalmaß wäre der Leipziger Arbeitsmarkt, wenn Kinder überhaupt nicht erst in der Arbeitslosenstatistik auftauchen würden. Sie haben da erstens nichts zu suchen und zweitens ist es schäbig für ein Land wie Deutschland, Kinder derart in Armut aufwachsen zu lassen.

    Es ist keine Überraschung mehr, dass gerade jene Branchen die meisten Arbeitskräfte suchen, die in der Regel eher wenig Gehalt bieten und gleichzeitig noch hohe Anforderungen an Flexibilität und Mobilität stellen, alles reines Gift fürs Familienleben.

    Hinterm Anstieg der Arbeitslosigkeit steckt ein permanentes Schrumpfen der Arbeitsuchenden in Leipzig

     

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