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Was bedeutet eigentlich Markkleebergs Plus in der Bevölkerungsstatistik?

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    Markkleeberg ist ja ein ganz lustiges Städtchen. Leipzigerseits kann man es richtig wütend machen, wenn man auch nur andeutet, dass es eigentlich eingemeindet gehört. Dafür erwähnt Markkleeberg die große fette Nachbarstadt möglichst nie in seinen Pressemitteilungen und schafft sich so ein Bild von einem ganz eigenständigen Wachstum. Kleine Boomtown zwischen den Seen. So wie am 17. Juli.

    Da verschickte die kleine Große Kreisstadt ihre jüngste Meldung zum Bevölkerungswachstum: „Zum Stichtag 31. Dezember 2018 lebten in Markkleeberg insgesamt 24.679 Menschen. Diese amtliche Einwohnerzahl geht aus der jüngsten Mitteilung des Statistischen Landesamtes hervor, die der Stadtverwaltung jetzt vorliegt. Damit kann die Große Kreisstadt und die zu ihr gehörenden Ortsteile erneut ein Bevölkerungsplus verzeichnen – auch wenn es nur ein bescheidenes Plus ist. Im achten Jahr in Folge stieg die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner somit an. Nur der Zensus sorgte im Frühjahr 2011 für einen Bruch in der Entwicklung. Zum Vergleich: Zum Stichtag 31. Dezember 2017 verzeichnete die Kamenzer Behörde für Markkleeberg 24.644 Einwohnerinnen und Einwohner. Das ist ein Bevölkerungsplus (inklusive Bestandskorrekturen) von 35 Menschen. In der Statistik für 2017 lag das Plus bei 167 Menschen, in der Statistik von 2016 bei 237.“

    Und warum wächst Markkleeberg?

    „Im Jahr 2018 liegt der Grund für den Zuwachs – wie in den Vorjahren – an einem Punkt: Markkleeberg ist Zuzugsgebiet. 1.164 Zuzügen im Jahr 2018 stehen laut Statistischem Landesamt 1.052 Fortzüge gegenüber. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 gab es 1.367 Zuzüge und 1.093 Fortzüge. Keine Veränderung gibt es nach wie vor bei der Gegenüberstellung der Geburten und Sterbefälle. Rein statistisch betrachtet fängt die Zahl der Geburten nach wie vor die Zahl der Sterbefälle nicht auf. Erfreulich ist dieser Punkt: 2018 gab es mehr Geburten in Markkleeberg bei fast gleichgebliebener Anzahl Sterbefälle als 2017. In Zahlen liest sich das so: Im Jahr 2018 gab es 218 Geburten und 298 Sterbefälle. 2017 waren es 194 Geburten und 300 Sterbefälle.“

    Das ergänzt sich ganz hübsch mit der Karte, die Leipzig jüngst in seinem Quartalsbericht Nr. 1 / 2019 veröffentlicht hat. Kommentarlos. Nur mit dem Hinweis, welche Gemeinden im Leipziger Umland mittlerweile einen positiven Wanderungssaldo mit Leipzig haben, also von der Abwanderung von Leipzigern, die in Leipzig selbst keine passende Wohnung mehr finden, ins direkte Umland.

    Markkleeberg ist nicht die einzige Kommune, die daraus dann auch noch ein Bevölkerungswachstum generiert.

    Bis ungefähr 2010 war es so, dass es die Landkreise um Leipzig waren, die das Bevölkerungswachstum in Leipzig selbst befeuerten und dabei ihre Einwohner verloren. Seit 2018 stabilisiert das Leipziger Bevölkerungswachstum wieder die Bevölkerung in den Landkreisen. Leipzig läuft quasi über wie ein Griestopf.

    Während die sächsischen Landkreise 2018 im Schnitt 0,5 Prozent ihrer Einwohner (13.207 Personen) verloren, war der Bevölkerungsverlust in den leipzignahen Landkreisen minimal. Der Landkreis Leipzig (zu dem Markkleeberg gehört) verlor 0,1 Prozent bzw. 245 seiner Bewohner, im Landkreis Nordsachsen waren es 121 Einwohner bzw. auch 0,1 Prozent. Die Verluste gab es vor allem in den leipzigferneren Gemeinden.

    Rings um Leipzig selbst gab es überall Zuwächse. Neben Markkleeberg mit seinen 35 zusätzlichen Einwohnern fallen Bennewitz mit 40, Groitzsch mit 35, Kitzscher mit 57 und Markranstädt mit 68 auf. In Neukieritzsch waren es 55 mehr, in Rötha sogar 99 und in Zwenkau 52.

    Der Grund, dass sich nicht mehr alles auf Markkleeberg konzentriert, ist klar: Markkleeberg ist so voll wie die meisten Leipziger Ortsteile. Da ist kaum noch Platz zum Neubau. Die Wohnungssuchenden müssen weiter ausschwärmen bei der Suche.

    Auch im Landkreis Nordsachen, wo es ebenfalls die leipzignahen Kommunen sind, die Zuwächse verzeichnen: Delitzsch 74 Einwohner, Krostitz 49, Rackwitz 45, Schkeuditz 161, Schönwölkau 73 und Taucha 130.

    Eigentlich ein schöner Effekt, der zeigt, wie junge Menschen im Berufsleben ticken: Sie ziehen nicht irgendwohin, wo es die Landesregierung gern hätte, sondern suchen eine Wohnung möglichst in der Nähe der großen Stadt, die der Region Arbeit gibt. Denn Fahrzeit beim Pendeln ist nun einmal echte Lebenszeit. Was Politiker, die Demografie als Hobby betreiben, natürlich nie verstehen werden. Die alten Dorf-Stadt-Gefüge des 19. Jahrhunderts lösen sich vor unseren Augen auf – auch weil bislang keinem Politiker ein Rezept dafür eingefallen ist, wie man auch ländliche Regionen stabilisieren kann.

    Das Metropolprinzip, das die EU schon vor über 20 Jahren zumindest aufgegriffen, aber nicht so recht verstanden hat, setzt sich unerbittlich durch, weil die neuen Arbeitsfelder sich alle um diese Metropolkerne herum ansiedeln. Nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil sie sich gegenseitig befruchten und bedingen. Es sind gegenseitige Abhängigkeiten, die sie alle in diese Metropolkerne ziehen – und mit ihnen die qualifizierten Arbeitskräfte.

    Erst von dort aus strahlt die Entwicklung dann wieder ins Umland aus und belebt die „Speckgürtel“. Die nächstgelegenen Orte schneller, die etwas abgelegeneren mit den langen Anfahrzeiten wohl etwas später. Eilenburg kämpft ja um die Leipziger Wegzügler, musste 2018 aber erst einmal einen 24-Einwohner-Verlust konstatieren. Was nicht heißt, dass die Leipziger der Einladung, in Eilenburg zu wohnen, nicht folgen. Nur ist halt der Wanderungsgewinn für Eilenburg noch nicht groß genug, um die Verluste durch Todesfälle auszugleichen.

    Denn die Landkreise in Sachsen leiden allesamt darunter, dass die Sterberate dort seit Jahren höher ist als die Geburtenrate.

    Wenn immer mehr junge Familien in das Umland ziehen, könnte sich das für einige Kommunen in den nächsten Jahren durchaus ändern.

    Immer mehr Gemeinden in den leipzignahen Landkreisen profitieren vom Leipziger Bevölkerungswachstum

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