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Warum es bei den 7-Tage-Inzidenzen im RKI-Meldesystem wohl etwas klemmt

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    Ab 50 Fälle müssen stärkere Maßnahmen ergriffen werden, ab 100 Fällen wird ein Kreis oder eine Stadt zum Risikogebiet. Die „7-Tage-Inzidenzen“ spielen im aktuellen Corona-Geschehen immer wieder eine Rolle. Auch wenn sie tatsächlich nur der Versuch sind, aus gemeldeten Zahlen eine Art belastbaren Messwert zu machen. Dumm nur, wenn dann die elektronischen Übertragungssysteme die Zahlen schlucken. Da muss man schon rechnen, um einem Fehler auf die Schliche zu kommen, der wohl auch Leipzig betrifft.

    Aufgefallen war es Paul M. Schröder vom Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ), welches in Bremen ansässig ist. Und Bremen ist ja ein Stadtstaat mit zwei Städten – Bremen und Bremerhaven. Da fällt es schneller auf, wenn die Zahlen, die die Gesundheitssenatorin veröffentlicht, so überhaupt nicht mit den vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Zahlen übereinstimmen. Die vom RKI veröffentlichten waren einfach viel zu schön.

    „Ein Lob an ,das kleine Bundesland Bremen‘ (t-online) und die Tag für Tag stark differierenden (angeblichen) ,7-Tage-Inzidenzen‘ im ,COVID-19-Dashboard‘ des RKI (Robert Koch Institut) und (u.a.) im Weser-Kurier“, formulierte Schröder seine freundliche Kritik an einem automatisierten Verfahren, bei dem augenscheinlich niemand kontrolliert, ob es auch so funktioniert, wie es soll.

    Da kann zwar die Senatorin für Gesundheit der Stadt Bremen täglich die richtigen Zahlen für Bremen und Bremerhaven veröffentlichen, die ganz unübersehbar einen deutlich höheren Wert der „7-Tage-Inzidenzen“ zeigen, aber irgendwie kommt im RKI etwas völlig anderes an oder raus.

    Schröder: „Nur: Für Bremerhaven (Land Bremen) scheint die zeitnahe Übermittlung der Daten an das RKI bisher nicht wirklich zu klappen – anders als die Übermittlung z. B. an den Weser-Kurier. Das zeigt der Vergleich der täglich vom RKI veröffentlichten 7-Tage-Inzidenz (,COVID-19-Fälle der letzten sieben Tage/100.000 Einwohner‘) mit dem u. a. im Weser-Kurier (und Kurier am Sonntag) täglich berichteten 7-Tage-Inzidenzen mit der Quellenangabe ,Senatorin für Gesundheit‘.“

    Woran kann die Differenz da eigentlich liegen, die Schröder schon ein Weilchen beunruhigt, weil er mit den original gemeldeten Zahlen selbst auf andere Ergebnisse kommt?

    „Die Abweichungen zwischen den 7-Tage-Inzidenzen, die täglich vom RKI für Bremerhaven veröffentlicht werden, sind Tag für Tag wesentlich niedriger als die 7-Tage-Inzidenzen, die der Weser-Kurier täglich auf Seite 1 veröffentlicht. Offensichtlich handelt es sich bei diesen RKI-Daten nicht um 7-Tage-Inzidenzen sondern um 5-Tage-oder 6-Tage-Inzidenzen“, formuliert er seinen Verdacht.

    „Das zeigt ein Blick in die Berechnungsgrundlagen für die an den jeweiligen Tagen genannten angeblichen ,7-Tage-Inzidenzen‘. Eine Veröffentlichung solcher ,Fakten‘ durch das RKI sollte unterbleiben oder zumindest mit einem deutlichen Warnhinweis neben der genannten angeblichen ,7-Tage-Inzidenz‘ im ,COVID-19-Dashboard‘ und den ,Gesamtübersichten der … 7-Tages-Inzidenzen‘ versehen werden. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für Bremerhaven sondern auch andere Kreise und Kreisfreie Städte, für die 5-Tage-oder 6-Tage-Inzidenzen als ,7-Tage-Inzidenzen‘ veröffentlicht werden.“

    Auch Leipzig meldet da wohl eher 6-Tage-Inzidenzen, wie die Aufstellung für den 16. November zeigt, als die Pressestelle der Stadt einen Wert von 86,2 meldete.

    Leipziger Twitter-Meldung vom 17. November und die tägliche Werte der betreffenden sieben Tage. Screenshot und Grafik: BIAJ
    Leipziger Twitter-Meldung vom 17. November und die täglichen Werte der betreffenden sieben Tage. Screenshot und Grafik: BIAJ

    Für den 19. November meldete das RKI einen Wert von 82,6 für Leipzig. Wobei die Differenzen hier sichtlich nicht so groß sind wie in Bremen und Bremerhaven. Ein Wert für die vollen sieben Tage würde wohl in ähnlicher Höhe ausfallen, wenn man zum Beispiel die Meldung vom 19. November nimmt, nach der sich die Zahl der positiv auf SARS-CoV-2 Getesteten in Leipzig seit dem 17. November um 177 erhöht hat, also im Schnitt um 88,5 pro Tag. Womit Leipzig unter den deutschen Großstädten noch recht gut dasteht und auch innerhalb Sachsens. Denn in Ost- und Südsachsen liegen die Inzidenzzahlen sämtlich über 200 und 300 Fälle pro 100.000 Einwohner.

    Da verblüfft es schon, wenn gerade aus solchen Regionen haufenweise „Querdenker“ nach Leipzig fahren, um am 7. November gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren.

    Was der „Spiegel“ mit den Stichworten „Bible Belt“ und evangelikalen Strukturen in Verbindung bringt.

    Aber Leipzigs Management der Corona-Pandemie scheint selbst im Vergleich mit westlichen Großstädten deutlich besser zu funktionieren. Was der von Schröder veröffentliche Großstadtvergleich vom 7. November sichtbar macht. Hier hat er aber nicht den 7-Tage-Wert genommen, sondern den 14-Tage-Wert. Kurz hatte Leipzig da auch mal die 100er-Marke überschritten.

    Dresden reiht sich mit einem Wert von 240 da freilich deutlich vor Leipzig ein.

    Was natürlich die Frage aufwirft, ob Leipzig da vieles – trotz mancher Kritik – vielleicht doch besser hinbekommt als der sächsische Osten. Oder ob es gar an den Leipzigern selbst liegt, die vielleicht sogar im täglichen Handeln mehr Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen an den Tag legen als die „Corona-Leugner“, die glauben, das Virus einfach ignorieren zu können.

    Nur so als Frage. Denn egal wie man sich all die Corona-Proteste anschauen mag – sie bedienen die Fiktion eines Staates, der mit „Ermächtigungsgesetzen“ in unser Leben eingreift, obwohl es an uns selbst liegt, ob und wie gut wir uns schützen. Eine Verantwortung, die man vielleicht doch lieber nicht an andere delegiert.

    Vergossene Milch: Wie „Querdenken“ die Corona-Diktatur und ein Krisenbusiness erfand

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