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Erstes Leipziger Faltblatt: Zahlen und Grafiken zur Corona-Pandemie

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    Die Corona-Pandemie beschäftigt auch Leipzigs Statistiker/-innen. Am Dienstag, 23. Februar, haben sie erstmals ein eigenes Faltblatt zu ausgewählten Corona-Zahlen vorgelegt. Selbst die 13 Monate seit Januar 2020 bieten schon genug Stoff, um erhellende Grafiken zu zeichnen.

    Das beginnt schon bei den Leipziger Zahlen der Infizierten, die sehr deutlich zeigen, wie sehr die Stadt im Frühjahr tatsächlich noch verschont wurde von COVID-19-Infektionen. Die Werte stiegen gerade mal auf jene 35 Fälle pro 100.000 Einwohner, von denen deutsche Gesundheitsminister gerade wieder träumen. Nur dass alle Zahlen seit Anfang November darüberliegen und das Abflauen der Zweiten Welle im Januar keineswegs dazu geführt hat, wieder so niedrige Werte wie im Mai zu erreichen.Stattdessen stagnieren die Zahlen zwischen 40 und 50.

    Und da reicht ein Blick auf eine andere Statistik im Faltblatt, die eigentlich deutlich macht, dass der lange Lockdown ab November schon längst nicht mehr die Qualität des Frühjahrslockdowns hatte. Denn im Frühjahr wurden nicht nur Schulen und Kitas geschlossen – reihenweise schickten Leipziger Unternehmen ihre Mitarbeiter/-innen tatsächlich in Kurzarbeit.

    Sie meldeten sogar viel mehr Mitarbeiter/-innen zur Kurzarbeit an, als dann tatsächlich das Kurzarbeitergeld in Anspruch nahmen. Da saß der Schock der Bilder aus Italien noch tief. Und natürlich rechneten alle damit, dass ein kurzer Lockdown genügen würde, um das Coronavirus in den Griff zu bekommen.

    Nur liegt Leipzig halt nicht auf einer Insel und es genügte völlig, dass andere Regionen ihre Fehler machten und auch etliche Leipziger fahrlässig in Risikoregionen ihren Urlaub verbrachten, um die Pandemie mit der Zweiten Welle ab November noch viel heftiger zum Ausbruch kommen zu lassen als im Frühjahr.

    Die Grafik zeigt freilich auch sehr deutlich, dass das Drama schon Anfang Oktober begann und der ewig hin und her diskutierte Lockdown im November mal wieder viel zu spät kam. Volle vier Wochen zu spät.

    Wie die Leipziger Unternehmen darauf reagierten, ist der Grafik freilich noch nicht zu entnehmen, denn die Zahl der tatsächlich in Anspruch genommenen Kurzarbeit wird nur bis September ausgewiesen. Andererseits zeigen auch die Monate davor, dass deutlich weniger Arbeitskräfte in Kurzarbeit gingen, als ursprünglich angemeldet wurden. Betroffen sind ja bis heute vor allem die Dienstleistungsbereiche, während Industrieunternehmen oder Baufirmen weiterarbeiten können. Man kann natürlich hoffen, dass sie im Betrieb die Hygieneregeln einhalten.

    Aber auch die Zahlen aus dem ÖPNV zeigen, dass auch im November und Dezember noch relativ viele Menschen täglich unterwegs waren, was ja diesmal nichts mit Weihnachtsmärkten, Weihnachtsshopping oder Weihnachtstheatervorstellungen zu tun hatte. All das fiel ja aus.

    Die Infektionszahlen deuten darauf hin, dass sich dennoch viele Menschen trafen, mutmaßlich im familiären Kreis. Erst nach dem Jahreswechsel wirkte dann der Lockdown und die Zahlen sanken endlich sichtbar.

    Wobei ja die Schlagzeilen aus dem Januar zeigten, dass Leipzig auch diesmal keine Insel war, auch wenn die Inzidenzwerte immer unter denen der sächsischen Landkreise lagen. Aber Sachsen ist nun einmal ein Bundesland, das ausgeprägte Pendlerströme in alle Himmelsrichtungen hat und bis zu den spät verhängten Grenzkontrollen immer auch von der starken Virusausbreitung in Tschechien und Polen betroffen war.

    Was eigentlich auch bedeutet, dass Deutschland seine Inzidenz niemals auf Null bringen wird, wenn nicht endlich alle EU-Staaten an einem Strang ziehen.

    Aber die Europäer befleißigten sich ja in der Vergangenheit überall, lauter national leicht angeschickerte Regierungen zu wählen, die selbst in der Krise ihren nationalen Egoismus zelebrierten, statt wirklich mal zu zeigen, wozu man in der Lage ist, wenn alle wirklich für alle einstehen.

    Änderung scheint nicht in Sicht. Was wohl bedeutet, dass wir solche Wellengrafiken auch künftig bekommen werden. Nur dass berechtigterweise jene Wirtschaftszweige rebellieren werden, die das nicht mehr lange durchhalten. Da braucht es wirklich klügere Strategien als diese quälenden Diskussionen um Öffnen und Schließen.

    Aber beim Wählen sind ja die Deutschen keine Bohne klüger als ihre Nachbarn. Der traurige Spaß geht also weiter.

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      5 KOMMENTARE

      1. Werter Herr Michael Freitag,

        der Vergleich meines Kommentars mit Ihrer Erwiderung ergibt mühelos, dass die Schnittmenge sehr klein ist, um nicht zu sagen: leer.

        Ich erwidere Ihre Erwiderung erst gar nicht.

        Wenn Sie glauben, Sie hätten mich irgendwie „am Wickel“, sind Sie ziemlich sehr schief gewickelt.

        Mit freundlichen Grüßen & bleiben Sie gesund!
        Stefan

      2. @Stefan: Vielleicht haben Sie die Hintergründe der Corona-Maßnahmen nur nie in der Wirkungsfrage verstanden? Im Kern ging es beim „Ausknipsen“ des qusi kompletten Freizeitbereiches darum, das nächtliche Geschehen (unter Alkohol? Party? Nähe? Sexualität?) in der Öffentlichkeit einzudämmen. Was hat das jetzt mit dem Einkaufen am Tage zu tun? Oder wollen Sie das auch einschränken und wieder die erlebte Toilettenpapierhamsterei befeuern?

        Oder gar keine Maßnahmen?

        Was mich also immer wundert, ist das völlige Ausklammern der Lebensrealität bei den „Maßnahmengegnern“, wenn es um die Frage – was sollen sie bewirken? – geht. Und das Fehlen von eigenen Vorschlägen (nein, das wundert mich nicht mehr, die meisten haben keine).

        Zu den Masken: Ob eine Maske bei 3 Meter Abstand im Freien wirkt oder nicht, ist irrelevant. Das muss sie bei Unterschreitung des Abstandes leisten, in geschlossenen Räumen noch mehr. Was also ist dann die Debatte um die Wirkung (zumal von FSP-2-Masken) wert?

        Außer man will gegen jede medizinische Erkenntnis behaupten – nö, hilft nix – ist sie sinnfrei. Zum Glück ist das ja dann vorbei, wenn die Impfungen weitgehend durch sind. Aber halt! Die wirken ja angeblich auch nicht ….

        Der Kreisel an Desinformation dreht sich einfach immer weiter.

      3. >Im Umkehrschluss heißt das: Ohne Maskenpflicht wären die Infektionszahlen deutlich höher.

        Nein, das steht so nicht drin, auch nicht im umgekehrten Umkehrschluss.

        Der verlinkte Spiegel-Artikel betrachtet die Risikolage in verschiedenen Arten von Innenräumen (überraschend fein unterteilt, nicht nur einfach „Oper“ und „Klassenraum“) im Zusammenhang mit der Einhaltung der AHA-L-Regeln _einschließlich_ Maskentragen.

        Die Risikolage in Außenräumen (Parks, Straßen usw.) wurde gar nicht untersucht.

        Ich empfehle, den Spiegel-Artikel zum Lesen.

        Ich war noch zweimal im Gewandhaus (im Oktober, in beiden Sälen) und fand das Hygienekonzept sehr umsichtig und sehr nachvollziehbar. Diese Bude wird trotzdem verrammelt. In Supermärkten hingegen reichern Hunderte von Kunden das Aerosol fröhlich an. Das ist für mich kopflose Politik.

        In Wirklichkeit geht es den Exekutiven nur darum, nur ja keine und überhaupt gar keine Verantwortung zu übernehmen, wenn es in ihrem direkten Einflussbereich zu Corona-Todesfällen kommt.

        Also wurde alles, was auch nur im Einflussbereich einer Behörde ist, maximal dicht gemacht – egal, was es für Wahrscheinlichkeiten und Risikofaktoren (genau solche sind im Spiegel-Artikel tabelliert) gibt.

        Pflegeheime wurden zu Gefängnissen mit monatelangem Eintrittsverbot, weil die Amtsleiter der für Pflegeheime zuständigen Gesundheitsämter sonst in Regress genommen werden könnten. Straßenbahnen fuhren aber weiter, denn für ihren Hygienezustand ist niemand zuständig. Ich spreche aus eigener Anschauung.

        Diese Kopflosigkeit bei den Hygieneverordnungen ärgert mich maßlos.

        Und dass jetzt die Intensivmediziner schon um eine Verlängerung des Lockdowns bis April betteln, zeigt mir, wie massiv die Exekutiven in den letzten Jahren in der Vorsorge für Gesundheit und Pflege versagt haben.

        Nun werden die Folgekosten der Corona-Krise die in den letzten Jahrzehnten „erzielten Einsparungen“ im Gesundheitsbereich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit locker überwiegen – so dass auf lange Frist Deutschland verarmen wird. Dazu noch die in Kauf genommenen körperlichen Spätschäden und Todesfälle.

        Wozu wählt man denn eigentlich Regierungen? Bei den Wahlen setze ich Vertrauen darin, dass die gewählten Volksvertreter gut regieren. Nicht, damit sie in warmen Sesselchen sitzen und öffentliche Gelder verschenken.

      4. Liebe Redaktion,
        danke für Transparentmachung der Grafik und die Analyse dazu, ich hätte mir aber noch einen kritischen Blick auf weitere ‚ins Auge fallende‘ Fakten gewünscht. Was ist mit der Mund-Nasen-Bedeckung (laut Grafik eingeführt im Mai 2020)? Offensichtlich hat diese keinerlei Einfluss auf das Infektionsgeschehen, jedenfalls soweit es den aktuellen Winter betrifft. Und wie sieht es mit den Kita- und Schulschließungen aus? Während im Winter 19/20 ein kleiner Effekt erreicht wird, ist dieser im Winter 20/21 ungleich größer – nur: auch hier kein essentieller mittel- und langfristiger Effekt was die Spitzenwerte angeht, allenfalls eine Verzögerung tritt ein. Was das für die Sinnhaftigkeit der derzeit gültigen Verordnungen aussagt, wäre auch noch einmal eine Analyse wert. Im Abgleich mit den derzeitigen Ständen laut RKI, in denen Leipzig sachsenweit als Großstadt (wieder) auf einem der niedrigsten (=günstigsten) Niveaus rangiert, ist definitiv klar, dass es auch nicht daran liegt, wie viele Menschen pro km² zusammen wohnen, sondern das andere Faktoren bestimmen. Die konkret herauszuarbeiten ist nicht so einfach, aber würde eine differenzierte Sichtweise auf das Geschehen & dem gegenseitigen Verständnis wesentlich dienen. Ich hoffe davon bei Ihnen noch mehr zu lesen. mfg

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