Das persönliche monatliche Nettoeinkommen ist 2025 moderat gestiegen, vermeldete die Stadt mit der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse aus der Bürgerumfrage 2025 (circa plus 50 Euro), und liegt im Median bei rund 1.930 Euro. Männer verdienen im Mittel etwa 290 Euro mehr als Frauen. Das klingt erst einmal nach einer ordentlichen Entwicklung. Aber der Blick ins Detail zeigt einmal mehr, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen von diesem Einkommensanstieg profitieren. Auch in Leipzig öffnet sich die Einkommensschere immer weiter.

Gleich mehrere Grafiken in der Kurzauswertung zeigen, wie die Einkommensentwicklung verlief. Gleich die erste dazugehörende Grafik zeigt, dass sich seit 2015 nichts getan hat am sogenannten Gender Pay Gap. Frauen in Leipzig verdienen nach wie vor weniger als Männer. Und auch an der Lücke zwischen den Nettoeinkommen der Männer und Frauen hat sich im Grunde nichts geändert.

Betrug sie 2015 noch 248 Euro, so war sie 2025 sogar auf 293 Euro angewachsen. Und sie wäre sogar noch größer gewesen, wenn die Männer 2025 aufgrund der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung nicht sogar – statistisch betrachtet – Einkommensverluste hätten hinnehmen müssen. 2024 betrug die Einkommenslücke sogar knapp 350 Euro.

Es tut sich also praktisch nichts bei der Schließung dieser Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen.

Und dass die Männer 2025 einen statistischen Einkommensverlust hinnehmen mussten, hat nichts mit den regulären Angestelltenverhältnissen zu tun. Denn bei allen Angestellten gab es praktisch Einkommenszuwächse, lediglich bei leitenden Angestellten und Beamt/-innen stagnierten die Einkommen.

Die Konjunkturflaute trifft die Selbstständigen und Ungelernten

Es sind andere Einkommensgruppen, die 2025 die Folgen der stagnierenden Wirtschaft zu tragen hatten. Zuallererst die Ungelernten und Berufsfremden, die einen statistischen Verlust von ohnehin schon unterdurchschnittlichen 1.490 Euro Nettoeinkommen auf 1.404 Euro hinnehmen mussten. Aber die Wirtschaftslage kostete vor allem Selbstständige wichtige Einkünfte.

Denn genau das sind ja die Ansatzpunkte, bei denen nicht nur größere Unternehmen, sondern auch staatliche Auftraggeber zuerst den Rotstift ansetzen: bei Aufträgen an selbstständige Auftragnehmer.

Bei Selbstständigen ohne Angestellte bedeutete das einen Verlust von 1.809 Euro Nettoeinkommen im Jahr 2025 (was ebenfalls schon unterdurchschnittlich war) auf 1.766 Euro im Folgejahr, 165 Euro unter dem Durchschnitt.

Aber es erwischte auch die Selbstständigen mit Mitarbeitern, die 2024 noch ein Nettoeinkommen von 3.453 Euro auswiesen, 2025 dann nur noch 2.804 Euro. Natürlich kann das auch mit der Auswahl der Selbstständigen zu tun haben, die zufällig durch die Bürgerumfrage erwischt wurden.

Entwicklung der Haushaltsnettoeinkommen in Leipzig. Grafik: Stadft Leipzig, Bürgerumfrage 2025
Entwicklung der Haushaltsnettoeinkommen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025

Arbeitslose verzeichneten zwar einen Anstieg ihres Nettoeinkommens von 913 auf 975 Euro. Aber wer die Preisentwicklung im Supermarkt verfolgt, weiß, dass das nicht unbedingt mehr Geld in der Börse bedeutete. Im Gegenteil: So kärglich nähren sich Kaninchen und sind einem abgehobenen Bundeskanzler trotzdem noch zu teuer.

Da lohnt sich auch der Blick auf die Haushaltsnettoeinkommen, die die Leipziger Statistiker auch ausgewertet haben. Arbeitslosenhaushalte hatten demnach im Schnitt 1.075 Euro netto zur Verfügung, 289 Euro mehr als 2015. Für zehn Jahre ist das wirklich keine opulente Steigerung. Erst recht, wenn man sieht, dass die Durchschnittsnettoeinkommen der Leipziger Haushalte in dieser Zeit um 754 Euro gestiegen sind.

Wer also das Vergnügen hat, arbeitslos zu werden, erlebt auch in Leipzig, wie man dabei finanziell wirklich auf den Boden gestaucht wird. Wer auch nur ein paar Ansprüche im Leben entwickelt hat, versucht rasant, da wieder wegzukommen. Denn eine Hängematte, wie es einige Politiker nennen, ist das wirklich nicht.

Entwicklung der Nettoäquivalenzeinkommen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025
Entwicklung der Nettoäquivalenzeinkommen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2025

Gelackmeiert ganz unten

Aber die Zahlen aus der Bürgerumfrage geben noch mehr her. Nämlich wenn man das Nettoäquivalenzeinkommen für die verschiedenen Einkommensschichten berechnet. Im Median sind diese Nettoäquivalenzeinkommen über alle Leipziger Haushalte in den vergangenen zehn Jahren von 1.343 auf 2.006 Euro gestiegen. Das sieht ordentlich aus, kaschiert aber die simple Tatsache, dass die reicheren Haushalte, die einkommensstärksten 20 Prozent, deutlich höhere Zuwächse verzeichneten als die Haushalte der einkommenschwächsten 20 Prozent.

Denn die reichen Haushalte, die 2015 schon ein deutlich überdurchschnittliches Nettoäquivalenzeinkommen von 1.969 Euro hatten, steigerten es bis 2025 um 928 Euro auf 2.897. Bei den einkommensärmsten 20 Prozent betrug die Steigerung aber nur 363 Euro – von 900 auf 1.263 Euro. Ein Zuwachs, der locker von der Inflation aufgefressen wurde. Und der übrigens auch nicht mit der Leipziger Mietentwicklung mithielt.

Die Nettoäquivalenz-Resteinkommen der Leipziger nach Abzug der Miete. Grafik: Stadt Leipzig / Bürgerumfrage 2025
Die Nettoäquivalenz-Resteinkommen der Leipziger nach Abzug der Miete. Grafik: Stadt Leipzig/Bürgerumfrage 2025

Das wird noch deutlicher, wenn die Statistiker das Nettoäquivalenz-Resteinkommen berechnen, also das, was den Haushalten nach Abzug der Miete übrig bleibt. Da hatten die einkommenstärksten Haushalte 2015 dann noch 1.477 Euro übrig zum Leben und die einkommensschwächsten noch 553 Euro. Davon versuche mal einer, über den Monat zu kommen.

2025 hatte sich die Schere dann noch weiter aufgetan. Während die einkommenstärksten Haushalte nach Abzug der Miete 2.208 Euro übrig hatten, blieben den einkommensschwächsten nur 764 Euro. Das sind die Haushalte, bei denen ein Bundeskanzler Friedrich Merz immer noch glaubt, die Schere ansetzen zu können und für den Bundeshaushalt Milliarden freizuschaufeln.

Was er auch deshalb kann, weil diese ärmsten 20 Prozent kaum eine Lobby haben in Deutschland. Und ihre Armut letztlich mit Verzicht und Stromabschaltungen bezahlen.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar