Heute Nacht soll es losgehen und nach Insiderinformationen ist man bei der Geschäftsleitung der DHL Hub Leipzig GmbH derzeit etwas überfordert mit der Streikankündigung. So würde sich die Geschäftsleitung derzeit nicht zu dem für heute Nacht angesetzten Warnstreik äußern wollen - offenbar hatte man geglaubt, die Verhandlungsrunde aussitzen zu können. Dies zumindest legt das L-IZ vorliegende Flugblatt der verhandlungsführenden Gewerkschaft Ver.di nahe, welches ab heute 20 Uhr an die Mitarbeiter der DHL verteilt werden soll. Während man in der Firmenspitze offenbar abwartet, welche Ausmaße der Warnstreik annehmen wird, laufen die Vorbereitungen für den Start des Ausstandes am Mittwoch, 1. Oktober, 0:05 Uhr auf Hochtouren.

Ab 20 Uhr sollen nun die Mitarbeiter der DHL Hub Leipzig GmbH näher über die Umstände informiert werden, welche aus Sicht von Ver.di zum Warnstreik geführt haben. Im Flyer erhebt Ver.di dabei Vorwürfe an die Geschäftsleitung, in welchen die Gewerkschaft von der “Ignoranz des Arbeitgebers gegenüber den Interessen der Beschäftigten bei der DHL HUB Leipzig GmbH …” schreibt. Dies sei beschämend und es gelte, die “Missachtung der Kolleginnen und Kollegen am Verhandlungstisch” durch eine Verweigerung der Verhandlung durch Streikmaßnahmen zu durchbrechen. Es läge auf die Forderung Ver.di’s, binnen eines Jahres die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter ab 1. Oktober 2014 linear ansteigend um 6,5 Prozent zu erhöhen keinerlei Gegenangebot vor.

Stattdessen hätte ” … die Arbeitgeberseite schwierige Rahmenbedingungen herbeigeredet und Tarifergebnisse der Vergangenheit diskutiert.” Die letzte Tarifrunde hatte ab dem 1. Juli 2013 eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent für ein Jahr ergeben, auf den ersten Blick nicht wenig.

Warum es zum Konflikt kommt und die Geschäftsleitung in Leipzig derzeit etwas gelähmt reagiert, ist für Ver.di-Mitarbeiter Normen Schulze eine längere Geschichte. “In der Spitze ist der Lohnabstand bei gleicher Arbeit zwischen den Mitarbeitern am DHL HUB Leipzig zu anderen Beschäftigten der DHL Gruppe im Westen bis heute bei bis zu 20 Prozent.”
Besonders erregt hatte zudem die neue “Strategie 2020”, welche der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post AG, Dr. Frank Appel Ende März 2014 mit Blick auf die Aktionäre des Unternehmens vorgestellt hatte. Hierin wurde eine Gewinnerwartung für den Konzern vor Zinsen und Steuern von 8 Prozent ausgerufen, auch die Aktie stieg daraufhin im Preis. Nach 2,86 Milliarden Euro 2013, solle so das Gesamtergebnis auf rund fünf Milliarden Euro pro Jahr anwachsen. Im Logistiksegment, zu welchem auch die DHL Hub Leipzig GmbH als eines der drei größten Verteilzentren in Deutschland gehört, solle es bis zu 10 Prozent Rendite geben.

Nach 2,86 Milliarden Euro 2013, solle so das Gesamtergebnis auf rund fünf Milliarden Euro pro Jahr anwachsen. Im Logistiksegment, zu welchem auch die DHL Hub Leipzig GmbH als eines der drei größten Verteilzentren in Deutschland gehört, solle es bis zu 10 Prozent Rendite geben.

Weniger durch Erschließung neuer Märkte und Wachstum, sondern durch mehr Profitabilität in den bisherigen Geschäftsfeldern und einer starken Konzentration auf das weltweite Paket- und Logistikgeschäft. So hieß es Ende März 2014 seitens der Deutschen Post vor allem: “Kern des Geschäfts soll auch künftig weiter die Wachstumsbranche Logistik bleiben.”

Gleichzeitig waren Pläne aufgetaucht, welche die eigentliche Strategie der Post AG sichtbar machten. Normen Schulze dazu: “Keine steigenden Löhne und eine Absenkung der Einstiegsgehälter sollen zum Erreichen der Ziele beitragen.” Etwas, woran sich nun die Leipziger Geschäftsführung der DHL Hub Leipzig GmbH gebunden fühlen könnte, wenn sie kein verhandelbares Angebot ihrerseits vorlegt. Ob sich dies mit dem Streik ändern wird, ist spätestens am 2. Oktober zu erfahren, dann möchte man sich wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Besonders erbost den Ver.di-Mann Schulze gegenüber L-IZ jedoch, dass in Leipzig die Situation bereits jetzt eine ungewöhnliche ist. “Die Männer rackern da im Akkord, wenn es darum geht, die Flieger in der Nacht aus- und einzuladen und das teilweise 6 Stunden ohne eine Pause. Und dass, wo sehr viele noch nicht einmal einen Vollzeitvertrag haben, und so nur zwischen 20 und 30 Stunden die Woche arbeiten dürfen.” Die Lohnforderung von 6,5 Prozent sei auch dadurch zu erklären – Akkordarbeit unter hoher körperlicher Belastung in kürzester Zeit. Und dennoch kaum Vollzeitstellen am Flughafen Leipzig/Halle bei der DHL.

Die Streiklust ist also in den vergangenen Monaten systematisch gestiegen, nach L-IZ-Informationen werden sich auch Kollegen an dem Ausstand ab Mittwochnacht 0:05 Uhr beteiligen, welche keine Verdi-Mitglieder sind oder zu anderen Schichten gehören. Ein Ende des Warnstreiks hat Verdi offenbar auch auf dem Flyer (siehe Download) bewusst offen gelassen – der Druck auf die Arbeitgeberseite steigt.

Die Streikwilligen diskutieren unter anderem sich hier bei Facebook
https://www.facebook.com/verdibglejhub

Die neuen Pläne bei der Post AG “Strategie 2020” als PDF zum download.

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