Moscheebau-Gegnerin Katrin Viola Hartung geriert sich in Talkshow als Opfer

Katrin Viola Hartung ist zurück. Die CDU-Kommunalpolitikerin meldete sich nach mehrmonatiger Abstinenz Ende Januar in der WDR-Talkshow "Domian" wieder zu ihrem Leib- und Magenthema zu Wort: Dem Bau der geplanten Ahmadiyya-Mosche in Leipzig-Gohlis. Nun allerdings nur mühsam anonym als "Maja" zum Thema "Tabus brechen". Politisch natürlich, nicht sexuell, wie sie zu Beginn betont.
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Rückblende: Als im Herbst 2013 die Moscheebaupläne publik wurden, initiierte Hartung eine Online-Petition gegen das Vorhaben der Ahmadiyya-Gemeinde, auf einer Brachfläche an der Georg-Schumann-Straße eine zweigeschossige Mini-Moschee zu errichten. So Mini, dass ihre Partei im Stadtrat anschließend gar eine Vergrößerung des Baukörpers im Sinne der Einpassung in die Umgebung anregte. Die Petition, welche einen Bürgerentscheid forderte, wurde alsbald von der Bürgerinitiative „Gohlis sagt Nein“ gekapert, die vor allem im sozialen Netzwerk Facebook mehrere tausend „Likes“ sammelte. Hartung schaute dem erst zu, anschließend distanzierte sie sich von den rechten Kräften in der Initiative. Doch bis heute nennt sie die Petition immer noch ihre eigene – die vielen Unterschriften von Rechtsradikalen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum waren dann doch kein Grund, sich nicht immer wieder die über 10.000 Unterschriften auf die eigene Fahne zu schreiben.

Denn auf der Kampagnenseite wurde aus ganz Deutschland mit menschenverachtenden Argumenten gegen das Bauvorhaben gehetzt, die islamfeindliche Seite PI-News schaltete sich ein, die NPD macht Wahlkampf gegen die „Großmoschee“ in Leipzig-Gohlis, auf der Pro-Seite entstanden Bürgerinitiativen wie „Dialoge für Gohlis“. Anfang 2014 stellte sich bei der Übergabe der Unterschriftenliste von Hartungs Petition durch zwei Leipziger NPD-Kader im Stadtrat dann abschließend heraus, dass die Initiative maßgeblich von NPD-Aktivisten gesteuert und dominiert wurde. Um Hartung war es nach einem kurzzeitigen Erscheinen anlässlich der Ratssitzung am 16. April 2013 mit rosa Luftballons (der Pro-Initiative „1001 Moschee“) stiller geworden. Zusammengearbeitet habe sie mit den Rechten nie, so Hartung über Hartung seither.

Am 24. Januar ergriff die CDU-Politikerin nun überraschend in der Mitmach-Talkshow „Domian“ das Wort. Die Sendung wird Montag bis Freitag von 1 Uhr bis 2 Uhr im WDR Fernsehen und auf dem Radiosender „1Live“ ausgestrahlt. Die Zuschauer sind aufgefordert, sich über eine kostenlose Hotline bei Jürgen Domian im Studio zu melden, um mit dem Moderator in vertraulich-familärer Art über Gott und die Welt zu sprechen.

Hartung meldet sich in der Sendung als „Maja“, um sich als Tabubrecherin zu outen. Ganz so anonym, wie gedacht, konnte es dann auch aufgrund ihrer Bekanntheit in Leipzig doch nicht stattfinden – neben den bekannten Eckdaten Hartungs innerhalb der damaligen Initiative und ihrer Partei in Leipzig fragte der Moderator immer weiter nach. Was noch mehr Details zu Tage förderte, die neben ihrer vor allem durch eine Debattensendung mit dem Grünen Jürgen Kasek auf Leipzig Fernsehen bekannten Stimme, keinen anderen Schluss zulassen, dass hier Katrin Viola Hartung ihr bekanntes Thema abliefert.

Und die bekannte Leipzigerin versteht sich als Opfer, auch in der eigenen Partei. „Ich bin sehr angefeindet worden“, beklagt sich die Moschee-Gegnerin. Wie habe sie es nur wagen können, eine Petition gegen das Bauvorhaben zu initiieren?

Dann zählt Hartung wieder die Vorurteile auf, die sie und ihre Mitstreiter gegen die gemäßigte Leipziger Muslim-Gemeinde hegen. Sie spricht von „Verlogenheit“, stellt die Ahmadiyya-Gemeinde als krude Sekte dar. „Die kaufen sich Politiker“, wirft Hartung ihnen vor, versucht die Gemeinde mit der Halbwahrheit „der Verfassungsschutz hat einen Blick darauf“ zu verunglimpfen. Wissen könnte Hartung, dass es im Zuge des Bauantrages der Ahmadis von eben jener Behörde auf Nachfrage der Stadt Leipzig quasi einen Persilschein gab – keine Bedenken. Zudem ist die Religionsgemeinschaft in Hessen als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt – für die CDU-Politikerin scheinbar eher ein Beleg für die Theorie der gekauften Politik, als für die Verfassungskonformität der Glaubensgemeinschaft. Eine eigenwillige Weltsicht.

„Was denkst du denn zu Pegida“, fragt Domian, der Aktualität verpflichtet. „Wenn man sich mit dem Forderungskatalog auseinandersetzt, sind viele Sachen schon verankert im Gesetz. Deshalb kann ich die generelle Kritik an der Pegida nicht verstehen oder nicht konkret nachvollziehen“, erwidert Hartung. Sie selbst habe bei der islamfeindlichen Bewegung aber noch nicht mitdemonstriert. „Ich kenne aber einige aus dem Leipziger Stadtrat, die sehr wohl schon nach Dresden gefahren sind. Parteiübergreifend.“ Auch hier dürfte es spannend werden, wer dies sein sollte und woher Katrin Hartung das weiß. Aber vielleicht meint sie mit der eilig nachgeschobenen Formulierung ja ihre eigene Partei und AfD-Räte, welche da bei Pegida demonstriert haben sollen?

Dass sie hier erneut – wie schon beim Thema Verfassungsschutz, mit einer mindestens halben Wahrheit agiert, indem sie quasi im Vorübergehen Leipziger Stadträten – parteiübergreifend – eine Beteiligung an den Dresdner Pegida-Demonstrationen bescheinigt, dürfte mindestens bei Grünen, SPD, FDP, der Linken und durchaus in ihrer Partei für einige Fragezeichen sorgen.

„Im Hintergrund“ engagiere sich die 2014er Stadtratskandidatin Hartung, für die der Islam in Deutschland noch nicht ganz angekommen sei, nach eigenem Bekunden weiter gegen die geplante Moschee. Den Ahmadis wirft sie vor, dass sich deren Gemeinden nicht gegen die Verfolgung von Christen in muslimisch geprägten Staaten aussprechen. „Warum sind wir als Christen immer in der Bringschuld?“. Fast möchte man fragen, wann Hartung sich mal für die Ahmadis eingesetzt hätte – ihre eigene Verfolgung in mehreren Ländern durch extreme Muslime ist aktenkundig und bekannt. Ebenso, dass sich die Ahmadis in Leipzig längst an interreligiösen Dialogveranstaltungen intensiv beteiligen.

Doch eigentlich schließt sich hier nur der Kreis zu „ihrer Petition“, welche einst fern jeder Sachkenntnis und gegen Baugesetze ebenso wie gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung von Religionsgemeinden in Deutschland einen Bürgerentscheid über einen privaten Bau auf einem privaten Grundstück forderte. Im Gespräch mit Jürgen Domian ist es nun ein geschützter Baum auf dem Baugrund, welcher ihr Sorgen bereitet. Der weitaus wichtigere Fakt, dass ein bis heute nicht aufgeklärter Anschlag mit Schweineköpfen, Blut und Feuer auf das Gelände stattfand, fällt hingegen unter den Tisch. Dieser wurde vorab in der gleichen Facebookcommunity „Gohlis sagt Nein“ in deutlichen Worten besprochen, aus welcher ihre Petition heraus promotet und massiv auch durch sie selbst anfangs verbreitet wurde. Bis heute ermitteln die Kriminalpolizei und der Staatsschutz in dieser Sache – noch ohne Ergebnis. Dass es eine Folge der aufgeheizten Stimmung der vergangenen Jahre und der Hetze im Netz gewesen sein könnte, dürfte hingegen sicher sein.

Domian versuchts dann noch mit einigen versöhnlichen Worten am Schluss, was Katrin Viola Hartung nicht davon abbringt, nochmals zu betonen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Es würde sicher noch 20, 30 Jahre dauern, bis der Islam in Deutschland angekommen sei. Aus ihrer Sicht ein ebenfalls versöhnlicher Schlusspunkt, indirekt fordert sie gar, dass der Ramadan in Deutschland gefeiert werden solle, als Zeichen für eine gesellschaftliche Integration. Bemerkenswert, zu welchen kuriosen Überlegungen man kommt, wenn man nur nach allem möglichen sucht, um sich gegen einen Moscheebau einzusetzen. Domian findet weitere Feiertage nicht übel, Hartung dürfte andere Gründe für diese Idee haben.

Das Video ist längst ein kleiner Youtube-Hit. Bisher haben sich fast 27.000 User die Sendung angeschaut. Katrin Viola Hartung dürfte mit ihrem Anruf gleich zu Beginn der Sendung mit dazu beigetragen haben.

Legida/PegidaMoschee
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