#BTW17 Die Kandidaten stellen sich vor: Monika Lazar (B90/DieGrünen)

Für alle LeserMit Start im März 2017 stellt die L-IZ.de gemeinsam mit der LEIPZIGER ZEITUNG die Direktkandidaten der Parteien in den Wahlkreisen (WK) 152 (Leipzig I, Leipzig-Nord) und 153 (Leipzig II, Leipzig-Süd) vor. Drei Fragen wurden dazu an die Kandidaten versandt. In der Folge haben alle Leser und Leipziger die Möglichkeit, ihre eigenen Fragen an die Kandidaten zu richten, welche die Kandidaten in der Folge nach Themen sortiert beantworten werden. Hier also die Grundvorstellung der Kandidatin der B90/Die Grünen, Monika Lazar (WK Süd, Leipzig II, 153).
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Sehr geehrte Frau Lazar, was halten Sie für das größte Problem in der heutigen Gesellschaft & wie wäre es zu lösen?

Die Gesellschaft in unserem Land und weltweit ist durch große Unterschiede zwischen arm und reich geprägt. Problematisch ist das vor allem deshalb, weil es kaum gelingt, dass Menschen der Armut entkommen und aufsteigen können. Viele Probleme sind global verknüpft und nur zu lösen, wenn man sie in ihren Auswirkungen aufeinander betrachtet.

So führt eine immer weiter fortschreitende Zerstörung der Natur, Klimawandel und wenig sorgsamer Umgang mit Luft, Boden und Wasser dazu, dass sich auch die sozialen Ungerechtigkeiten weltweit verstärken. Hinzu kommt ein wieder erstarkter Nationalismus, der Leid über viele Menschen bringt. In Europa wird dies durch einen immer stärkeren Zustrom von Geflüchteten spürbar. Geflohen vor Krieg oder der Existenzgrundlage beraubt, sehen diese Menschen keinen anderen Ausweg als die verzweifelte Flucht nach Europa. Viel stärker müssen wir die Fluchtursachen erkennen und bekämpfen.

Krieg, Hunger, Perspektivlosigkeit sind für die Menschen weltweit das größte Problem. Faire wirtschaftliche Zusammenarbeit, Stärkung der Diplomatie, Begrenzung von Waffenexporten sind Wege, die gegangen werden müssen.

Aber auch bei uns ist der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet, wenn die Menschen spüren, dass es nicht gerecht zugeht und die Politik sich der Probleme nicht annimmt. Wir müssen zeigen, dass wir die Fehler der Agenda 2010 erkannt haben und diese ändern wollen. Besonders Kinder, Frauen und Ältere bedürfen der Aufmerksamkeit. Steuerliche Gleichbehandlung von Einkommen aus Arbeit und aus Kapital ist ein wichtiger Schritt, um den Menschen wieder das Gefühl zu geben, dass die Politik für sie da ist.

Was glauben Sie in Berlin speziell für Leipziger Belange tun zu können?

Leipzig hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht gemacht. Dies gilt es weiter zu stärken und zu festigen. Dabei möchte ich weiterhin die regionalen Besonderheiten, wie etwa die kleinteilige Wirtschaftsstruktur, im Blick behalten. Dabei muss noch mehr darauf geachtet werden, dass bei den arbeitenden Menschen die Entwicklung auch ankommt.

Leider ist Leipzig trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin eine Stadt mit einer hohen Kinderarmut. Dies liegt in erster Linie an den im Vergleich mit anderen Großstädten geringeren Löhnen, die insbesondere Alleinerziehende häufig zu Aufstockern machen. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass hier gegengesteuert wird.

In den letzten Monaten und Jahren war ich natürlich auch oft als Botschafterin für Leipzig als weltoffene Stadt unterwegs. Von Kolleginnen und Kollegen kamen Fragen zum Thema Rechtsextremismus in Sachsen auf. Hier bin ich sehr froh, dass ich auf eine starke Zivilgesellschaft in Leipzig verweisen kann, die sich rechtsextremen Positionen entgegenstellt.

Wichtig ist daneben auch, Leipzig auf Bundesebene bei der Vergabe von Projekten und Fördermitteln zu unterstützen. So habe ich mich für Fördermittel für den Parkbogen Ost und das UT Connewitz oder die besseren Öffnungszeiten der „Deutschen Nationalbibliothek“ eingesetzt.

Wie stehen Sie selbst zur Demokratie derzeit in Deutschland – gibt es hier Veränderungsbedarf?

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Wir Ostdeutsche in Leipzig u.a. Städten der DDR haben uns diese im Herbst 1989 erst erstreiten müssen. Unser Land scheint in den letzten Jahren durch Entwicklungen von innen und außen eher politischer geworden zu sein. Dies ist grundsätzlich eine gute Entwicklung. Leider gibt es auch vermehrt Zuspruch zu Gruppierungen, die unsere freiheitliche Demokratie ablehnen.

Demokratie ist nicht immer einfach. Gute Lösungen brauchen Sorgfalt und Geduld. Dies müssen wir vermitteln, verbunden mit der Einladung an dieser Aufgabe mitzuarbeiten.

Uns steht in Deutschland dafür ein sehr gutes politisches System zur Verfügung, das Partizipation ermöglicht. Anders als z.B. in den USA hängt ein politisches Amt nicht vom Geldbeutel ab und Aufstiege in der Politik sind möglich. Auch sind Lebensläufe von PolitikerInnen in unserem Land vielfältiger als in anderen demokratischen Staaten.

Sehr bedenklich ist die Verachtung, teilweise Hass, der PolitikerInnen entgegengebracht wird. Hier fehlt einigen Menschen an Maß und Anstand. Dies kann zur Folge haben, dass besonders für kommunale und regionale Ämter immer weniger Menschen zur Wahl stehen. Wir müssen deshalb aufpassen, dass uns nicht die Demokratie erodiert.

Der Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene, als Ergänzung der parlamentarischen Demokratie, stehe ich positiv gegenüber. Wir Grünen fordern weitere direktdemokratische Elemente schon seit vielen Jahren. Allerdings ist dies nicht die Lösung gegen Politiker- und Demokratieverdrossenheit.

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