Linksfraktion beantragt einen Werbebeirat für Leipzig

Für FreikäuferDie wirkliche Debatte um Werbung im öffentlichen Raum in Leipzig hat noch nicht stattgefunden. Denn während Leipzig in letzter Zeit seine Werbekonzessionen aufgeteilt und als Bündel vergeben hat, drängen an anderer Stelle Werbevermarkter darauf, neue lukrative Blinker-Wiesen im Herzen der Stadt besetzen zu können. Deswegen brauche Leipzig dringend einen Werbebeirat, findet die Linksfraktion.
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Das Problem taucht mit den digital gesteuerten Anlagen auf, die OBM Burkhard Jung Anfang des Jahres mit JC Decaux in der Leipziger Innenstadt vorstellte: Was früher mal auf Internetseiten blinkte und flackerte, steht jetzt mitten auf der Straße und wechselt alle paar Sekunden, schafft also immer wieder Aufmerksamkeit. Schön für die Werbewirtschaft. Aber was richtet das mit Straßen und Plätzen an?

„Die Debatten um Werbekonzessionen im Außenbereich, aber auch an die gestalterische Anordnung an Gebäudefassaden offenbart, dass sich in der Werbung nicht zuletzt durch die zunehmende Digitalisierung grundlegende Wandlungsprozesse vollziehen“, heißt es im Antrag der Linksfraktion. „Auch wenn in Leipzig als internationaler Messestadt seit Jahrzehnten der Werbung an Gebäuden, in öffentlichen Räumen und auch an Straßen hinsichtlich der Stadtgestaltung besondere Bedeutung beigemessen wurde, so darf sich die Stadt den aktuellen Trends von vorwiegend statischer zur zunehmend dynamischen Werbung nicht verschließen. Dies darf nicht zur Überfrachtung und Lichtverschmutzung führen und ist überwiegend hoheitliches Verwaltungshandeln im Rahmen des Bauordnungs- und Verkehrsrechts.“

Man merkt: Es ist ein Widerspruch, der da zu lösen ist – aktueller Trend versus „Überfrachtung und Lichtverschmutzung“. Man kann die Stadt zwar mit Blinkern und Flackern vollpacken wie Tokio. Aber dann ist von der Innenstadt, die mit ihrer sanierten Bausubstanz die Touristen anzieht, nicht mehr viel zu sehen. Dann haben sie in Leipzig dasselbe Werbegeblinker wie anderswo auch. Dafür muss man nicht nach Leipzig kommen.

Bislang hat Leipzig eine sehr restriktive Werbesatzung, entwickelt in der Regierungszeit von OBM Hinrich Lehmann-Grube, dem es – genauso wie seinem Baudezernenten Niels Gormsen – sehr bewusst war, dass man das Flair einer alten Stadt wie Leipzig mit überladener Werbung auch zerstören kann. Deswegen gibt es restriktive Größenmaße und Vorschriften für das, was erlaubt ist und was nicht.

Jetzt ist wieder so ein Zeitpunkt, wo die Werbeindustrie mit neuen Formaten versucht, auch wieder neue Räume in den Kernbereichen der Städte zu bespielen. Öffentliche Räume, das muss dazu gesagt sein. Es geht immer um die Frage: Wie viel Werbung in welcher Form ist tatsächlich stadtverträglich und ab wann fängt das Ganze an, auch zum Verkehrshindernis und Störenfried zu werden?

Und das soll – nach Auffassung der Linken – ein Werberat zumindest überwachen, der sich auch mit den Inhalten dessen beschäftigt, was da digital ausgestrahlt wird: „Auch wenn Werbe- und Werbebeiräte ursprünglich entstanden sind, um Produkte wie Wein, Veranstaltungen oder Märkte besser vermarkten zu können, spielen seit einigen Jahren zunehmend Inhalte wie Diskriminierung oder Sexismus eine Rolle. Der deutschlandweit agierende Werberat der Werbe- und Medienwirtschaft befasst sich nur auf Antrag mit besonders gravierenden Problemen und gibt Empfehlungen, die nicht bindend sind. Wie in anderen Städten gibt es in Leipzig den Tourismus Service e. V., der sich bei der Imagekommunikation und Standortwerbung Leipzigs, der Förderung des Tourismus sowie des Veranstaltungs- und Kongresswesens der Leipzig Tourismus und Marketing Gesellschaft GmbH bedient. Trotzdem gibt es bisher keinen Werbe- bzw. Werbebeirat, der sich im Besonderen mit der Qualität von Werbung im öffentlichen Raum und an Gebäuden einer Stadt befasst. Leipzig würde deshalb hier Neuland betreten.“

Der Verweis auf die LTM erinnert eben auch daran, dass solche Werbung auch immer das Image der Stadt beeinflusst.

Also könnte der Beschluss lauten: „In der Stadt Leipzig soll ein Werbebeirat gebildet werden, der sich unabhängig der bauordnungsrechtlichen Belange um eine qualitätsvolle Werbung im öffentlichen Raum und an Gebäuden beratend befasst. Neben Stadtratsvertretern sollen dem Werbebeirat auch Vertreter aus Wirtschaft und Kultur angehören.“

Aber der dritte Punkt wird so wohl nicht funktionieren, weil man damit einen externen Verein zum Beobachter des Leipziger Werbegeschehens machen würde. Er lautet: „Es wird geprüft, ob der Werbebeirat als Beratungsgremium beim Leipzig Tourismus Service e. V. angegliedert werden kann.“

Die LEIPZIGER ZEITUNG ist da: Seit 15. September überall zu kaufen, wo es gute Zeitungen gibt

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