Neueste Mitarbeiterbefragung in der Leipziger Stadtverwaltung

Was kann man tun, wenn Vorgesetze kein Vorbild sind und mit den Mitarbeitern nicht kommunizieren?

Für alle LeserDie Bilanz, die Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning am Dienstag zog, war knapp, aber deutlich: „Stadt-Mitarbeiter sind zufrieden und dennoch kritisch“. Die Stadtverwaltung von Leipzig bietet zwar eine Menge interessanter und abwechslungsreicher Arbeitsplätze. Aber in der Mitarbeiterführung gibt es in einem Viertel der Stadtverwaltung spürbare Probleme.

Gut 7.600 Mitarbeiter konnten an der Erhebung im März dieses Jahres teilnehmen, die Beteiligung lag bei knapp 42 Prozent. Zwei Drittel der Beschäftigten der Stadtverwaltung sind weiblich, ein Drittel männlich. Die Mitarbeiter sind in 40 Ämtern der Stadt beschäftigt. Bis 2025 werden rund 12 Prozent der Bediensteten der Stadtverwaltung in den Ruhestand eintreten, zugleich steigt der Personalbedarf: 2020 rechnet die Verwaltung aufgrund des Bevölkerungszuwachses mit rund 8.600 Angestellten. Die letzte Mitarbeiterbefragung stammt aus dem Jahr 2014 und hatte vor allem die Themen psychische Belastungsfaktoren und Beteiligung zum Inhalt.

Aber diesmal wurde eben auch die Arbeitsstruktur deutlicher thematisiert. Und da verblüfft es schon, wenn es doch des Öfteren mit regelmäßigen Rückmeldungen von den jeweils Vorgesetzten hapert. Die Mitarbeiter/-innen, die regelmäßig Feedback von ihrer direkten Führungskraft bekamen, waren auch mit anderen wichtigen Arbeitsaspekten zufriedener. Was ja nur zu verständlich ist.

Aber nur 49 Prozent der Mitarbeiter der Stadtverwaltung stimmten der Aussage zu, dass ihr Vorgesetzter eine Vorbildfunktion für sie habe, 26 Prozent gaben an, dass dies eher nicht oder überhaupt nicht zutreffe. Eine Auswertung nach Dezernaten wurde nicht mitgeliefert. Aber es lässt sich zumindest vermuten, dass die Situation dort, wo sie auftritt, für Missstimmung sorgt, die Arbeit stocken lässt und wichtige Entscheidungen im „Verfahren“ festfahren lässt. Denn wenn sich diese nicht funktionierende Kommunikation auf einige Ämter konzentriert, sorgt das natürlich dafür, dass die Angestellten informativ immer wieder aufs Trockene gelegt sind. Das sorgt logischerweise auch für Frust.

Aber zumindest 68 Prozent der Mitarbeiter der Leipziger Stadtverwaltung sind mit ihrer Arbeit überwiegend oder sehr zufrieden, gut drei Viertel der Beschäftigten arbeiten gern für die Stadt. So geht es aus der am Dienstag vorgestellten Mitarbeiterbefragung hervor, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Insbesondere junge Mitarbeiter, Auszubildende oder Studenten bewerten die Stadtverwaltung sehr positiv.

Es gibt ja auch viele positive Aspekte an einer Beschäftigung in Leipzigs Stadtverwaltung: Aus Sicht der Mitarbeiter tragen vor allem ein sicherer Arbeitsplatz mit einer sinnvollen, abwechslungsreichen Tätigkeit und interessanten Aufgaben zur Attraktivität eines Arbeitgebers bei. Dieser inhaltliche Aspekt ist den Befragten sogar deutlich wichtiger als geregelte Arbeitszeiten. Zudem betonen sie, dass sich der Beruf gut mit einer Familie vereinbaren lassen sollte. Bei der Bewertung der Stadtverwaltung finden sich ebendiese Themen auf den vorderen Plätzen wieder. Schon an dritter und vierter Stelle werden inhaltliche Aspekte – interessante und abwechslungsreiche Aufgaben – genannt.

Gut 48 Prozent der Befragten gaben an, dass die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ein wichtiges Anliegen der Stadt ist. Hohe Zustimmung gab es auch beim Thema Zusammenarbeit: Der Aussage „Ich arbeite mit meinen Kolleginnen und Kollegen gern zusammen“ standen rund 86 Prozent der Befragten positiv gegenüber.

Deutlich wurde freilich auch, dass die Stadtverwaltung mehr für die Personalentwicklung tun sollte. Was schon verblüfft, da das Thema ja seit 2010 auf dem Tisch liegt. Da geht es nicht nur um die Gewinnung von Nachwuchs, sondern auch um die Frage: Muss man eigentlich 30, 40 Jahre immer dieselbe Arbeit machen oder gibt es Anreize, sich weiterzuqualifizieren und mit der Zeit auch anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen? Da verblüfft es schon, wenn nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten angeben, mit den beruflichen Perspektiven bei der Stadt zufrieden zu sein.

Dass da doch zwei wichtige Aspekte im Argen liegen, stimmt Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning dann doch nachdenklich: „Trotz guter Ergebnisse ist es wichtig, dass wir die Anliegen und Hinweise unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr ernst nehmen. Die Befragung hält uns den Spiegel vor das Gesicht und zeigt damit auf, was wir als Stadtverwaltung tun können, um unsere Attraktivität als Arbeitgeber weiter zu erhöhen. Dies ist eine Aufgabe der gesamten Verwaltungsspitze.“

Der Stadtrat tagt: Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung liegen vor

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