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„Wer nicht feiert, hat verloren“: Kundgebung an der Sachsenbrücke zum Tag der Befreiung

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    Am heutigen Freitagabend versammelten sich die Leipziger zum Gedenken und Feiern an der Sachsenbrücke. Anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung Europas wurde dort mit einer Kundgebung und Musik an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erinnert. Aufgerufen zu der Veranstaltung hatten die LINKE Leipzig, der Erich Zeigner Haus e.V., die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Leipzig e. V., die Gedenkstätte Zwangsarbeit Leipzig sowie das Projekte- und Abgeordnetenbüro INTERIM by linXXnet.

    Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos; dem faschistischen Regime, das Millionen Menschenleben forderte, wurde ein Ende gemacht.

    Schon länger wird die Debatte geführt, diesen Tag zu einem nationalen Feiertag zu machen. Rund 98.000 Unterschriften erhielt die Petition von der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano, die diese gemeinsam mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) gestartet hatte. Am Donnerstag, den 7. Mai, wurde ebendiese Petition an den Bundestag übergeben.

    Auch auf der Sachsenbrücke wurde die Anerkennung des 8. Mai als Feiertag deutlich angesprochen. Immer wieder hatte die LINKE in der Vergangenheit gefordert, den Tag als nationalen Feiertag festzusetzen. So auch am 6. Mai 2020: Wie Franz Sodann, kulturpolitischer Sprecher der sächsischen Linken-Fraktion im Landtag, erklärte, brachte die Fraktion einen erneuten Antrag in den Landtag ein mit der Forderung an die Staatsregierung, im Bundesrat dahingehend einzuwirken. „Ich bin gespannt“, so Sodann.

    Der Ruf nach der Erinnerung, das Nichtvergessen, beherrschte den Tenor der Veranstaltung. Schon lange seien rassistische, antisemitische und „alle möglichen Ideologien zur Gründung sozialer Ungerechtigkeit“ wieder salonfähig.

    „Heute sind es genau jene Vokabeln – ‚Lügenpresse‘, ‚Systempartei‘, ‚Volksgemeinschaft‘ – die wieder fest im Wortschatz parlamentarischer Parteien verankert sind. Jener Parteien, welche öffentlich für Hass, Ausgrenzung, Menschenverachtung und Gewalt marschieren und werben. Der Geist ist schon wieder da“, warnte Sodann in seinem Redebeitrag. Erschreckend oft bleibe dies unwidersprochen. „Wir sind verantwortlich dafür, dass es den Anfang und die Folgen eines neuen Krieges nie wieder geben kann. Darum müssen wir die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit wachhalten.“

    Dies machte auch Henry Lewkowitz, Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender des Erich Zeigner Haus e.V., deutlich. Bei Kindern und Jugendlichen sei schon jetzt zu beobachten, dass die Historie in Vergessenheit gerate. Auch käme es immer wieder zu Vandalismus an Mahnmalen und Gedenkstätten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch heute noch passiert, dass erinnerungskulturelle Produkte, wie Stolpersteine und Gedenktafeln, geschändet werden“, so Lewkowitz. „Studien zufolge schätzen heutzutage genauso viele Menschen ihre Vorfahren als Täter wie als Opfer ein. […] Ganz klar ist, dass wir in der Erinnerung des 8. Mai als Tag der Befreiung eine Lücke verzeichnen.“ Es könne jedoch keinen Schlussstrich unter der deutschen NS-Geschichte und der Erinnerung daran geben.

    „Wer nicht feiert, hat verloren“, betonte auch Daniela, Vertreterin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Leipzig e. V. Erst vor wenigen Tagen hatte Alexander Gauland, Ehrenvorsitzender der AfD, mit der Aussage provoziert, der 8. Mai sei als Feiertag nicht geeignet, da das Datum die Niederlage Deutschlands festsetzen würde. Daniela betonte: „Auch wenn wir heute feiern, können wir nicht die Augen davor verschließen, dass Nazis in den Parlamenten, den Sicherheitsbehörden und in den Medien sitzen und ihre menschenfeindliche Ideologie noch immer mörderisch ist.“

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