Je länger der Krieg Putins gegen die Ukraine anhält, umso mehr Städte und Dörfer werden zerstört. Und umso mehr Menschen müssen flüchten. Das ist auch in Leipzig spürbar, wo das Dezernat Allgemeine Verwaltung jetzt meldet, dass sich seit Kriegsbeginn am 24. Februar bereits 10.072 Ukrainerinnen und Ukrainer in Leipzig angemeldet haben.

Die Zahl der Kriegsvertriebenen umfasst dabei sowohl Menschen, die aus der Ukraine eingereist sind (8.914 Personen), als auch ukrainische Staatsbürger, die aus Drittstaaten sowie aus anderen Teilen Deutschlands nach Leipzig gezogen sind (1.158 Personen). Ukrainerinnen und Ukrainer, die zwar in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig leben, aber noch auf andere Kommunen verteilt werden, sind darin nicht erfasst, betont das Verwaltungsdezernat.

Bis Anfang Juli sind von den angemeldeten Schutzsuchenden bereits 1.028 Menschen wieder aus Leipzig weggezogen – ob diese in die Ukraine zurückkehren oder nur innerhalb Deutschlands umziehen, werde dabei nicht erfasst, betont die Verwaltung.

Zum 30. Juni wohnten damit 11.033 Menschen ukrainischer Staatsangehörigkeit in Leipzig, von denen 8.738 nach Kriegsbeginn zugezogen sind. Unter diesen Personen sind derzeit 5.834 Frauen und 2.904 Männer.

Die Fluchtbewegung aus der Ukraine übersteigt damit schon jetzt die Dimension der Zuwanderung auf ihrem Höhepunkt in den Jahren 2015/16: Zwischen Oktober 2015 und Ende März 2016, also innerhalb eines halben Jahres, waren damals insgesamt 7.140 Menschen aus den Hauptfluchtländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien nach Leipzig eingereist.

Obwohl die Zahl neu ankommender Flüchtlinge momentan gering ausfällt, wird die Betreuung und Versorgung der bereits in Leipzig untergekommenen Schutzsuchenden die Stadt auch in den kommenden Monaten erheblich fordern: Nach der Erstregistrierung müssen alle 8.738 im Ausländerzentralregister erfasst werden, damit sie bis Ende Oktober dauerhafte Aufenthaltsdokumente erhalten können. Dafür und als allgemeine Anlaufstelle werde das Ankommenszentrum am neuen Standort im Technischen Rathaus weiter betrieben – mit nun erweitertem Leistungsspektrum.

3.064 der Ukrainerinnen und Ukrainer sind minderjährig. Für diese Kinder und Jugendlichen müssen in den kommenden Wochen ausreichend Plätze in Kitas und Schulen sichergestellt werden, damit sie sprachlich integriert und optimal betreut werden können.

Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im erwerbsfähigen Alter erhalten in der Regel Leistungen der Grundsicherung nach dem SGB II, die durch das Jobcenter ausbezahlt werden. Die 654 Schutzsuchenden, die 65 Jahre und älter sind, fallen dagegen in die Zuständigkeit der Stadt Leipzig und erhalten ihre Sozialleistungen durch das Sozialamt.

Insgesamt 1.163 Personen sind in einer von Stadt Leipzig betriebenen Einrichtung untergebracht, alle übrigen haben bei Privatvermietern Unterkunft gefunden.

In den Leipziger Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaates hielten sich zu Monatsbeginn 143 ukrainische Flüchtlinge auf – zur vorläufigen Hochzeit am 18. April waren es dort 1.737 Ukrainerinnen und Ukrainern gewesen.

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