Die Band IO:A aus Leipzig veröffentlicht gemeinsam mit Dirigent Mykola Lysenko, Komponist Dmitry Konovalov und Orchestermusikern in Kiew den Song „I am your border“. Veröffentlichungstermin ist kurz vor dem Unabhängigkeitstag der Ukraine, dem 24. August, voraussichtlich am 19. August 2022. Der Song steht dann zum kostenlosen Download zur Verfügung und soll ein Song für alle Menschen der Ukraine und ihre Unterstützer sein, teilt die Band mit.

Zusätzlich motiviert er zu einer Spende für die ukrainischen Musiker oder an eine Hilfsorganisation mit Ukraine-Bezug.

Musikprojekte zur Unterstützung der Ukraine gab es seit Ausbruch des Krieges einige. Doch dieser Song besitzt eine ganz eigene Vorgeschichte und Dramatik.

Die lange Geschichte dahinter: Von der Hilfslieferung zur Hymne

Anfang März 2022 fuhr Lutz Leukhardt mit Freunden an die polnisch-ukrainische Grenze. Sie transportierten Lebensmittel und Medikamente und brachten drei Mütter mit Kindern nach Leipzig. Via Telegram half Lutz einer weiteren Mutter, aus der Ukraine an die Grenze und dann nach Leipzig zu kommen. Dort organisierten sie deren Unterkunft bei Freunden und halfen bei den Behördengängen.

Um seine Eindrücke von der Grenze zu verarbeiten, schrieb Lutz Leukhardt für seine Leipziger Band IO:A den Song „I am your border“ aus Sicht der Menschen in der Ukraine. Die Aussage des Songs: „Du kannst vielleicht mein Land besetzen und meine Städte zerstören, aber mich als Mensch und Individuum kannst du nicht besetzen und meine Liebe zu Freiheit, zu freier Meinungsäußerung und Demokratie nicht zerstören.“

Eine jener Mütter, denen Lutz Leukhardt in Leipzig half, ist Tanya aus Kiew. Sie gehört zur Familie von Mykola Lysenko, dem Dirigenten des Ukraine Symphonic Orchestra und bis vor einer kleinen Weile auch des Symphonie-Orchesters Kiew. Lutz Leukhardt fragte Mykola Lysenko via Telegram, ob er sich vorstellen könne, mit einigen „seiner“ Orchestermusiker bei dem Song „I am your border“ mitzuspielen und ihn gemeinsam als Song für die Menschen in und aus der Ukraine zu veröffentlichen.

Rettungsaktion zwischen Mariupol und Odessa

Der Dirigent konnte sich solch ein gemeinsames Projekt vorstellen, brauchte dafür allerdings seinen Komponisten Dmitry „Dima“ Konovalov. Der lebte zu jener Zeit aber noch in Mykolaev zwischen Mariupol und Odessa mit seiner Familie in einem Keller – aus Sicherheitsgründen. Mykola Lysenko stieg also in sein Auto, fuhr sieben Stunden in das Kriegsgebiet, holte den Komponisten und seine Familie dort heraus und brachte sie nach Kiew.

Nach Phasen längerer Kommunikationspausen begann Dmitry Konovalov mit dem Orchester-Arrangement und finalisierte es Anfang Juli 2022. Mit Stand 12. Juli sind Streicher, Bläser und Percussion inzwischen eingespielt. Anfang August folgen Klavier, Chor und weitere Percussion. Eingespielt werden die Parts vom Militärorchester der Ukraine in Kiew.

Wozu das Ganze?

IO:A will den Song als Video auf YouTube veröffentlichen, später auch auf Spotify, und bietet ihn zugleich zum kostenlosen Audio-Download an, verbunden mit der Bitte: „Wenn dir der Song gefällt, kannst du ihn gerne kostenfrei herunterladen – und spende dafür doch einfach einen kleinen Betrag entweder:

– an die ukrainischen Musiker, denn ihnen wurden 60 % ihres Gehalts gekürzt, sie sind unter dem Existenzminimum. Die Band will dazu auch ein Crowdfunding-Projekt starten, um die Gelder transparent und gebündelt zu sammeln.

– oder an eine humanitäre Organisation der eigenen Wahl.“

Der Song soll am 19. August 2022 und damit 5 Tage vor dem Unabhängigkeitstag der Ukraine auf der YouTube-Seite der Band veröffentlicht werden.

Vielleicht ein Live-Konzert am 25. August in Kiew

Die Ukrainer denken übrigens gerade darüber nach, dort mit der Band aus Leipzig gemeinsam am Unabhängigkeitstag ein Konzert aufzuführen. „Aber das ist Moment unklar und natürlich schwer vorstellbar“, so die Band.

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