Die Deponie Cröbern gehört jetzt zu 100 Prozent den Kommunen in Westsachsen

Mit Müllablagern will sich Sita Ost GmbH nicht mehr abgeben. Das steht so schon länger unter den Visionen des Unternehmens zu lesen, das als Tochter des Suez-Konzerns auch in Westsachsen operiert. Jetzt hat die Sita ihr Engagement in der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV) beendet. Das teilte der Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW) am Montag, 13. Juli, mit.

Bislang haben der ZAW und die Sita Ost GmbH & Co. KG in der WEV zusammen die Deponie Cröbern im Leipziger Südraum betrieben. Eine Deponie, die mit einem jährlichen Fassungsvermögen von 300.000 Tonnen viel zu groß dimensioniert war und in den vergangenen Jahren mehrere Skandale erlebte, weil die Deponiebewirtschafter auch Abfälle annahmen und einlagerten, die so nicht auf die Deponie gehörten, aber augenscheinlich die Unternehmensbilanz verbesserten. Am heftigsten ging es her um die nach Sachsen verschafften Hausmülltransporte aus Italien.

Doch Sita Deutschland fühlt sich schon längst nicht mehr für die völlig unzeitgemäßen Ablagerungen auf Großdeponien zuständig. Das kann auch nicht die Zukunft sein in einer Zeit, in der auch die westlichen Staaten lernen müssen, mit den Ressourcen zu haushalten und für die Stoffe, die eingesetzt werden, auch sinnvolle und nachhaltige Kreisläufe zu entwickeln.

Ein wenig davon wurde auch versucht, in Cröbern mit der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) zu verwirklichen, mit der 2005 versucht wurde, einen ersten Ansatz von Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen. Aber schon damals war abzusehen, dass das erst der Anfang eines echten Kreislaufsystems sein könnte. Dass es hernach auch noch zu diversen Skandalen mit abgelagerten brennbaren Produkten aus der MBA kam, erzählt im Grunde davon, dass das System damals nicht zu Ende gedacht war. Und nicht nur Cröbern wurde damals viel zu groß dimensioniert. Fast alle sächsischen Deponien wurden so völlig unsinnig konstruiert. Bei Cröbern war es selbst aus Leipziger Sicht unübersehbar. Die Stadt wollte damit gar nichts zu tun haben und lieber ihre eigene (deutlich kleinere) Deponie Seehausen weiter betreiben. Am Ende aber musste Leipzig auf heftiges Bitten vor allem der Landesdirektion in das Projekt Cröbern mit einsteigen, um der Deponie überhaupt einen Mindestbesatz an gelieferten Abfällen zu sichern.

Und die Sita? – Sie erzählt auf ihrer Website, wohin es eigentlich gehen muss mit unseren Abfällen: „Wir tragen dazu bei, dass die Welt nachhaltiger wird, indem wir Rohstoffe aus Abfällen gewinnen und diese wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück führen. Für uns ist Kreislaufwirtschaft die Zukunft und daher integraler Bestandteil unserer Leistungen.“

2001 war sie übrigens Teilhaber der WEV geworden. Das war noch vor Eröffnung der neuen Deponie Cröbern im Jahr 2004.

Logisch, dass das der halben Lösung in Cröbern nicht ansatzweise entspricht.

Rückzug aus dem Deponiegeschäft

Man habe sich nun einvernehmlich getrennt, teilt André Albrecht, Geschäftsleiter des ZAW, mit. Die 49 Prozent der Anteile, die die Sita bislang an der WEV hielt, gehen direkt auf die WEV über, die sich nun quasi zu 49 Prozent selbst besitzt, die restlichen 51 Prozent der Anteile bleiben bei den kommunalen Gesellschaftern. Und das sind nur zwei: die Stadt Leipzig und der Landkreis Leipzig. Der Landkreis Nordsachsen (und seine Vorgänger) hat sich von Anfang an aus der Beteiligung am Projekt Cröbern herausgehalten.

Zu den Gründen für den Ausstieg der Sita Ost aus dem WEV erklärt Peter Pester, Geschäftsführer der Sita Ost GmbH & Co. KG.: „Die Sita – als Teil von Suez environnement – ist ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft bestrebt, einen bedeutenden Anteil zur Schonung der natürlichen Ressourcen zu leisten. Das Recycling und die Verwertung von Abfällen steht deshalb für uns absolut im Fokus unseres Handelns. In diesem Sinne lag es für uns nahe, dass wir uns von der WEV getrennt haben.“

Wenn das nicht deutlich ist. Mit zukunftsfähiger Kreislaufwirtschaft hat die Großdeponie nicht viel zu tun. Sie ist – in der Evolution der Stoffkreisläufe betrachtet – auf halbem Wege stehen geblieben. Und die schlichte Wahrheit ist: Das war auch 2004 schon abzusehen.

Pester dazu: „Der Rückzug aus dem Deponiegeschäft ist Teil unserer strategischen Ausrichtung: Wir werden uns künftig noch mehr darauf konzentrieren mit innovativen und nachhaltigen Lösungen die Entsorgung bei unseren Kunden aus Industrie, Handel und Gewerbe sowie Kommunen – insbesondere in und um Leipzig herum – zu optimieren.“

Und was kann Heiko Rosenthal, der Umweltbürgermeister von Leipzig und derzeitige Verbandsvorsitzende des ZAW, dazu sagen? Er wertet den Ausstieg von Sita als Rekommunalisierung.

Aus der Sicht des Verbandes und seiner zwei Mitglieder würden sich nun Chancen ergeben „für die weitere Entwicklung der Gesellschaft und der kommunalen Abfallwirtschaft in der Region“. Welche, das verrät er nicht. Tatsächlich macht man erst mal weiter mit dem, was man seit 2004 hat: „hochmoderne Entsorgungsanlagen nach Stand der Technik“, mit denen „die Entsorgungssicherheit und umweltgerechte Abfallbehandlung am Standort Cröbern weiterhin gewährleistet“ werden könne.

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