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Groitzsch stemmt sich gegen Mibrag-Pläne

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    Um den Kohlehunger des Kraftwerksriesen Lippendorf zu stillen, werden in den Tagebauen Profen (Sachsen-Anhalt) und Vereinigtes Schleenhain (Sachsen) jährlich etwa 20 Millionen Tonnen Rohbraunkohle abgebaut. Und das Bergbauunternehmen will sein Abraumgebiet immer weiter ausweiten. Jüngste Pläne: Der stillgelegte Tagebau Groitzscher Dreieck mit dem Groitzscher See soll reaktiviert werden. Außerdem ist vorgesehen, den in der idyllischen Auelandschaft gelegenen kleinen Ort Obertitz im Südosten von Groitzsch abzubaggern und die Bewohner umzusiedeln.

    Planungssicherheit – das ist das Zauberwort für die Mitteldeutsche Braunkohle GmbH (Mibrag). Denn nur mit Planungssicherheit kann man in eine sichere Zukunft investieren. Das Unternehmen mit Sitz in Theissen (Burgenlandkreis) beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter und ist damit der große Arbeitgeber in einer Region, in der Arbeitsplätze ein ebenso begehrtes und seltenes Gut sind.

    Etwa 20 Millionen Tonnen pro Jahr werden gebraucht – doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg für die Mibrag.

    In Groitzsch regt sich Widerstand

    Denn gegen die Pläne regt sich Widerstand auch in der Stadt Groitzsch selber. Dort hat man sich nach Vorabgesprächen mit der Mibrag von Seiten der Stadtverwaltung eindeutig gegen die Abbaggerung von Obertitz ausgesprochen – auch wenn offiziell noch nichts bekannt gegeben wurde. Das Abbaggern würde ganz nebenbei eine beträchtliche Umweltbelastung durch Lärm und Staub auch für die in unmittelbarer Nähe des Groitzscher Dreiecks gelegenen Orte Michelwitz und Langenhain bedeuten. Offenbar scheint man bei der Mibrag fest entschlossen, diese Pläne umzusetzen. Dies kam auch in einem Interview zum Ausdruck, das der Kaufmännische Geschäftsführer der Mibrag, Dr. Bernd-Uwe Haase, kürzlich der Leipziger Zeitung (LZ) gegeben hatte. Darin betonte Haase, dass das Groitzscher Dreieck, in dem sich der Groitzscher See befindet, Bestandteil des Gesamtabbaugebietes Vereinigtes Schleenhain sei, das aus den Abbaufeldern Schleenhain, Peres und Groitzscher Dreieck besteht.

    Inanspruchnahme der Ortslage Obertitz vorgesehen

    Mit der jetzt auf den Weg gebrachten Planung sei eine Inanspruchnahme dieses Teilgebietes vorgesehen. Man habe die Aufgabe, den Rahmenbetriebsplan an die veränderten Bergbaubedingungen des Landes Sachsen anzupassen. Deshalb führe man von Seiten der Mibrag zuerst eine Umweltverträglichkeitsprüfung durch, was zwei Jahre in Anspruch nehmen würde. Aufgrund des Ergebnisses werde die Mibrag den Rahmenbetriebsplan erstellen und einreichen. Dies sei ein langer Weg, aber für die Mibrag sei auch klar, dass man Peres mit der Ortslage Pödelwitz entwickeln, als auch das Abbaufeld Groitzsch in Anspruch nehmen werde, weil man sonst das Kraftwerk Lippendorf nicht bis 2040 mit Kohle versorgen könnte, so Haase weiter. Von der Inanspruchnahme des Abbaufeldes Groitzscher Dreieck sei der Ortsteil Obertitz betroffen. Die Bürgerinnen und Bürger habe man über das gesamte Vorhaben vorab informiert. Die Mibrag, so Haase, werde mit allen Bürgern der benachbarten Orte auch weiter im Dialog bleiben.

    Die Mibrag beliefert das Kraftwerk in Lippendorf mit jährlich rund 20 Millionen Tonnen. Foto: Matthias Weidemann
    Foto: Matthias Weidemann

    Vertrag mit Mibrag gilt nur für umsiedlungswillige Pödelwitzer Bewohner

    Doch entschieden sei noch gar nichts, von Planungssicherheit ganz zu schweigen, so der Groitzscher Bürgermeister Maik Kunze auf telefonische Anfrage gegenüber der L-IZ: „Noch ist alles in der Schwebe. Das gilt sowohl für Obertitz aber ebenso für Pödelwitz. Es ist richtig, dass ein Großteil der Bürger von Pödelwitz nach Groitzsch umgesiedelt ist und dass wir als Stadt dazu mit der Mibrag einen Vertrag abgeschlossen haben. Dies gilt aber nur für die umsiedlungswilligen Bewohner. Bekanntermaßen weigern sich einige Familien in Pödelwitz immer noch, den Ort zu verlassen.“ (LZ und L-IZ berichteten). Man könne schließlich, so das Groitzscher Stadtoberhaupt weiter, nicht plötzlich mit den Baggern vor der Haustür stehen. Im übrigen habe das Oberbergamt in Freiberg noch ein unwichtiges Wörtchen mitzureden. Mit anderen Worten, von Planungssicherheit kann für die Mibrag noch lange nicht die Rede sein.

    Keine Umsiedlung für Tornau und Wuschlaub

    Derweil gab es laut einer Pressemitteilung der Mibrag für andere Orte Entwarnung. Zur Entwicklung des Tagebaus Profen teilte die Mibrag im April dem Landrat des Burgenlandkreises, Dirk Könnecke, dem Bürgermeister der Stadt Lützen, dem Ortsbürgermeister von Muschwitz und dem Sprecher der Bürgerkontaktgruppe Tornau/Wuschlaub mit, dass die beiden Ortschaften Tornau und Wuschlaub am Rande des künftigen Abbaufeldes Domsen im Tagebau Profen nicht umgesiedelt würden. Dr. Bernd-Uwe Haase zur Begründung: „Wir haben den Wunsch zur Umsiedlung vieler Einwohner der beiden Ortschaften ernsthaft geprüft und sind zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass eine Inanspruchnahme der Ortschaften aus wirtschaftlichen und technologischen Gründen nicht in Frage kommt.“

    Über Einzelheiten der Entscheidung und Angebote entsprechender Maßnahmen für den Staub- und Umweltschutz werde man die Bewohner in nächster Zeit ausführlich informieren. Tornau und Wuschlaub im Burgenlandkreis hatten das Gespräch mit der Mibrag gesucht, nachdem das Unternehmen mehrmals über die Entwicklung des Tagebaus Profen vor Ort informiert hatte. Dabei wurden alle Maßnahmen vorgestellt, die dem Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Lärm und Staub dienen. Anschließend erhielt die Bürgerkontaktgruppe Tornau/Wuschlaub den Auftrag, als Alternative eine Umsiedlung zu prüfen. Die Mibrag bleibe laut Mitteilung mit den Einwohnern der beiden Ortschaften und der Stadt Lützen im Sinne einer guten Nachbarschaft weiter im Gespräch.

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