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Leipzigs Umweltdezernat will 2020 die Lobby-Konferenz für die Kanalvermarktung nach Leipzig holen

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    219.000 Euro soll die World Canals Conference (WCC) kosten, die das Leipziger Umweltdezernat 2020 nach Leipzig holen will. 219.000 Euro für möglicherweise 350 Besucher, denn in diesem Rahmen bewegen sich die Lobbyveranstaltungen der Inland Waterways International(IWI), „einer Organisation, die sich für die Erhaltung, Entwicklung und nachhaltige Bewirtschaftung von Binnenwasserwegen stark macht“, wie es das Umweltdezernat in seinem Antrag beschreibt.

    Wer sich die Homepage dieser Vereinigung ansieht, sieht auch, dass dieser Verband vor allem um die Sicherung und Neunutzung schon vorhandener Kanalsysteme kämpft, die einst für eine wirtschaftliche Nutzung gebaut wurden, heute dafür aber nicht mehr gebraucht werden. Aber wenn man sie touristisch vermarktet, können sie durchaus zu einem Magneten für die jeweilige Region werden.

    So ein Kanalsystem besitzt Leipzig nur in Rudimenten. Aber in den letzten Jahren haben die Befürworter eines Ausbaus des Elster-Saale-Kanals sich gesammelt und nutzen ihre amtlichen Möglichkeiten, das Projekt immer weiterzutreiben. Sie haben mittlerweile Berge von Studien erarbeiten lassen, die den lesefaulen Politikern in den kommunalen Parlamenten suggerieren, welches gewaltige Potenzial im Ausbau des Wassertourismus liege. Das letzte war das Auftragswerk zum „Tourismuswirtschaftlichen Gesamtkonzept für die Gewässerlandschaft im mitteldeutschen Raum“ (TWGK), in dem nicht eine einzige belastbare Zahl zum Wassertourismus vorkommt, den Städten in der Region aber ein Tourismuswachstum auf Wassergrundlage versprochen wird, das scheinbar jede verausgabte Million rechtfertigt.

    Zwar behauptete Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal, dieses Auftragswerk solle nicht zur Begründung des Ausbaus des Elster-Saale-Kanals dienen.

    Aber die diversen Lobby-Konferenzen, zu der auch World Canals Conference (WCC) gehören soll, erzählen eine andere Sprache. Denn sie sollen nichts anders vorantreiben als die Zustimmung für den weiteren Kanalausbau.

    Dass es auch bei der World Canals Conference (WCC) um nichts anderes geht, belegen die Aussagen zum „Hintergrund der World Canals Conference (WCC)“ in der Vorlage des Umweltdezernats recht deutlich.

    „Das Potential, welches in der Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes und dessen angestrebter Anbindung an das europäische Wasserstraßennetz durch den Ausbau des Saale-Elster-Kanals steckt, wurde seitens der Inland Waterways International in den Jahren 2016 und 2017 noch einmal explizit unterstrichen und erneut angeregt, dass sich die Stadt Leipzig in den kommenden Jahren für die Ausrichtung einer WCC bewirbt“, kann man da lesen. „Die IWI sieht das Leipziger Neuseenland als Ergebnis des Transformationsprozesses von einer Bergbaufolgelandschaft hin zu einer Gewässerlandschaft als enorm bedeutsamen Themenkomplex an, der mit Großprojekten wie dem Saale-Elster-Kanal vor allem international noch deutlich stärker in den Fokus gerückt werden soll.

    Und dass es explizit um den mit 106 Millionen Euro kalkulierten Ausbau des Elster-Saale-Kanals geht, wird noch einmal extra betont: „Das starke Interesse wird seitens der IWI auch dadurch ausgedrückt, dass den Leipziger Gewässerthemen drei Seiten im aktuellen, international vertriebenen IWI-Magazin gewidmet werden und der Saale-Elster-Kanal (wenn auch noch als ‚Missing-Link‘) im ‚Metro‘-Plan der Europäischen Wasserwege Berücksichtigung findet. Zusätzlich waren der Präsident der IWI und der Geschäftsführer der Scottish Canals, einem der wichtigsten IWI-Partner, mit Impulsvorträgen auf dem im Februar 2017 (im Rahmen der Messe Beach & Boat) stattfindenden Seenlandkongress in Leipzig präsent. Die internationale Sicht auf und das länderübergreifende Interesse der Gewässerlandschaft in und um Leipzig wird damit von zwei der wichtigsten Akteure im Netzwerk Internationaler Wasserwege thematisiert. Sowohl die thematische Begeisterung als auch die ideelle Unterstützung für eine Bewerbung zur Ausrichtung der WCC ist der Stadt Leipzig seitens der IWI und ihrer Netzwerkpartner gewiss.“

    Lobbyisten unter sich – allesamt begeistert.

    Der Stadtrat soll die Einladung zum Kongress der Kanal-Lobbyisten nur zur Kenntnis nehmen. Nebst dem kleinen finanziellen Risiko, das sie in sich birgt: „Die Finanzierung der WCC erfolgt über den Ticketverkauf und Sponsoringeinnahmen mit einem kalkulierten Zuschuss der Stadt Leipzig in Höhe von 35.000 € aus dem Budget des Amtes für Stadtgrün und Gewässer. Das darüber hinausgehende finanzielle Risiko beträgt 84.000 €, was einem vollständigen Ausfall der Sponsoringeinnahmen entsprechen würde.“

    Über 100.000 Euro Risiko, damit die amtlich verbandelten Kanalbefürworter in Leipzig ihren Leuchtturm-Kongress austragen können?

    Das Tourismuswirtschaftliche Gesamtkonzept glänzte ja bekanntlich auch dadurch, dass es die notwendigen und bezahlbaren Infrastrukturen für einen sanften Tourismus in der Region fast völlig ausblendete, dafür ganz keck ein Dutzend teurer „Leuchtturmprojekte“ aufführte. Unter denen tauchte auch der Elster-Saale-Kanal auf, den Heiko Rosenthal so gar nicht mit diesem Auftragsgutachten befeuern wollte.

    Das Gegenteil ist wahr, wie jetzt auch in der Vorlage aus dem Umweltdezernat zu lesen: Es geht vor allem und ausschließlich um die Leuchtturmprojekte.

    Oder im Text der Vorlage: „Das Leipziger Neuseenland entwickelt sich seit Jahren mehr und mehr zu einem wichtigen Faktor in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Im Tourismuswirtschaftlichen Gesamtkonzept (TWGK), welches am 24.08.2016 durch die Ratsversammlung der Stadt Leipzig beschlossen wurde (Vorlagennr.: VI-DS-02249), erfolgte die Ausweisung von Leuchtturmprojekten, welche die Identifikation und das touristische Image der Region stärken sollen. Sie fungieren als Motoren der regionalen touristischen Entwicklung.“

    Das war doch ein Leckerbissen für Stadträte, die nicht erst nachfragen, woher diese Behauptung von den Motoren eigentlich kommt und wie die wirtschaftliche Kostenberechnung tatsächlich aussieht.

    Und welche Rolle spielt dann die Konferenz der Kanal-Lobbyisten?

    „In den Rahmen dieser Leuchtturmprojekte lässt sich die Ausrichtung der World Canals Conference einbetten (Leuchtturm 9: ‚Mitteldeutsche Event- und Kulturlandschaft) und dient insofern als Ankerpunkt zum TWGK. Die WCC wäre hierbei ein herausragendes Beispiel zur Untersetzung dieses Leuchtturm-Projektes und würde wesentlich zur Image- und Identitätsbildung der Region beitragen. Denn obwohl der mitteldeutsche Raum bereits durch eine hohe Dichte an kulturellen Veranstaltungen geprägt ist, fehlt es an einer übergeordneten Vernetzung und Vermarktung wasserbezogener Veranstaltungen. Diese Lücke ließe sich durch die Ausrichtung einer World Canals Conference in Leipzig schließen. Teilnehmende internationale Vertreter aus dem tourismuswirtschaftlichen Sektor könnten sich mit regionalen Anbietern vernetzen sowie das Leipziger Neuseenland als Veranstaltungsort für diverse Events für sich entdecken“

    Was übrigens im TWGK 2014 schon nachlesbar war: „Messeauftritte zu den wassertouristischen Themen in der Region, Bewerbung für die World-Canals -Conferenz und Ausrichtung dieser.“ Nicht die IWI ist auf Leipzig zugekommen und hat gesagt „Toll, das müsst ihr promoten“, sondern die Leipziger haben sich von der IWI 2016 und 2017 erst mal eine Ermunterungsadresse besorgt. Die Bewerbung um den prestigeträchtigen Kongress stand längst fest.

    Nun ist auch die Kostennote draußen. Der Leipziger Stadtrat soll sie nur noch zur Kenntnis nehmen.

    Die Vorlage für die World Canals Conference (WCC).

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      1 KOMMENTAR

      1. „Das Neuseenland“ strebt eine Anbindung an das Europäiche Wasserstraßennetz an?

        Ich habe mal etwas ungläubig in den den Störmthaler See gelauscht. Aber dessen braune Ufer haben, wenn nicht gerade Jetski, Highfield, Motorboote und Quads dröhnen – nichts gesagt. Er hat geschwiegen. Vielleicht weil er 60 Jahre lang mit Maschinen so richtig gebrüllt hat. Über den Abbau der Braunkohle bis hin zur „Sanierung“.

        Um so vernehmlicher haben sich von Beginn an die Menschen geäußert. Die wollen eine Renaturierung. Sind lediglich für sanften Tourismus. 25 % wollen gar keinen Tourismus.
        Belastbar nachlesbar in der von Berkner betreuten Studie „Vom Braunkohletagebau zum See“.
        Im Gegensatz zum verlogenen Gelaber der Politik, bei dem nichts belastbar ist. Allen voran Jung und Rosenthal, Tillich und Köpping, Dulig und Berkner, Schulz und Lantzsch.
        Also, warum so verlogen, „liebes“ Amt für Stadtgrün und Gewässer? Benennt diejenigen mit Namen und Hausnummer, die Kommerzialisierung und Eventisierung (wobei man vielleicht lieber Infantilisierung sagen sollte) in Wahrheit wollen!
        Lantzsch sagte in dieser Studie übrigens, sie wisse daß die Menschen etwas anderes wollen als das, was (von der Politik) gemacht wird.

        Und die Leipziger Stadräte? Diskutieren über sexistische Werbung. Kann man machen, wenn das Andere nicht außen vor bleibt. Da ist die Perspektive deutlich verschoben.

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