Für FreikäuferEs wird gebaggert, trotz alledem. Seit dem Frühjahr ist der Pleißeradweg in Markkleeberg gesperrt, denn die LMBV hat hier mit den Arbeiten zur Störstellenbeseitigung in der Pleiße begonnen. Aber gebaggert wird noch nicht. Denn der Verdacht auf Kriegsmunition verzögert den Beginn der Baggerarbeiten noch, teilte der Bergbausanierer am 24. August mit.

Eigentlich hatte man nicht damit gerechnet, in diesem Pleißeabschnitt Weltkriegserinnerungen zu finden. Für das Baufeld wurden im Vorfeld der Arbeiten Informationen beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Freistaates Sachsen (KMBD) eingeholt, inwieweit mit einer Gefahr durch Kampfmittel im Baufeld zu rechnen sei, teilt das Unternehmen mit. Die dahingehenden Aussagen ließen keine Belastung mit derartigen Fundstücken erwarten.

Aber aus Sicherheits- und Vorsorgegründen wurde das Baufeld vor Beginn der eigentlichen Nassbaggerarbeiten dennoch mittels eines geomagnetischen Verfahrens untersucht. Die daraus resultierenden Messergebnisse ergaben im Widerspruch zu den ursprünglichen Annahmen aber eine Vielzahl sogenannter Verdachtsmomente im Gewässer und den angrenzenden Uferbereichen.

Deswegen finden momentan im Baubereich der vorgesehenen Störstellenbeseitigung der Pleiße Arbeiten zur Suche und Bergung von Kampfmittel-Verdachtsmomenten statt.

Aber tatsächlich bestätigen die Funde bislang, dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst Recht hat. Was gefunden wird, ist Zeugnis für die Wegwerfmentalität der Markkleeberger. Denn bei den bislang geborgenen Funden handelte es sich nicht um Munition. Vielmehr wurde ziviler Schrott wie Fahrräder, Badeöfen und Geldkassetten gefunden.

Trotzdem will man vorsichtig weitermachen und nach möglichen Kampfmitteln suchen. Die Dauer der gesamten Suche im Baufeld sei derzeit nicht abzuschätzen, so die LMBV, da diese abhängig sei von der Größe und Tiefenlage der einzelnen Objekte. In den laufenden engen Abstimmungen zwischen der LMBV und allen weiteren am Vorhaben Beteiligten werde aktuell eine Lösung angestrebt, welche es ermöglicht, ab Mitte Oktober in den ersten Bereichen des Baufeldes mit den vorgesehenen Arbeiten zur Störstellenbeseitigung beginnen zu können.

Damit konnte der Beginn der Nassbaggerarbeiten im Gewässer zum geplanten Termin 1. August 2017 aus nachvollziehbaren Gründen der Gefährdungsvermeidung nicht eingehalten werden, so das Unternehmen. Die derzeitigen Arbeiten zur Suche und Bergung dieser gemessenen Objekte erfolgt unter der Kontrolle und Regie des Freistaates Sachsen (KMBD) und wird in dessen Auftrag durch die Firma Schollenberger Kampfmittelbergung ausgeführt. Die Suche und Bergung erfolgt einerseits durch Einsatz von Tauchern bei Messpunkten im Wasser, andererseits durch eine weitere Suchgruppe für die landseitigen Objekte.

Und von anderer Seite sieht man das Ganze sowieso mit Unbehagen, denn der Fund der geschützten Grünen Keiljungfer an der Pleiße hat zwar die Baggerarbeiten verzögert – aber nicht zur grundsätzlichen Einstellung dieses Projektes geführt.

„Der Nachweis der Grünen Keiljungfer hat auf die technisch-technologischen Planungen/Ausführungen keine Änderungen bewirkt“, teilte die LMBV im Frühjahr dazu mit. „Es sind alle naturschutzfachlichen Bedenken ausgeräumt und im Baugeschehen werden keine offenen Fragen geklärt.“

Etwas, was der NuKLA e.V. nach wie vor nicht so sieht. Das entsprechende Statement von Wolfgang Stoiber finden Sie hier.

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Sprache formt Wahrheit….
Es gibt keine “Störstellen” in der Pleiße.

Es gibt Vorstellung kommunaler und Landespolitiker incl. der Verwaltung (Landesdirektion, Regionaler Planungsverband uswusf.), Gewässer zu Straßen umzubauen. Dem fehlt eine wesentliche Grundlage – Verkehr. Volkswirtschaftlich maßgeblicher Güter- und Personenverkehr, der Grundlage für den Bau von Straßen, auch Wasserstraßen, ist. (Naherholung, Freizeit, Tourismus sind kein “Verkehr”).
Das wäre i.Ü. ncoh vor deiner Umweltprüfung zu benastanden und zu prüfen gewesen: die verkehrstechnische Notwendigkeit der Kanalisierung der Pleiße und deren Umwandlung in eine Straße. Erst wenn dies feststünde, wären auch naturschutzfachliche Belange zu prüfen gewesen. Doch so ist das, wenn in der nichtexistenten Steuerungsgruppe Projekte gleichzeitig beschlossen, genehmigt, umgesetzt und kontrolliert werden.

Statt die durch den Braunkohletagebau umverlegte Pleiße zu renaturieren (wie es das gesetzliche Leitbild vorschreibt), wird die Pleiße in einen Betontrog verwandelt. So, wie die östlich gelegene Elster. Deren Renaturierung gewünscht wird, für die aber angeblich kein Geld vorhanden ist.

Das ist schizophren.
Wie singt Axel Prahl: “Seit ich schizophren bin, bin ich nicht mehr allein.” Dumm nur nur, wenn man dann nicht mehr alle beieinander hat.

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