Für die Verockerung der Pleiße im Leipziger Südraum deutet sich eine tatsächlich sinnvolle Lösung an

Für alle LeserDie Frage lautet am Ende gar nicht, wie man die Eisenbelastung aus der Pleiße herausbekommt, sondern wie man dafür sorgen kann, dass die Eisenausschwemmungen gar nicht erst ins Pleiße-Wasser gelangen. Die Einleitung des belasteten Pleiße-Wassers in den Kahnsdorfer See ist dabei augenscheinlich vom Tisch und nicht einmal genehmigungsfähig.
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Das war Thema beim jüngsten Pleiße-Workshop am 11. April. Diese Workshops gibt es jetzt regelmäßig zwischen den Anwohnern und Betroffenen aus dem Gebiet um Hainer und Kahnsdorfer See und der für die Bergbaunaturierung verantwortlichen LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft), die eine Lösung dafür finden muss, dass die Pleiße, die beim Durchfließen der alten Bergbauhalden eine für Flora und Fauna hochgradig schädigende Last an Eisensulfiden mitnimmt, wieder sauber wird. Die Eisensulfide werden durch das Grundwasser aus den alten Abraumhalden in den kleinen Fluss ausgeschwemmt.

Seit 2007 sucht die LMBV nach einer Lösung für das Problem. Ihre Lösung, die sie am Ende vorstellte, traf im Raum der Betroffenen auf blankes Entsetzen. Zwar macht es ingenieurtechnisch irgendwie Sinn, das ockerbraune Wasser in den Kahnsdorfer See zu leiten und die belasteten Sedimente dort ausfällen zu lassen.

Aber das Projekt würde wohl durch den Überlauf auch den benachbarten Hainer See gefährden. Der ist längst wieder belebt, beliebt und besiedelt. Entsprechend machten die Seeanrainer seit vergangenem Jahr Druck, die LMBV zu anderen Lösungen für das Ockerproblem zu gewinnen.

Die braune Pleiße (unten) am Stausee Rötha (linnks). Oben der Kahnsdorfer See und darüber der Hainer See. In der Bildmitte die Kleine Pleiße. Foto: LMBV

Die braune Pleiße (unten) am Stausee Rötha (linnks). Oben der Kahnsdorfer See und darüber der Hainer See. In der Bildmitte die Kleine Pleiße. Foto: LMBV

Seitdem gibt es die Workshops, in denen Prof. Dr. habil. Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle Leipzig des Planungsverbands Westsachsen, moderiert. Und so wurde etwas möglich, was Bürger sonst eher selten erreichen: Die Fachleute mussten ihnen das Projekt detailliert und mit allen Folgen erläutern.

Und zwar nicht nur die für die LMBV, die sich ja bekanntlich in der Lausitz mit der verockerten Spree mit einem genauso gelagerten Problem herumschlagen muss. Sondern auch mit den Folgen für die Region und die Hürden der Genehmigung.

Im Verlauf der Erörterung wurde freilich auch deutlich, dass die Einleitung der Pleiße in den Kahnsdorfer See zwar ingenieurtechnisch machbar ist und auch gewisse Effekte bringen würde. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre das Vorhaben nicht einmal genehmigungsfähig – auch weil es nur einen Teil des Problems löst.

Dafür schält sich mittlerweile ein anderer Ansatz heraus, der das Problem tatsächlich bei der Wurzel packt. Denn wenn die Pleiße gar nicht erst die ganzen Eisensulfate aufnimmt, wird sie ja auch nicht zur ockerfarbenen Brühe.

Man merkt schon, dass auch mal neue Gedanken ins Rollen kommen, wenn Betroffene selbst Ideen einbringen. Denn eine Idee lag ja nahe, weil ja auch die Wasserqualität des Hainer Sees eigentlich Wasserzufluss braucht. Dazu war ja auch ursprünglich die Einleitung der Pleiße in den Kahnsdorfer See mit Überleitung des Wassers in den Hainer See gedacht.

Aber warum dann nicht gleich einen Teil des Pleißewassers vorher in den Hainer See leiten, bevor das Wasser verockert wird? Im Workshop wurde darüber diskutiert, die Wyhra, bevor sie in die Pleiße mündet, einfach in den Hainer See zu leiten – dann wäre sofort weniger Wasser in der Pleiße, wenn sie auf ihrer künstlich gebauten Umleitungsstrecke durch die alten Abraumhalden fließt. Es wäre sauberes Wasser, das in den Hainer See fließt, und das Problem der Verockerung wäre schon mal halbiert.

Was ja die Beteiligten auf Gedanken bringt – erst recht, wenn auch die Landestalsperrenverwaltung, die ja für diese Flüsschen im Südraum zuständig ist, Zustimmung signalisiert. Da könnte man dann nicht nur die Wyhra in den Hainer See leiten, statt in die Pleiße. Und der Gedanke liegt ja nahe: Warum nicht gleich auch die Pleiße? Dann schwemmt sie die Eisensulfate gar nicht erst aus, denn dann muss sie ja nicht durch das Abraumgebiet fließen.

Die Workshop-Teilnehmer sind sich mittlerweile augenscheinlich einig, dass man über die alten, nicht wirklich zielführenden Varianten nicht mehr debattieren möchte. Das Wasser von Wyhra und Pleiße würde helfen, die Wiederversauerung des Hainer Sees dauerhaft zu verhindern. Lediglich der Seeabfluss müsste deutlich größer werden.

Und die künstliche Umleitungsstrecke, durch die die Pleiße heute fließt, wäre trotzdem noch von Nutzen – nämlich für Hochwasserfälle, wenn die beiden Flüsschen doch mal mehr Wasser heranschaffen.

An 300 Tagen im Jahr würde der Kahnsdorfer See ganz gut als Eisenfalle für die Pleiße funktionieren

 

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