Rettet die Weinteichsenke

Bürgerinitiative Markkleeberg Ost will die Markkleeberger mit Postkarten wachrütteln, das kostbare Bach-Biotop zu erhalten

Für alle LeserDie kleine Große Kreisstadt Markkleeberg im Leipziger Süden platzt aus allen Nähten. Im Grunde hat sie die Grenzen ihres Wachstums erreicht, weil kaum noch freies Bauland zu finden ist. Aber jetzt sorgen Pläne, mitten im Einzugsgebiet der Weinteichsenke neue Wohnbebauung auszuweisen, für Streit. Denn das Gebiet sollte längst unter Naturschutz gestellt sein. Schon 2013 gab es hier Ärger, weil die Stadt Markkleeberg hier eine Umgehungsstraße bauen wollte.

Seit Monaten sorgen die neuen Pläne, hier zwei Baugebiete auszuweisen, für Besorgnis.

„Der Vorentwurf des fortgeschriebenen Flächennutzungsplanes der Stadt Markkleeberg beinhaltet zwei Bebauungsgebiete an der Weinteichsenke und die Option einer Straße mit der Linienführung der einst geplanten S 46“, stellt jetzt entsetzt die Bürgerinitiative Markkleeberg Ost fest. Die alten Pläne werden also einfach wieder aufgenommen, obwohl seit 2017 der Antrag des Ökolöwen beim Umweltamt des Landkreises Leipzig vorliegt, das seltene Biotop endlich unter Schutz zu stellen.

Die Bürgerinitiative Markkleeberg Ost und der Ökolöwe Umweltbund Leipzig e.V. hatten schon Anfang 2017 einen fachlich fundierten Antrag auf landschaftliche Unterschutzstellung der Weinteichsenke – mitsamt ihren Feldflächen – bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises eingereicht und dem Bürgermeister von Markkleeberg übergeben. Damit wäre die wertvollen Pleißen-Bachaue bekundet und begründet gewesen. Die von den Feldflächen aufgenommenen Niederschläge speisen den Bach und sorgen für Kühlung und Befeuchtung der Luft. Sie garantieren den ökologischen Wert der Bachaue mit ihren charakteristischen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere.

Doch genau im Einzugsgebiet will die Stadt Markkleeberg zwei Bauflächen ausweisen ohne Rücksicht auf Landschaftsverluste.

Der Entwurf des Flächennutzungsplans liegt momentan den Stadträten vor und wird von ihnen begutachtet. Ihr Votum ist ausschlaggebend für alle folgenden Planungsschritte. Denn wen erst Wohnbebauung ermöglicht wird, sind die Interessenten, die dann wirklich bauen wollen, nicht weit.

Angedacht ist eine Bebauung südlich des Friedhofs bis an die bestehende Siedlung sowie nördlich der gesamten Rilkestraße von der Gartenanlage „Schöne Aussicht“ bis zum Bach.

„Die Dringlichkeit des Landschaftsschutzes, der zugleich Klimaschutz und Artenschutz bedeutet, ist leider immer noch nicht im Bewusstsein der Verantwortung Tragenden angekommen“, mahnt die Bürgerinitiative Markkleeberg Ost. „Unser Antrag wurde bis heute nicht vom Landratsamt bearbeitet und der Flächenverbrauch schreitet ungehindert fort.“

Und sie verteilt jetzt Postkarten an die Markkleeberger Haushalte, um Mitstreiter zu gewinnen, die das Vorhaben verhindern helfen.

2018 freilich hat die Stadt Markkleeberg schon die ersten Pflöcke eingeschlagen und in ihrem Leitbild bereits eine Randbebauung dieses sensiblen Raumes anvisiert. Der neue Flächennutzungsplan der Stadt Markkleeberg ist in Arbeit.

In Leipzig dagegen ist der dortige winzig kleine Teil des Auengebietes bereits seit langem Landschaftsschutzgebiet. Zudem will Markkleeberg jetzt oberhalb des Areals das Gewerbegebiet rund um den Globus-Baumarkt massiv vergrößern. Dies würde das Quellgebiet des Pleißenbachs Weinteichgraben tangieren. Auch die Gefahr besteht, dass er dann komplett versiegt.

Der neue Bebauungsplan der Stadt steht im Frühjahr zur Beschlussfassung. Dann sind natürlich alle Bemühungen, Aufmerksamkeit für das Kleinod zu schaffen, zu spät. Die Fraktionen von SPD, AfD und CDU im Markkleeberger Stadtrat stehen bislang eher für ungezügelte Bautätigkeit.

Mit ihrer Postkarte wollen die „Freunde der Weinteichsenke“ von der Bürgerinitiative Markkleeberg Ost die Markkleeberger dazu aufrufen, sich am öffentlichen Prozess zum Flächennutzungsplan zu beteiligen und die Weinteichsenke auch künftigen Generationen als natürliches Bacheinzugsgebiet zu erhalten.

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