Eine Frage von Geld und Wählerstimmen

Schafe to go: Warum Sachsen zur Wolfsjagd bläst

Für alle LeserLZ/Auszug aus Ausgabe 49Am 27. Oktober 2017 ist es so weit, erstmals in Sachsen. Umweltminister Thomas Schmidt ordnet die „letale Entnahme“ eines nicht näher bestimmten Wolfes des „Rosenthaler Rudels“ in der Lausitz bei Bautzen an, über das Landratsamt Bautzen soll die Genehmigung exekutiert werden. Doch dazu kommt es nicht, die „Grüne Liga Sachsen e.V.“ findet in Andreas Lukas von der Rechtsanwaltskanzlei Baumann einen schnellen Juristen, welcher am 3. November 2017 die fröhliche Jagd mit Verweis auf den europaweiten strengen Schutz des Wolfes schon wieder beendet. Per Widerspruch am Verwaltungsgericht Dresden, die Entscheidung steht aus und dürfte nicht vor Ende des Jahres erfolgen. Nach derzeitiger Rechtslage stehen die Chancen gut, dass in der Lausitz vorerst die Büchsen nicht knallen werden.

Der konkrete Wolf wurde vorher nicht erfasst und markiert, wahllose Abschüsse jedoch sind vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Und es mehren sich die Zweifel, ob in Sachsen wirklich alles – wie von den strengen Schutzvorgaben für den Wolf gefordert – unternommen wurde, um Deutschlands größtes Raubtier von den Schafen fernzuhalten.

Parallel dazu kocht das Internet über, Tierschützer fahren ins ländliche Sachsen, messen Zaunhöhen, stellen fehlende Stromzäune fest, beginnen den Züchtern vor Ort Fragen zu stellen, wollen den Abschuss verhindern. Ein wilder Schlagabtausch beginnt, von Wolfsübergriffen betroffene Schäfer fühlen sich zu Unrecht beobachtet, fordern die Tötung der Tiere und rufen gar zur Selbstjustiz auf. 200 Schafsrisse sollen in den vergangenen Jahren auf das Konto der in der Presse schon als „Problemrudel“ bezeichneten Wölfe im Revier gehen, der Bautzner Landrat und Hobby-Schafszüchter Michael Harig (CDU) forderte im Sommer 2017 bereits die Erschießung aller Wölfe des Rudels.

Die Tiere hätten gelernt, wie man ordnungsgemäße Schutzmaßnahmen überwinde, so das Argument der Abschussbefürworter. Und man habe alles versucht, die Tiere von den Schafen fernzuhalten. Diese Maßnahmen bestehen aus stromführenden Zäunen von mindestens 90 Zentimetern Höhe, optisch aufgewertet durch darüber wehendem Flatterband. Eigentlich müsste natürlich noch ein Untergrabungsschutz dazu und die 90 Zentimeter Höhe sind eine Art behördliches Mindestmaß. Dazu gedacht, im Falle von Wolfsrissen Schadensausgleich vom Freistaat Sachsen zu erhalten.

Fehlender Untergrabungsschutz und kein Strom am Zaun im Wolfsrevier Rosenthal. Foto: Wolfsschutz Deutschland e. V.

Fehlender Untergrabungsschutz und kein Strom am Zaun im Wolfsrevier Rosenthal. Foto: Wolfsschutz Deutschland e. V.

Die von rund 400 Tierhaltern beantragten und ausgereichten staatlichen Unterstützungen für Schutzmaßnahmen hingegen betrugen 2015 305.700 Euro, 2016 waren es dann 338.000 Euro (bei knapp 500 beantragenden Haltern) und in 2017 dürften die Zahlen ähnlich ausfallen. Bis Oktober dieses Jahres wurden bislang 183.200 Euro ausgereicht, damit die Halter ihre Tiere schützen können.

Die Zahlungen für Schäden durch Wolfsrisse lagen 2015 bei 18.100 Euro, 2016 bei 41.900. Nähme man an, alle 200 toten Schafe würden auf das Konto des „Rosenthaler Rudels“ gehen (was eher nicht der Fall ist), wären dies also 300 Euro pro Schaf.

Kleinteilige Strukturen, geringe Einnahmen, fehlender Schutz

Betrachtet man jedoch mal die Struktur der Schafshalter, bestätigt Frank Meyer, Pressesprecher des Umweltministeriums Sachsen auf LZ-Nachfrage, eher kleinteilige Strukturen in der sächsischen Nutztierhaltung. „Im Freistaat werden nach Angaben der Sächsischen Tierseuchenkasse in etwa 15.000 Tierhaltungen ca. 133.000 Schafe und ca. 15.000 Ziegen gehalten. Ein Großteil der Haltungen sind dem Bereich der Hobbyhaltungen zuzuordnen.“ Um genau zu sein, entfallen pro Halter also rund 10 Tiere im Schnitt – viele involvierte Menschen also, bei wenigen Tieren und wenig Wirtschaftlichkeit.

Betrachtet man nur die wirklich gewerblichen Tierhalter nach Angaben Meyers, besteht die durchschnittliche Schafsherde in Sachsen aus etwa 83 Tieren. Das übliche Bild eines frei umherziehenden Schäfers mit ein paar hundert Schafen trifft also auf Sachsen eher nicht zu. Doch selbst wenn, die in den vergangenen Jahren gefallenen Abnahmepreise bei Wolle und für den Lammbraten bringen selbst größere Züchter zunehmend unter Druck.

Selbstjustiz im Netz. Bei Facebook deutet jemand an, Wölfe selbst töten zu wollen, 5 weiteren gefällt das. Screen Facebook

Selbstjustiz im Netz. Bei Facebook deutet jemand an, Wölfe selbst töten zu wollen, 5 weiteren gefällt das. Screen Facebook

Alles in allem gesehen, steht also jede Investition in mehr Schutz, höheren Zäunen oder gar Herdenschutzhunden eine Kosten-Nutzenfrage gegenüber. Und das allzumenschliche Spiel „mich wird es schon nicht treffen“ beginnt. Nach den verbandsweit durchgesetzten Herdenschutzmaßnahmen befragt, meldet sich der Sächsische Schafs- und Ziegenzüchterverband zwar kurz telefonisch zurück, die schriftlichen LZ-Fragen beantwortet man dann doch lieber nicht. Vielleicht auch, weil man weiß, dass natürlich im Schutz der Nutztiere weit mehr ginge, als die amtlich angegebenen 90 Zentimeter beim Zaun und ein bisschen Flatterband darüber. Und Schadenersatz gibt es auch, hält man sich an die Minimalbestimmungen.

Das Problem dabei: Werden auf diese Art Wölfe daran gewöhnt, sich die leichte Beute ohne Fluchtmöglichkeit auf der Weide zu holen (was auch zu „Mehrfachbissen“ verschiedener Tiere führt), passieren gleich zwei Dinge auf einmal. Die natürliche Rudelgröße, welche immer mit der Verfügbarkeit von Raum und Wildbestand korrespondiert, wird quasi künstlich erhöht. Gleichzeitig müssten sich eigentlich die sächsischen Jäger ärgern, denn der Wolf sorgt für einen gesunden Wildbestand, da er in freier Bahn vor allem schwache Tiere reißt und die anderen Tiere „fit hält“.

Vor allem aber erzieht der Mensch Stück um Stück selbst den Wolf, sein Nachtmahl in seiner Nachbarschaft einzunehmen und produziert so eine Gefahr, welche er selbst nach jeder Wolfsmahlzeit bitter beklagt. Und, wie im Falle des „Rosenthaler Rudels“, nach Mord und Totschlag ruft. Fast könnte man sagen: erst wird der Imbiss im Wolfsrevier aufgebaut, ein Schild „Schafe to go“ angebracht und anschließend am Kamin die mittelalterliche Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf vorgelesen. Aus einer Zeit also, in der man noch nicht einmal elektrischen Strom kannte und den Wolf Stück um Stück ausrottete.

Wölfe sind keine Wähler und die Sache mit den Herdenschutzhunden

Schutzmaßnahmen hingegen kosten Geld. Kosten, die das Land Sachsen nunmehr seit 2007 mit immerhin 60 Prozent und seit 2015 mit 80 Prozent der Anschaffungsinvestitionen fördert. Die verbleibende Restzahlung scheint schon zu genügen, dass Hobbyschafhalter es beim 90-Zentimeter-Zäunchen belassen und – wie Tierschützer bei Bautzen vor Ort beweisen konnten – auch mal den Strom am Zaun vergessen.

Die wirksamste Waffe gegen einen Wolf jedoch kostet auch Mühe und echte Zuwendung zum „Beruf“ – in kleinteiligen Hobbystrukturen eher weniger anzutreffen. So kann ein Herdenschutzhund wie beispielsweise ein Pyrenäen-Berghund oder gar ein Kaukasischer Owtscharka in der Anschaffung 5.000 Euro und bei der jährlichen Unterhaltung (nicht gefördert) 1.000 Euro kosten. Stark eigenständige Hunderassen, gegen die ein Wolf zu jeder Tageszeit keine Chance hat und traditionell eher meidet. 1 bis 2 von diesen Tieren pro 100 Schafe reichen jedoch, um letztlich sogar den Zaun wegfallen lassen zu können.

Michael Kretschmer (CDU) wurde am 18. November 2017 beim Bautzner Kreisparteitag aufgefordert, sich für die Jagdfreigabe auf den Wolf einzusetzen. Gegen EU-Schutzrichtlinien. Foto: L-IZ.de (Leipzig)

Michael Kretschmer (CDU) wurde am 18. November 2017 beim Bautzner Kreisparteitag aufgefordert, sich für die Jagdfreigabe auf den Wolf einzusetzen. Gegen EU-Schutzrichtlinien. Foto: L-IZ.de (Leipzig)

Wahrheiten, mit denen man das „Wolfsproblem“ neben deutlicheren Schutzmaßnahmen und etwas mehr Zuschüssen also lösen könnte. Wahrheiten, die man bislang in Bautzen, im Landratsamt und im Umweltamt Sachsen eher ungern hören möchte. Denn sie kosten Geld und mehr Überzeugungsarbeit bei den eigenen Stammwählern.

Am Wochenende, 18. November 2017, war der designierte Ministerpräsident Sachsens, Michael Kretschmer, beim Bautzner Kreisparteitag zu Gast. Dort legten die Bautzner CDU-Mitglieder ihm unter anderem die Forderung vor, den Wolf vollständig ins sächsische Jagdrecht aufzunehmen und somit allgemein zum Abschuss freizugeben. Er sei aufgrund der Populationsentwicklung keine bedrohte Tierart mehr. Widerspruch Kretschmers ist nicht bekannt, er ist derzeit damit befasst, möglichst viele CDU-Mitglieder vor seiner Wahl am 13. Dezember 2017 hinter sich zu versammeln. Ob die SPD diesen erneuten Vorstoß gegen geltendes Artenschutzrecht mitträgt, wird sich noch herausstellen – ohne diese Stimmen kommt Kretschmer nicht ins Amt.

Ein wenig erinnert diese Geschichte zudem an die restliche sächsische Politik seiner Partei. Auch bei den Lehrerzahlen, den Kindergartenstellen, bei Staatsanwaltschaften und den Polizei- und Justizbeamten wurde und wird im Freistaat immer nur soviel finanziert, damit das System gerade noch irgendwie läuft. Koste es was es wolle. Was interessiert da also den kommenden Ministerpräsidenten Europäisches Artenschutzrecht, wenn der Schutz dessen Geld kosten könnte?

Wölfe gehen selten wählen.

Mehr rings um die Wolfsjagd in der Lausitz unter l-iz.de/tag/woelfe

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 49: Von hungrigen Wölfen, Müllskandalen und strammen Professoren kurz vor Hitler

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Foto: Ralf Julke

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