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Erstes Vorstandsmitglied der Freien Wähler Sachsen fordert Steffen Große zum Rücktritt auf

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    Das war dann eine eigenwillige Aktion zu viel, mit der Steffen Große, bis dato Landesvorsitzender der Freien Wähler in Sachsen, auch das Vertrauen einiger Verbandsmitglieder verspielte, als er am 22. April einen Offenen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer schrieb: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, wir fordern die sofortige Beendigung des Lockdowns in Sachsen, das Ende der Kontaktsperre, die sofortige Öffnung aller Schulen und Kindereinrichtungen, Freibäder, Geschäfte sowie gastronomischen Einrichtungen und die sofortige Normalisierung des Lebens im Freistaat Sachsen.“

    Was dann alles in seinem Brief stand, war nur mit einigen Vorstandsmitgliedern der Freien Wähler abgestimmt. Mitunterschrieben hatten Dr. Mario Stein, stellvertretender Landesvorsitzender und Vorsitzender Fachausschuss Gesundheit, und Heike Oehlert, Kreisvorsitzende Landkreis Leipzig, Fachausschuss Gesundheit.

    Von einem „Wir“ konnte eindeutig keine Rede sein, auch wenn zahlreiche sächsische Medien Großes Forderung aufgriffen und sie als Haltung der Freien Wähler Sachsen insgesamt verkauften. Doch andere Vorstandsmitglieder teilen Großes Ansicht nicht, dass die Lockdown-Maßnahmen in Sachsen jetzt schon aufgehoben werden können und, so Große, „in Sachsen (…) die Covid-19-Welle überwunden“ ist.

    Der Offene Brief von Steffen Große.

    Das Sahnehäubchen war dann der letzte Absatz in Großes Brief: „Professoren und Doktoren, die andere wissenschaftliche Analysen erstellen, werden als Verschwörungstheoretiker verpönt. Das mag eine Weile funktionieren, aber Sie als Ministerpräsident sollten es besser wissen. Die Sachsen werden nach Überwindung dieser künstlich erzeugten Panik wieder zu Fach- und Sachverstand umkehren und die Regierung erhält dann ein Zeugnis. Mit freundlichen Grüßen.“

    Mit seiner Einschätzung geriet Große schon extrem nah an die Verlautbarungen diverser „Experten“, die die Zahlen des Robert-Koch-Instituts – mal vorsichtig formuliert – sehr eigenwillig und fachlich falsch interpretieren.

    Große – der eigentlich Diplom-Journalist ist und wissen müsste, wie man mit Fakten und Formulierungen umgehen muss – hatte formuliert: „Wie aus den Medien, Statistiken des RKI und anderen Quellen zu entnehmen ist, ist Covid-19 nicht gefährlicher als Influenza und viele andere Krankheiten der Welt, auf die nicht derart reagiert wurde und wird. Wollen Sie bei künftigen vergleichbaren Viren, mit denen der Mensch hunderttausendfach seit 1000en Jahren lebt, wieder Sachsen auf de facto Null fahren? Steigende Arbeitslosigkeit, mehr Insolvenzen, wirtschaftliche Einbußen müssen in der Waage ja auch gesehen werden. Bürden wir diese unseren Kindern auf? Oder uns? Schon jetzt hat Deutschland die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast.“

    Kein ernst zu nehmender Virologe behauptet, die durch das Virus Sars-CoV-2 ausgelöste Virus-Erkrankung Covid-19 sei „nicht gefährlicher als Influenza“. Dazu Wikipedia zitiert: „Bei rund 81 % der registrierten Infektionen verläuft die Krankheit nur mit Fieber oder einer leichten Lungenentzündung; bei etwa 14 % der Fälle verläuft sie schwerer, und in etwa 5 % so schwer, dass eine intensivstationäre Betreuung notwendig und der Zustand kritisch bzw. lebensbedrohlich ist.“

    Am Freitagabend, 24. April, forderte jetzt Denise Wendt, stellvertretende Landesvorsitzende der Freien Wähler Sachsen, den Rücktritt von Große als Landeschef. Und das mit sehr deutlichen Worten.

    „Der Landeschef Steffen Große hat den Stress- und Charaktertest in der Coronakrise eindeutig nicht bestanden“, lässt sich Denise Wendt, die auch Bundesvorstandsmitglied der Freien Wähler ist, zitieren. Fachliche sowie menschliche Kompetenzen lassen laut Wendt am Sach- und Fachverstand der Freien Wähler starke Bedenken zurück.

    „Es nutzt niemandem von uns, mitten in einer Pandemie in den jeweiligen verantwortlichen Positionen sich mit Spekulationen in diesem Maße zu profilieren“, so die 25-Jährige weiter. „Im Namen der großen Mehrheit der Kreisverbände der Freien Wähler Sachsen entschuldige ich mich persönlich bei den von der Pandemie betroffenen Menschen. Ich weiß um die übermenschlichen Anstrengungen derer, die zur Eindämmung der Pandemie beitragen, und bedanke mich für das Vertrauen und das hohe Engagement.“

    Zum Inhalt des Offenen Briefes, den Steffen Große an den sächsischen Ministerpräsidenten geschickt hat, äußert sich Denise Wendt, welche auch selbst Mitglied im sächsischen Landesvorstand ist, so: „Die Aufgabe, die Bund und Länder, Medizin und Wissenschaft zurzeit tragen müssen, entspricht den Vorstellungen und aktuellen Wissensstand und lässt keinen Spielraum für derartige Spekulationen zu. Es wurde vom Landeschef Große absichtlich Fachwissen negiert, entgegen jeglicher menschlicher Vernunft. Selbstverständlich kann man – und das tun wir auch – über einzelne Maßnahmen diskutieren und nicht alles immer für richtig halten, was vorgeschlagen wird. Doch die Pandemie mit dem Coronavirus darf nicht verniedlicht werden. Das ist unverantwortlich. Im Übrigen: Zu keinem Zeitpunkt wurde diese Veröffentlichung mit der breiten Basis der Freien Wähler abgestimmt, was einen deutlichen Vertrauensbruch gegenüber den Mitgliedern darstellt.“

    Und aus diesen Gründen fordert Denise Wendt den sofortigen Rücktritt von Steffen Große als Landeschef der Freien Wähler Sachsen.

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