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1. FC Lok Leipzig vs. BFC Dynamo 3:2 – Unter der schützenden Hand des „Fußballgottes“

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    Kleines Fußball-Wunder in Probstheida. Der 1. FC Lok hat im Duell der ewigen Rivalen den BFC Dynamo mit 3:2 (1:1) besiegt. Djamal Ziane und Felix Brügmann drehten das Spiel in den letzten 13 Minuten, nachdem Leipzig vor 5.401 Zuschauern fast eine Stunde in Unterzahl agieren musste. Zickert war nach einer Notbremse des Feldes verwiesen worden. Auf der Tribüne gab ein alter Fußballgott Brügmanns letztem Ball seinen Segen.

    Als Felix Brügmann zum letzten Mal im BFC-Strafraum den Ball bekommt, sitzen die meisten Zuschauer auf der Holztribüne noch. Eine Sekunde später stehen gleich mehrere Dutzend auf den blauen Schalensitzen, auf der Suche nach Umarmungsobjekten und einem Ventil für ihre Ekstase. Brügmann war es gelungen, Benjamin Hendl zu überlupfen und das Prestigeduell für Lok zu entscheiden. „So laut war es lange nicht mehr“, berichtete Stadionsprecher Mirko Linke nach dem Spiel. Direkt vor der Tribüne stehend bekam er den Jubel-Orkan quasi direkt ins Gesicht.

    Auf der Tribüne atmete einer direkt auf: „Ich habe dem letzten Ball meinen Segen gegeben“, witzelte René Heusel, immer noch Rekordtorjäger und Rekordspieler in Probstheida. „Besser hätte ich es selbst nicht machen können.“ Und Heiko Scholz hätte das Finale furioso beinahe verpasst. „Ich war froh, dass er Ball im Aus war und wir Zeit hatten. Erst als die Leute auf der Tribüne laut wurden, habe ich mich umgedreht und den Ball noch ins Tor gehen sehen.“

    Felix Brügmann, der Schütze des Leipziger Siegtores, im Duell mit dem Berliner Malembana. Foto: Jan Kaefer
    Felix Brügmann, der Schütze des Leipziger Siegtores, im Duell mit dem Berliner Malembana. Foto: Jan Kaefer

    Währenddessen hatte Brügmann mit Becker Blickkontakt aufgenommen. „Becks sah mich, ich hatte die Situation erahnt und dann gelupft.“ Becker hatte einen Einwurf schnell ausgeführt, Brügmann war hinter die Innenverteidiger des BFC gesprintet. Der Stürmer war überraschend in der Startelf und machte seine Sache stark, zog Sprints bis in die 90. Minute an, wackelte sich mit seinem Hintern in seine Gegenspieler rein, blockte frei, spitzelte und traf. „A la bonheur wie er heute abgegangen ist“, lobte ihn sein Trainer. Brügmann hatte nach dem Spiel andere Prioritäten gesetzt. „Ich brauch erstmal ein Sauerstoffzelt“, sprach er mit hochrotem Kopf und sichtlich kaputt.

    Der Reinbeker profitierte von einer Systemumstellung der Lok-Mannschaft, die sich taktisch an der Dreierkette des BFC orientierte und in einem 4-2-4 das Spiel aufbaute. Ehe die Berliner Gäste damit zurechtkamen, stand es 1:0 für Leipzig. Brügmann und Misch hatten schon in den ersten neun Minuten dicke Einschussmöglichkeiten, letztlich traf Becker per direktem Freistoß. Die Lok belohnte sich für die Feuerwerks-Viertelstunde. „Da haben wir richtig geil gespielt“, schwärmte Scholz. Sein ehemaliger Trainer Uli Thomale hätte die Lok in den 80er nicht besser einstellen können.

    Diese Notbremse war die letzte Spielaktion für Robert Zickert (#21, Lok), der anschließend mit Rot vom Platz musste. Foto: Jan Kaefer
    Diese Notbremse war die letzte Spielaktion für Robert Zickert (#21, Lok), der anschließend mit Rot vom Platz musste. Foto: Jan Kaefer

    Erst mit einem Fehler von Djamal Ziane, der aufgrund der Systemumstellung auf außen spielte, kippte das Spiel. Ziane geriet ein Rückpass auf Trojandt zu luschig, der BFC tütete über drei Stationen das Ding ein und war auf einmal dick im Geschäft. Noch dicker, als Lok-Innenverteidiger Robert Zickert nach einer Notbremse vom Platz musste. Srbeny war Krug im Rücken enteilt, Misch hatte vorher unglücklich per Kopf vorgelegt.

    „Für mich war das zuvor ein Foul an Misch. Da kann Peter nichts dafür, er hat heute gezeigt, dass er regionalligatauglich ist“, so Scholz. Zickert lamentierte nicht, verschwand wie sonst kein Zweiter nach dem Platzverweis schnell vom Feld, Kirsten parierte den Freistoß aus 16 Metern.

    Einmal patzte Misch allerdings doch. Vor dem BFC-Ausgleich legte Srbeny den Ball per Kopf vor und blieb dann passiv. Die Gäste-Führung nach 53 Minuten zog den Blau-Gelben für 20 Minuten den Stecker. Die Gäste hatten durch Pröger und Srbeny mehrere gute Möglichkeiten und ließen alle ungenutzt. „Das ist unser großes Manko. Wir schießen Tore und sind dann am Ende nicht gierig genug, um das Ergebnis über die Zeit zu retten.“ Lok fuhr emotional erst wieder mit der Hereinnahme von Paul Schinke hoch.

    Der zwischenzeitliche 2:2-Ausgleich durch Djamal Ziane. Foto: Jan Kaefer
    Der zwischenzeitliche 2:2-Ausgleich durch Djamal Ziane. Foto: Jan Kaefer

    Fünf Minuten nach seiner Hereinnahme fanden sich Becker und Schinke zum Doppelpass, Beckers flache Eingabe landete am langen Pfosten, wo Ziane seinen Fehler wieder gutmachte. „Mit seinem Wackelfuß, wie wir seinen rechten immer herzlich nennen“, so Scholz. Nun schien in den letzten Minuten alles möglich, Lok war dem BFC mental einen Schritt voraus, der Gast hatte wohl mit dem Spiel abgeschlossen.

    Der eingewechselte Hofmann und Brügmann konnten schon fünf Minuten vor dem Ende die Weichen auf Sieg stellen. „Lok hat auch in Unterzahl um jeden Ball gekämpft, von daher sind sie verdienter Sieger“, analysierte René Rydlewicz, während Scholz zum Abschluss frohlockte. „Das war ein herrlicher Tag für Lok Leipzig. Wir wollen nun einen einstelligen Tabellenplatz erreichen.“

    Gemessen daran, dass das 85. Duell der beiden Clubs sportlich eigentlich wertlos war, da für beide sowohl nach oben als auch nach unten nicht mehr viel geht, mobilisierte es viele Fans. 5.401 Zuschauer kamen an einem bedeckten Sonntagnachmittag nach Probstheida, die 1.000 Gästekarten waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. Der BFC-Anhang verhielt sich bis auf ein paar Bengalos tadellos und trug seinen Teil zu einem Werbenachmittag für den Regionalliga-Fußball bei. Umso treffender, dass Lok an diesem Sonntag seine Mitgliederkampagne startete.

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