FSV Budissa Bautzen gegen 1. FC Lokomotive Leipzig 0:2 – Mit Mentalität aus dem Keller

Für alle LeserDie Sieglos-Serie des 1. FC Lok ist beendet. Sieben Spiele nach dem letzten Dreier holte Lok bei Budissa Bautzen ein 2:0 (1:0). Nicky Adler traf erstmals für den 1. FC Lok, Ryan Malone besorgte kurz vor Schluss den Endstand. In einem übersichtlichen Fußballspiel traf Lok zweimal per Standard und fuhr erst zum zweiten Mal als Sieger über die A4 von Bautzen wieder nach Hause.

Nach dem Überraschungs-Aus bei der WM 2018 hat der Deutsche Fußballbund begonnen, seine fußballerischen Zukunftsstrategien zu überarbeiten. Die als Straße organisierten Leitlinien wurden um die Bezeichnung des Straßenbelags ergänzt, der fortan „Deutsche Tugenden 2.0“ heißt. In einem Interview erklärte der sportliche Leiter der Nationalmannschaft Joti Chatzialexiou unlängst, der „Fußball benötigt die Mentalität als stabiles Fundament, um sich darauf aufbauend zu entwickeln. Als verschworenes Team aufzutreten und sich dabei gegen Widerstände durchzusetzen war stets eine Grundlage erfolgreicher Mannschaften.“

Bei Lok scheint dies nun Gehör zu finden: Innerhalb von zwei Wochen hat es Lok-Trainer Björn Joppe geschafft, diese Mentalität in seiner Mannschaft zu wecken. In fünf von sechs Halbzeiten unter ihm trat Lok als Mannschaft, als Einheit auf. Nur die erste Halbzeit gegen Chemnitz ist hier abzuziehen.

Auch beim Auswärtssieg in Bautzen am Samstag hat Lok spielerische Kunststücke weggelassen, stattdessen die Mentalität vorangestellt und darüber hinaus seinen Plan durchgezogen.

„Wir wussten, dass Bautzen das Spiel nicht selber machen können wird und auf Konter setzt, daher haben wir uns zurückgezogen“, erläuterte Björn Joppe nach Spielende die Marschroute. Der Plan ging auf. Gegen das kompakte 4:4:2 des 1. FC Lok wusste der Gastgeber vor 706 Zuschauern, darunter 100 aus Leipzig, kein Mittel, schlug die Bälle stattdessen immer wieder hoch Richtung Strafraum. Hier verteidigten Krug, Wolf, Zickert sowie der wieder sicher aufspielende Kevin Schulze nahezu alles einfach weg. Weil aber auch Lok auf den hohen Ball als Mittel der Wahl zurückgriff, entwickelte sich über 90 Minuten kein rasantes Spiel.

Chancen hatte Bautzen nur am Anfang und am Ende des Spiels, aber weder Bönisch, noch Schmidt oder Hoßmang konnten Lukas Wenzel überwinden. Der 19-Jährige strahlte nach dem ersten Zunull-Spiel im Lok-Dress. „Das ist sehr wichtig fürs Selbstvertrauen.“

Sein Gegenüber Maik Ebersbach war ähnlich selten gefragt, musste aber zweimal den Ball aus dem Netz holen, denn Lok nutzte zwei von fünf Chancen. Beide Tore fielen nach Standards. Einen Freistoß von Gottschick verlängerte Matthias Steinborn an den langen Pfosten, wo Nicky Adler den Ball nach 35 Minuten über die Linie drückte.

„Wir hatten gegen den BAK schon Situationen, bei denen lange Bälle auf den langen Pfosten verlängert wurden und keiner da war. Das wollte ich diesmal besser machen“, so Adler. Vor über fünfzehn Jahren traf der mittlerweile 33-Jährige das letzte Mal im Probstheidaer Dress, damals ganz in der Nähe beim FC Oberlausitz Neugersdorf. „Das war damals genauso schön wie heute.“

Die Internet-Seite Regionalliga Nordost berechnete, dass Adler letztmalig vor genau 555 Tagen, damals für Erzgebirge Aue, getroffen hat.

Ganz so lange ist der letzte Treffer von Ryan Malone nicht her, der US-Amerikaner war schon vor dem Spiel mit drei Treffer bester Lok-Schütze, erhöhte sein Konto in der 83. Minute nach einer Ecke auf vier. Beim Jubel bekamen Präsident Thomas Löwe und Aufsichtsratschef Olaf Winkler eine Bierdursche vom Bautzener Publikum, schleppten ihre biergetränkten Sachen anschließend zur Pressekonferenz, wo Joppe seine Mannschaft lobte.

„Was die Jungs heute abgerissen haben nach der englischen Woche, war sensationell.“ Am Mittwoch war das Team gegen den Berliner AK hinten raus körperlich eingebrochen, davon war in Bautzen nichts zu sehen. Der nächste Schritt unter dem neuen Trainer wurde also gemacht. Nach der Niederlage in Chemnitz, dem Remis gegen den BAK, nun der Sieg in Bautzen. „Nun werden wir die Zeit bis zum nächsten Ligaspiel nutzen, um weiter zu arbeiten“, so Joppe.

Wie lange er weiterarbeiten darf, ist noch offen. Der Ex-Profi besitzt nur eine B-Lizenz, mit der er eigentlich nicht in der Regionalliga coachen darf. Der Verein hofft, dass die Ausnahmegenehmigung bis zum Saisonende genehmigt wird. Und Joppe so weiter an Mentalität und Taktik feilen kann. Lok ist vorerst Tabellen-14.

1. FC Lok Leipzig vs. Berliner AK 1:1 – Kategorie unnötig

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